Hohe Zinsen bei nachrangigen Anlagen: Es droht Totalverlust

- Anleger sollten bei einigen aktuellen Zinsschnäppchen vorsichtig sein. Mehrere Kreditinstitute bieten attraktive Anlagen mit einer sogenannten Nachrangabrede an, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet. Sie locken mit hohen Zinsen, doch Anleger sollten die Angebote genau prüfen, denn im schlimmsten Fall droht ihnen der Totalverlust.

Bei Pleite kein Cent

Eine türkisch-niederländische Bank offeriert derzeit 4,75 Prozent bei einer Festanlage ab 2600 Euro für sechs Jahre; bei zehn Jahren sind sogar 6,0 Prozent drin. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Sparkonto, sondern um eine nachrangige Einlage. Das Besondere daran ist, dass bei diesem Angebot das niederländische Einlagensicherungssystem nicht greift. Den Sparern wird kein Cent erstattet, sollte das Institut pleitegehen.

"Das ist nicht gerade anlegerfreundlich, aber juristisch korrekt", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale. Geldanlagen mit Nachrangabrede lassen sich nicht mit Festgeld oder Sparbrief vergleichen, auch wenn es während der Laufzeit eine feste Verzinsung gibt. Denn im Fall einer Bankpleite sind die Kunden von der Einlagensicherung des Kreditinstituts ausgenommen. Dann werden zunächst die "normalen" Gläubiger wie Eigentümer von Sparanlagen und Lieferanten bedient.

Ohne Sicherung

"Während die herkömmli- chen Anleger von der Einlagensicherung profitieren und die Eigentümer von Inhaberschuldverschreibungen zumindest auf einen Teil ihres Geldes hoffen können, gehen nachrangige Gläubiger im schlimmsten Fall komplett leer aus", sagt Bieler. Auch mehrere deutsche Institute locken mit nachrangigen Produkten, meist als "Kapitalbrief" angeboten. So offeriert ein norddeutsches Kreditinstitut 4,14 Prozent Zinsen bei fünfjähriger Laufzeit. Eine Essener Bank bietet über zehn Jahre 5,0 Prozent und weist darauf hin, dass "kein Schutz durch den Einlagensicherungsfonds" besteht.

Sicher: Sparkassen

"Anleger sollten solche Angebote nur nutzen, wenn sie von der Kreditwürdigkeit des Instituts überzeugt sind", sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest. Insbesondere bei kleineren Banken sei eine Pleite nicht ausgeschlossen, während sie bei Sparkassen durch die Insti-tutssicherung nicht zu befürchten sei. Außerdem gebe es derzeit viele attraktive Sparangebote auch ohne solche Einschränkungen, bei denen die Konditionen teilweise sogar noch besser seien, sagt Baur. Nach einer Marktübersicht von "Finanztest" wird etwa für Tagesgeld derzeit bis zu 3,3 Prozent geboten.

Bei Festgeldanlagen mit einjähriger Laufzeit sind bis zu 3,8 Prozent drin, und bei fünfjähriger Laufzeit sind es bis zu 4,5 Prozent. Einige dieser Angebote stammen von ausländischen Anbietern. Hier sollten Anleger darauf achten, dass die Einlagen durch die niederländischen, luxemburgischen oder österreichischen Einlagensicherungsfonds gedeckt sind. In Deutschland sind die Anlagen durch die freiwilligen Einrichtungen der privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken praktisch ohne Limit abgesichert. Eine Ausnahme bilden einige kleine Institute, die lediglich über den gesetzlichen Mindestschutz verfügen. Hier sind pro Kunde 90 Prozent des Anlagebetrags gedeckt, maximal aber 20 000 Euro.

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