Holstentor auf Zwei-Euro-Münze: Kaum Gewinne zu erwarten

- Dieses Geld gibt es offiziell noch gar nicht - und doch ist es bereits im Internet zu erwerben. Der Fehler einer Bank hat die neue Zwei-Euro-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland vorzeitig in Umlauf gebracht. Eigentlich sollte erst heute auf der internationalen Münzenmesse "World Money Fair" der Startschuss fallen.

Dort wird vom Bundesfinanzministerium die nun nur noch offiziell erste Münze einer ganzen Reihe ans Land Schleswig-Holstein übergeben. Das Zwei-Euro-Stück bildet auf ihrer Rückseite anstelle des Bundesadlers das Holstentor in Lübeck ab. Die Rückseite sieht aus wie jedes andere Zwei-Euro-Stück.

Damit beginnt eine ganze Serie, mit der in den nächsten 15 Jahren jedes Jahr ein historisches Bauwerk in Deutschland, das als Weltkulturerbe gilt, dargestellt wird. Für jedes Bundesland gibt es eine Münze. Die lange Zeitspanne geht auf die EU zurück, die pro Land jährlich nur eine Sondermünze zulässt. Das führt aber nicht zu einer Verknappung.

Große Gewinne waren bisher selbst mit der vorzeitig in Umlauf geratenen Münze nicht zu machen. Reihenweise wird das frisch geprägte Stück für 3,05 Euro (plus Porto) beim Internet-Auktionshaus Ebay angeboten. Dort schlucken schon die Auktionsgebühren einen Großteil des Gewinns - wenn man sie überhaupt los wird. Denn Käufer sind kaum zu finden. Lediglich für ganze Sätze (mit Münzen aus allen fünf deutschen Prägestätten) gibt es Gebote, die einen Aufschlag, der über den Nennwert hinausreicht, beinhalten.

Experten warnen vor hohen Erwartungen an große Wertsteigerungen bei solchen Sammlermünzen. Preise, die erheblich über dem Nennwert liegen, werden von Experten nicht erwartet. Huber Ruß, Leiter der numismatischen Abteilung bei Hauck & Aufhäuser, verweist auf die Erfahrungen mit den entsprechenden D-Mark-Münzen mit fünf oder zehn Mark Nennwert, von denen noch heute Millionen in den deutschen Privathaushalten liegen. Als Zahlungsmittel haben sie ausgedient, als Sammlerstücke will sie kaum einer kaufen. Dabei sind diese Münzen, gemessen an den neuen Sonder-Zwei-Euro-Prägungen, vergleichsweise rare Stücke: Acht Millionen davon wurden in Umlauf gebracht. Bei den Zwei-Euro-Münzen sind es 30 Millionen Stück. So ist damit zu rechnen, dass mittelfristig ein erheblicher Teil der nun ausgegebenen Bestände als Zahlungsmittel endet.

Dabei sind nur einwandfrei erhaltene Münzen für Sammler geeignet. Jeder Kratzer, jede andere Gebrauchsspur mindert den Wert erheblich. So entscheidet der Erhaltungszustand darüber, ob selbst eine gesuchte Rarität für fünf Euro oder für tausend ihren Besitzer wechselt. Immerhin ist bei den Euro-Gedenkmünzen, die ja auch ganz normales Zahlungsmittel sind, vorläufig der Nennwert garantiert.

Doch die Chance auf eine günstigere Wertentwicklung gilt angesichts der hohen Stückzahl der Euro-Gedenkmünze als gering. Selbst bei den relativ seltenen vom Vatikan herausgegebenen Euro-Münzen hält Münzen-Experte Ruß einen dauerhaft hohen Wert für nicht sichergestellt. "Dabei sollte immer das Hobby im Vordergrund stehen", sagt er.

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