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Hohe Spritpreise: Münchner Taxiverband drängt OB-Reiter - „Wir brauchen einen Spritzuschlag“

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Von: Patricia Huber

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Das Dachschild eines Taxis leuchtet bei Dunkelheit.
Die Taxitarife sind noch nicht an die hohen Spritpreise angepasst. Daher fordert der Taxiverband München einen vorübergehenden Zuschlag. © Felix Hörhager/dpa

Die Corona-Pandemie hat dem Taxi-Gewerbe drastische Einbußen beschert. Nun verschärfen auch noch hohe Spritpreise die Lage. In ihrer Not hofft die Branche jetzt auf Münchens OB Dieter Reiter.

München - Wegen der hohen Spritpreise in Folge des Ukraine-Krieges* gab es in den vergangenen Tagen zahlreiche Protestaktionen und Demos. Besonders Lkw-Fahrer haben auf ihre missliche Lage aufmerksam gemacht. Sie fordern ein schnelles Eingreifen der Bundesregierung.

Ukraine-News: Taxiunternehmen leiden auch unter hohen Benzin- und Dieselpreisen

Aber nicht nur die Speditionen trifft es. Auch Taxifahrer- und Unternehmen leiden unter den jüngsten Preisanstiegen an den Zapfsäulen und drängen auf rasche Hilfe. Immerhin stammt der derzeit gültige Taxitarif in München vom März 2021 - als die Kraftstoffe noch deutlich günstiger waren. Aktuell beträgt die Grundgebühr pro Fahrt 4,80 Euro. Hinzu kommen aktuell 2,10 Euro je gefahrenem Kilometer. Merkur.de sprach mit dem geschäftsführenden Vorstand des Taxiverbands München, Florian Bachmann, über die Lage und die Frage, wie die Stadt München und der Bund nun helfen könnten.

Herr Bachmann, die Preise für Super und Diesel sind auf Rekordniveau. Wie schlimm ist die Lage für die Taxi-Branche?

Uns geht es genauso wie allen anderen, die beruflich von Treibstoff abhängen. Eigentlich können wir uns das alles gar nicht wirklich leisten. Wir versuchen, wie die Omnibus- und Lkw-Branche Hilfen zu bekommen. Wie auch immer die aussehen würden.

Weniger Umsatz, höhere Kosten

Um mit den Behörden in die Verhandlungen zu gehen, hat der Verband die aktuelle Kostenaufstellung eines Taxis berechnet und diese mit den Kosten aus der Vor-Pandemie-Zeit verglichen. Daraus geht hervor, dass ein Taxi vor der Corona-Pandemie im Schnitt 80.000 Kilometer pro Jahr gefahren ist. Bei einem Verbrauch von neun Litern Diesel auf 100 Kilometer und einem Dieselpreis von 1,30 Euro ergibt das jährliche Spritkosten in Höhe von 9.360 Euro. Damals waren die Ausgaben für Diesel niedriger und zudem der Umsatz höher, da deutlich mehr Kilometer gefahren wurden, als aktuell.

Im Moment werden im Schnitt nur 57.600 Kilometer pro Jahr gefahren. Hinzu kommt ein höherer Preis für Diesel (2,30 Euro). Im Jahr macht das dann etwa 11.923 Euro nur für den Kraftstoff. Das ist gut ein Viertel mehr, als vor Corona*. Somit entstehen den Unternehmen höhere Kosten bei weniger Fahrleistung, was letztendlich auf den Umsatz drückt.

Was fordern Sie konkret?

Wir haben aktuell bei den verschiedenen Ministerien, die zuständig sind, also Verkehrsministerium in Berlin und Bayern, aber auch bei der Stadt München, beantragt, dass wir kurzfristig und auch nur vorübergehend pro Fahrt einen Zuschlag von jedem Fahrgast verlangen dürfen. Das wäre eine schnelle, kurzfristige Möglichkeit, um die höheren Kosten aufzufangen.

Hohe Spritpreise: Taxiunternehmen können Preise nicht einfach anpassen

Aber erst muss die Stadt München hierfür grünes Licht geben?

Richtig, das ist auch das Problem. Wir können unsere Tarife nicht einfach anpassen, wie zum Beispiel Lkw-Fahrer*. Bis eine Tariferhöhung wirksam wird, vergehen schon mal sechs bis acht Monate, meistens sogar ein Jahr. Das einzige, was man machen könnte, wäre vorübergehend einen Zuschlag pro Fahrt zu verlangen. Das wäre gesetzlich abgedeckt - wenn die Stadt München oder die Gemeinde das genehmigt.

Wie hoch soll dieser Zuschlag ausfallen?

Wir haben unser Schreiben in München direkt an Oberbürgermeister Dieter Reiter gerichtet, haben aber den Pauschalbetrag offen gelassen und nur darauf hingewiesen, dass der Stadt München gesetzlich diese Möglichkeit offen steht. Es handelt sich also nicht um einen offiziellen Antrag, sondern um einen „Hilferuf“. Zuständig für die Genehmigung wäre am Ende die Gewerbeabteilung des KVR.

Welche Unterstützung erhoffen Sie sich vom Bund, beziehungsweise beim bayerischen Verkehrsministerium?

Hier wurde in Abstimmung mit anderen bundesweit verstreuten Verbänden der Vorschlag von einem Euro pro Fahrt gemacht. Dies wird vermutlich nicht durchsetzbar sein, aber bei der Politik muss man manchmal mit Maximalforderungen auftreten.

Was halten Sie von Christian Lindners Vorschlag, einen Tank-Rabatt einzuführen?

Alles, was uns am Ende hilft, die aktuellen Preise nicht in vollem Umfang zu bezahlen, ist sicherlich hilfreich. Persönlich bin ich kein Freund von einer generellen Rabattierung, weil das dazu führt, dass auch diejenigen rabattiert werden, die es sich vielleicht leisten könnten. Aber uns würde es auf jeden Fall helfen.

Zumal die Branche die Folgen der Corona-Pandemie wohl noch nicht verdaut haben dürfte, oder?

Ja, das ist unser generelles Problem. Jetzt nach zwei Jahren Corona sind sämtliche Reserven ohnehin aufgebraucht. Alles, was ich auch in meiner Firma als Reserve hatte, ist einfach weg. Jetzt müssen wir quasi mit den nächsten zusätzlichen Kosten kämpfen. Wir haben ohnehin nur relativ geringe Gewinnmargen in unserem Taxitarif drin. Das heißt, das wird schon ziemlich eng* und sicherlich für viele Unternehmer auch der endgültige Stoß, dass es nicht mehr geht.

Was bedeuten die hohen Spritpreise für den Arbeitsalltag?

Die angestellten Fahrer sind die, die versuchen, das Fahrzeug so wenig wie möglich zu bewegen und lieber mehr Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Ich rede natürlich auf meine Angestellten ein und sag „Guckt, dass ihr möglichst wenig verfahrt.“ (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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