Hohe Strompreise: Länder machen Druck

- München - Die deutschen Stromanbieter geraten wegen ihrer Preispolitik zusehends unter Druck. Nachdem vergangene Woche Ermittler Büros von Eon und RWE wegen angeblicher Absprachen durchsuchten, forderten am Wochenende mehrere Länderminister die Unternehmen auf, ihre Entgelte wegen der gesunkenen Einkaufspreise an der Leipziger Strombörse nach unten anzupassen.

"Die Stromkonzerne müssen günstigere Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben", erklärte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) unserer Zeitung. Zuvor hatte sich sein hessischer Kollege Alois Riehl (CDU) gegenüber der "Bild am Sonntag" ähnlich geäußert und die Unternehmen aufgefordert, Anträge auf Preisreduzierungen einzureichen. Auch Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) ermahnte die Stromwirtschaft, die Preise zu senken.

Hintergrund der Appelle sind die deutlich gefallenen Entgelte für CO2-Zertifikate am Leipziger Handelsplatz. Die Stromunternehmen müssen solche Verschmutzungsrechte seit 2005 erwerben, da sie bei der Energieerzeugung teilweise große Mengen des Klimagifts Kohlendioxid in die Luft pusten. Dabei hatten sie die letzten Preisaufschläge unter anderem mit den teuren Zertifikaten begründet. Im Zuge des Kursverfalls hatte sich jedoch der Großhandelspreis für Strom wesentlich verbilligt.

Erwin Huber kündigte an, beim nächsten Genehmigungsverfahren für die Stromtarife im Herbst genau hinzusehen: Bayern werde alle nicht gerechtfertigten Kostenansätze streichen, so der Minister. Eventuell können sich manche bayerischen Verbraucher aber schon früher freuen. Wegen zu hoch angesetzter so genannter Netzentgelte müssen einige bayerische Stromanbieter möglicherweise schon früher ihre Preise senken, wie sich bei Prüfungen des Wirtschaftsministeriums andeutet.

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