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Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, spricht auf der Jahres-Pressekonferenz in Hamburg. Foto. Felix König Foto: Felix König

Kritik an US-Konkurrent

Otto attackiert Amazon: "Schaden für gesamten Einzelhandel"

Die Otto Group investiert hohe Summen in die Digitalisierung - und ärgert sich über die Steuertricks des US-Konkurrenten Amazon.

Hamburg (dpa) - Die Otto Group hat ihren Konkurrenten Amazon wegen dessen niedriger Steuerzahlungen in der EU scharf angegriffen.

"Wir bezahlen 100 Millionen Euro Steuern, die wir investieren könnten in die Digitalisierung oder in den Service oder in niedrigere Preise für die Verbraucher", sagte Vorstandschef Alexander Birken in Hamburg. "Das ist ein gravierender Nachteil für den gesamten Einzelhandel, nicht nur für Otto, der Arbeitsplätze kostet." Die Otto Group wachse nach wie vor und habe ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung; für andere Bereiche des Einzelhandels gelte das nicht.

Amazon erklärte dazu, das Unternehmen zahle alle anwendbaren Steuern. "Allein in Deutschland beschäftigt Amazon derzeit über 18 000 Mitarbeiter, seit 2010 hat Amazon mehr als 10 Milliarden Euro in hiesige Infrastrukturen und Anlagen investiert", erklärte ein Unternehmenssprecher. Der Konzern investiere auch, um die Komplexität des internationalen Verkaufens für lokale Unternehmen zu reduzieren. Allein im vergangenen Jahr hätten kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland bei Amazon einen Exportumsatz von 2,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Für ihre Verkäufe bei Amazon.de beschäftigten sie mehr als 75 000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Otto hat sich bis 2022 ein Wachstumsziel von vier bis fünf Prozent jährlich auf 17 Milliarden Euro und den Umbau zu einem voll digitalisierte Konzern auf die Fahnen geschrieben. Mit der digitalen Transformation sei auch die Verteidigung europäischer Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Nachhaltigkeit auf einem internationalen Markt verbunden, erklärte Birken. "Die Kunden wollen anständiges Verhalten bei uns sehen", sagte er. Darin sehe er einen Wettbewerbsvorteil gegenüber global dominierenden Playern etwa aus den USA und aus China.

Im Fokus stehe auch weiterhin der Ausbau von otto.de zu einer E-Commerce-Plattform, unter deren Dach mehrere Anbieter ihre Waren versenden. Allein die Onlineumsätze des Unternehmens waren zuletzt auf vergleichbarer Basis um 4,5 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro gestiegen; nach Amazon sei Otto der zweitgrößte Onlinehändler Deutschlands. Außerdem solle der Mode-Händler "About You", an dem Otto weiter Anteile besitzt, mittelfristig zu einer Plattform weiterentwickelt werden.

Insgesamt konnte die Otto Group ihre selbst gesteckten Wachstumsziele unterdessen nicht erreichen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 28. Februar endete, lag der Umsatz mit 13,4 Milliarden Euro nominal unter dem des Vorjahres. Auf vergleichbarer Basis habe die Gruppe ein Plus von immerhin 3,5 Prozent erzielt, hieß es.

Der Gewinn des Unternehmens lag mit 177 Millionen Euro noch deutlicher unter dem Wert des Vorjahres. Im Geschäftsjahr 2017/2018 hatte die Otto Group einen Überschuss von 516 Millionen Euro erwirtschaftet - woran der Teilverkauf der Start-up-Tochter "About You" einen maßgeblichen Anteil hatte. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) reduzierte sich unterdessen von 388 Millionen Euro im Vorjahr auf 222 Millionen.

"Wir hatten höhere Erwartungen, sagte Birken. Dass diese nicht erfüllt werden konnten, begründete er mit dem heißen und langen Sommer 2018, der auf die Kauflaune der Kunden geschlagen habe, sowie auf einen Rückzug einzelner Marken aus dem russischen Markt. Außerdem habe die Otto Group hohe Investitionen geleistet, vor allem in E-Commerce und in die logistische Infrastruktur des Konzerns.

Der Konzern bleibe auf Kurs, versicherte Birken. Im diesem Jahr rechne er mit einem stärkeren Umsatzwachstum und einem leicht höheren operativen Ergebnis.

Mitteilung Otto

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