Hohe Rohstoffpreise vermiesen den Unternehmen die Stimmung

- München - Die Wirtschaft stöhnt sowohl unter den hohen Rohstoffpreisen als auch unter dem starken Euro. Die rasant gestiegenen Kosten vor allem für Öl und Stahl haben die Importpreise in Deutschland auf die höchste Teuerungsrate seit über drei Jahren getrieben. Deshalb hat die Stimmung in den deutschen Unternehmen einen erheblichen Knick bekommen. Allerdings dämpft der starke Euro auch den Kostenanstieg der in Dollar gehandelten Rohstoffimporte.

<P>Der Ifo-Geschäftsklimaindex brach im November von 95,3 auf 94,1 Punkte ein. Damit ging der Geschäftsklimaindex deutlicher zurück als erwartet und lag unter dem langjährigen Durchschnitt von 95,0 Punkten. Erstmals seit Juni beurteilten die 7000 befragten Unternehmen ihre Geschäftslage schlechter. Auch für die kommenden sechs Monate rechneten die Betriebe ebenfalls mit schlechteren Geschäften. Einziger Lichtblick: Im von hoher Arbeitslosigkeit bedrückten Ostdeutschland hellte sich das Geschäftsklima etwas auf.<BR>Trotz des Stimmungseinbruchs rechnet die Bundesregierung weiter fest mit einem Konjunkturaufschwung. "Die Stagnation ist vorbei. Wir sind auf dem Weg, die Wachstumsschwäche zu durchbrechen", sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.<BR><BR>Der Index der Einfuhrpreise lag im Oktober um 4,1 Prozent über dem Vorjahresstand. Die Börsen zeigten sich jedoch unbeeindruckt vom schwachen Ifo-Index und legten weiter zu. Eine so hohe Teuerungsrate gab es zuletzt im April 2001, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die saftigsten Preiserhöhungen gab es unter anderem bei Eisenlegierungen (plus 83,4 %), Mineralölerzeugnissen (plus 58,8 %) sowie Rohöl (plus 48,8 %).<BR><BR>Unterdessen wird der japanische Hersteller Nissan als erster großer Autobauer wegen Stahlmangels die Produktion stoppen müssen. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen demnächst in drei von vier japanischen Werken die Bänder für fünf Tage stillstehen. Vor allem die große Nachfrage nach Rohstoffen aus China hat zu Engpässen bei Stahl geführt. Auch deutsche Autozulieferer klagen über die hohen Stahlpreise.<BR><BR>Auch vom Devisenmarkt kommt keine Entlastung für die Konjunktur in Deutschland: Der Euro kletterte erstmals über 1,32 Dollar, gab im Handelsverlauf aber etwas nach. Ein teurer Euro erschwert Exporte in den Dollarraum. Auf der anderen Seite dämpft er aber den Preisanstieg bei Importgütern wie Rohöl, die in Dollar bezahlt werden.<BR><BR>Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es weiter kaum Hoffnung auf eine Trendwende. Auch im November zeichnet sich nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten keine Besserung ab. Nach den Berechnungen der Fachleute waren im zu Ende gehenden Monat rund 4,26 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit; dies wären rund 60 000 mehr als im Oktober und rund 80 000 mehr als vor einem Jahr.</P>

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