Holsten-Übernahme alarmiert Finanzaufsicht

- München - Wer nach Dänemark reist, darf aus Deutschland maximal 110 Liter Bier mitbringen. Mal schaun, wie der Carlsberg-Chef durch die Zollkontrolle kommt _ mit ein paar Millionen Hektolitern im Gepäck. Der dänische Braukonzern war in Deutschland für 1,06 Milliarden Euro einkaufen und bringt große Teile der Holsten-Gruppe mit.

<P>Carlsberg übernimmt und zerschlägt mit Holsten den zweitgrößten Braukonzern in Deutschland. Die Serie von Groß-Übernahmen auf dem deutschen Biermarkt setzt sich damit fort - und ist noch längst nicht zu Ende.</P><P>Die Umwälzungen auf dem Markt vor Augen, trennt sich Großaktionär Christian Eisenbeiss von seinen 48,37 Prozent Anteil an der Holsten-Gruppe und macht den Weg für die Übernahme frei. 38 Euro je Aktie dürften die spontane Entscheidung erleichtern. Ende 2003 hatte Holsten noch versichert, es werde keinen Verkauf geben.</P><P>Dass das falsch war, sickerte in der vergangenen Woche wohl vorzeitig durch. Der Kurs von Holsten stieg seither um rund ein Drittel. Die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen kündigte eine Untersuchung wegen möglichen Insiderhandels an. Auch die Kartellbehörden und die verbliebenen rund 24 % freien Aktionäre können die Carlsberg-Pläne noch kippen. Das gilt jedoch als eher unwahrscheinlich.</P><P>Holsten, Lübz, Astra, Landskron und Duckstein sind die überwiegend in Norddeutschland bekannten Marken, die Carlsberg weiterführen will. Der Rest der profitablen, aber zuletzt arg mit dem Dosenpfand kämpfenden Holsten-Gruppe wird verkauft: die Marken Licher und König Pilsener an die Bitburger-Gruppe, die Mineralwasser-Sparte an den nächstbesten Bieter. Von 2800 Mitarbeitern wechselt nur gut die Hälfte zu den Dänen. Die Deutschland-Zentrale wird von Mönchengladbach nach Hamburg verlegt. Chef der neuen Carlsberg-Tochter, die den Namen Holsten behalten soll, wird der erfahrene Bier-Manager Wolfgang Burgard. Dem bisherigen Holsten-Chef Andreas Rost wird ein Wechsel ins Kopenhagener Carlsberg-Management angeboten.</P><P>Den schrumpfenden deutschen Biermarkt wirbelt die Übernahme kräftig durcheinander. Bis vor wenigen Jahren war die Branche mit 5000 Marken und 1300 Braustätten mittelständisch geprägt und weitgehend abgeschottet. Dann kamen die ausländischen Konzerne. Interbrew aus Belgien schluckte nacheinander Diebels, Becks, Hasseröder, Spaten/Franziskaner und wurde zum größten Brauer der Republik. Jetzt hebt Carlsberg an. Ein Ende ist nicht in Sicht. Bitburger rechnet damit, dass in den nächsten Wochen weitere Brauereien über die Theke gehen, und will dabei als Käufer mitmischen. Auch der Getränkekonzern Brau und Brunnen, bisher in Mehrheitsbesitz der Münchner HypoVereinsbank, plant kurzfristig "zwei oder drei" weitere Firmenkäufe. Und zwar laut Chef Michael Hollmann "richtige Knaller". Finanziert werden könnten Zukäufe durch Grundstücksverkäufe, neue Schulden bei der HVB und mit den 10 Prozent eigenen Aktien. "Es wird das Jahr der Wahrheit", sagt Hollmann.</P>

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