Tausende Euro Zinsen steuerfrei gibt es für Rentner, Kinder oder Geringverdiener mit einer Nichtveranlagungs-Bescheinigung. Fotolia

Hohe Zinsen steuerfrei

München - Mit einem Freibrief vom Finanzamt Steuern sparen - das können viele Rentner, Kinder und Geringverdiener. Die Bescheinigung ist schneller als gedacht beantragt.

Anleger, die sich Steuerabzüge der Bank sowieso vom Finanzamt wieder holen können, sollten es sich bequemer machen, rät die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer aktuellen Ausgabe (August 2001). Legen Kunden ihrer Bank eine „Nichtveranlagungsbescheinigung“ vor, zahlt sie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne weit über dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Ehepaare 1602 Euro) im Jahr steuerfrei aus.

NV-Bescheinigung spart Zeit und Nerven

Interessant ist das zum Beispiel für vermögende Eltern oder Großeltern, die Kindern oder Enkeln ein großes Geldgeschenk mit steuerfreien Erträgen zukommen lassen wollen. Auch Rentner können damit Zeit und Nerven sparen. Denn der Freibrief gilt drei Jahre lang. So lange haben sie Ruhe vor dem Finanzamt.

Bevor das Finanzamt den Freibrief ausstellt - das entsprechende zweiseitige Formular gibt es beim Finanzamt - fragt es nach den voraussichtlichen Einkünften. Solange die Kinder nichts verdienen, dürfen sie bis zu 8841 Euro Kapitalerträge im Jahr steuerfrei kassieren. Denn neben 8004 Euro Grundfreibetrag stehen auch jedem Kind 801 Euro Sparerpauschbetrag plus 36 Euro Sonderausgabenpauschbetrag zu. Somit kann ein Kind mit 220 000 Euro Vermögen jährlich rund vier Prozent Zinsen erzielen, ohne dass das Finanzamt dafür Steuern verlangt.

Tipp: „Damit Sie sich die Steuererklärung für Ihr Kind sparen und die Bank gleich die Kapitalerträge steuerfrei auszahlt, sollten Sie die NV-Bescheinigung beantragen, bevor die ersten Zinsen fällig sind“, schreibt „Finanztest“.

Ist ein Kind in der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos mitversichert, darf sein Vermögen nicht allzu üppig sein. Betragen sie im Monat mehr als 365 Euro (jährlich 4380 Euro), werden Beiträge fällig. Kapitalerträge nach Abzug von 801 Euro Sparerpauschbetrag zählen mit. Ist das Kind erwachsen, ist das Kindergeld gefährdet, wenn die Einkünfte und Bezüge des Kindes mehr als 8004 Euro im Jahr betragen. Ab 2012 soll die Grenze in der ersten Ausbildung nicht mehr gelten.

Ausgabe-Belege akribisch sammeln

Die NV-Bescheinigung ist auch eine Chance für Rentner, wenn ihr Einkommen nach Abzug aller Freibeträge unter dem Grundfreibetrag für Ehepaare von 16 008 Euro (Singles 8004 Euro) im Jahr bleibt. Legen sie eine NV-Bescheinigung vor, muss ihnen die Bank die Zinsen steuerfrei auszahlen und sie sparen sich drei Jahre lang die Steuererklärung. Für den NV-Antrag können Rentner viele Angaben aus ihrer jüngsten Steuererklärung übernehmen.

Beantragen Rentner beim Finanzamt die NV-Bescheinigung, ziehen die Beamten von den Einkünften, die neben der Rente anfallen, auch gleich einen Altersentlastungsbetrag ab. Sonst geschieht das erst im Steuerbescheid nach der Steuererklärung.

Einen wichtigen Abschnitt sollten alle im Antrag auf die NV-Bescheinigung beachten. Unter „Weitere Angaben“ fragt das Finanzamt nach den Ausgaben. Hier sind Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Kirchensteuern, Spenden, Arztkosten, Praxisgebühren, Ausbildungskosten und andere Ausgaben anzugeben. Dadurch sinkt das Einkommen, das zu versteuern ist. „Untermauern Sie Ihren Antrag mit Belegen. Das schützt Sie vor Nachfragen vom Finanzamt“, rät „Finanztest“.

Wer Konten bei mehreren Banken hat, kann gleich mehrere NV-Bescheinigungen beim Finanzamt beantragen. Alternativ genügt eine unbeglaubigte Kopie, auf der die Bank vermerkt, dass ihr das Original vorgelegen hat. Das ist nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums möglich (Az. IV C 1 - S 2400 - 23/02, Bundessteuerblatt 2002 Teil I S. 1346).

Finanzamt ist bestens vernetzt

Steigen die steuerpflichtigen Einnahmen eines Kapitalanlegers, sodass ihm keine NV-Bescheinigung mehr zusteht, muss er das Papier ans Finanzamt zurückgeben. Mogeln bringt dabei nichts. Banken müssen steuerfrei ausgezahlte Kapitalerträge an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn melden. Das gilt ab dem Jahr 2013 auch für freigestellte Erträge aufgrund einer NV-Bescheinigung. Überdies informiert das Bundeszentralamt nicht nur das Finanzamt über die Höhe der Kapitalerträge. Auch andere Behörden wie das Sozialamt, das Bafög-Amt, die Wohngeldstelle, die Elterngeldkasse und die gesetzliche Krankenkasse erfahren davon.

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