Hohe Kosten bringen nur magere Rendite

Geldanlage: - Sicherheit ist für viele Anleger das wichtigste Kriterium bei der Geldanlage. Das zeigt der Erfolg der Garantiefonds, die derzeit einen Boom erleben. Über vier Milliarden Euro investierten Anleger im vergangenen Jahr nach Branchenangaben in solche Fonds. Dabei sind die nach Ansicht von Experten ein zweifelhaftes Investment.

Garantiefonds sind eine Mischung aus Aktien- und Zinsanlagen. Wer einen solchen Fonds kauft, ist vor Verlusten weitgehend geschützt, und meist wird eine 100-prozentige Rückzahlung des eingezahlten Kapitals zugesichert. Doch was sich gut anhört, beurteilen Fachleute skeptisch: "Die Fonds sind ein Renditekiller, und für vorsichtige Anleger gibt es deutlich bessere Anlagemöglichkeiten", sagt Karin Baur vom Magazin "Finanztest", das von der Stiftung Warentest herausgegeben wird.

Es gibt Garantiefonds in zwei Varianten: Die einen haben eine feste Laufzeit, bei ihnen gilt die Garantie zum Fälligkeitstag. Maßstab ist dabei meist der erste Anteilswert. Das bedeutet ein Verlustrisiko für Anleger, die zu einem höheren Kurs später einsteigen.

Daneben gibt es auch geschlossene Garantiefonds, die nur über einen kurzen Zeitraum erworben werden können. Anleger haben die Möglichkeit, ihre Anteile vor Erreichen des festgelegten Termins zurückzugeben, die Garantie gilt jedoch auch hier nur zum Ende der Laufzeit.

Die Laufzeit von Garantiefonds beträgt im Schnitt etwa acht Jahre. Die bisherigen Renditen sind nach einer Studie des Finanzdienstleisters E-Fund-research jedoch mager, wie eine Analyse von 40 Fonds mit einer vierjährigen Historie ergab. Pro Jahr erzielten sie im Schnitt eine Rendite von nur 3,7 Prozent. Und alle 153 Fonds mit einer 12-Monats-Historie brachten lediglich 4,4 Prozent. Der Welt-Aktienindex MSCI erzielte im selben Zeitraum immerhin 15,8 Prozent.

Wie spärlich die Rendite der Garantiefonds ausfällt, belegt auch eine Untersuchung von "Finanztest": Die Experten entwarfen zu 43 Garantiefonds ein selbst zusammengestelltes Garantiedepot aus Aktien und Zinsanlagen und verglichen dann beide Anlagen. In 37 Fällen war die Rendite des "Finanztest"-Depots besser als die Fondsprodukte.

"Wer eine sichere Geldanlage mit guten Ertragschancen sucht, der stellt sich am besten selbst ein Depot zusammen", empfiehlt Karin Baur. Dazu eigne sich beispielsweise die Kombination eines kostenlosen Banksparprodukts wie Festgeld mit einem Aktienfonds. "Und wer sein Geld langfristig anlegen will, der braucht ohnehin keinen Garantiefonds und sitzt Kursschwankungen einfach aus", so Baur.

Zudem sind die Garantieprodukte eine kostspielige Angelegenheit. Neben einem Ausgabeaufschlag bis zu 5,25 Prozent kommen auch noch laufende Kosten hinzu, die laut E-Fundresearch im Schnitt 1,41 Prozent jährlich betragen. Daher könne man Garantiefonds als teures Investment bezeichnen, betonen die Experten.

Angesichts der im Schnitt achtjährigen Laufzeit müsse auch der Nutzen der Garantiefonds hinterfragt werden, heißt es in der Studie. Denn im Vergleich dazu sei das Verlustrisiko bei einem reinen Aktieninvestment auch nicht hoch. So habe der Welt-Aktienindex MSCI in keinem der 8-Jahres-Perioden seit 1970 einen geringeren Jahresertrag als 3,9 Prozent erzielt, und daher könnten Anleger getrost auf den Fallschirm der Kapitalgarantie verzichten. Geeignet seien Garantiefonds allenfalls für Anleger mit wenig Erfahrung, Disziplin und schlechten Nerven, heißt es in der Studie.

Ungeachtet dessen setzt sich der Boom auch in diesem Jahr fort. Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres investierten Anleger in Deutschland laut dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) in Frankfurt fast 500 Millionen Euro in Garantiefonds.

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