VW holt Golf-Produktion nach Deutschland zurück

- Wolfsburg/Brüssel ­- Die VW-Sanierung schwappt über die Grenze. Mit dem Abzug der Golf-Produktion aus Brüssel und massiven Stellenstreichungen greift die Restrukturierung nun auf die westeuropäischen Fabriken über. Die Rosskur in Brüssel, wo zwei Drittel der rund 5400 Jobs wegfallen könnten, ist dabei nicht das Ende.

VW prüfe auch für weitere Standorte in Westeuropa eine Restrukturierung, zum Beispiel für das Werk im spanischen Pamplona, sagte ein VW-Sprecher. Mit der Brüsseler Entscheidung stützt Volkswagen zugleich sein schwach ausgelastetes Stammwerk in Wolfsburg.

Der Automarkt in Westeuropa gilt als gesättigt. Volkswagen hat Überkapazitäten, baut also mehr Autos, als verkauft werden können. Der mögliche Export dieser Autos in andere Märkte, etwa die USA oder Asien, ist wegen ungünstiger Wechselkurse oder hoher Importzölle ein schlechtes Geschäft. VW verfolgt daher folgende Strategie: Die Überkapazitäten in Westeuropa werden gekappt, dafür neue Kapazitäten aufgebaut ­ und zwar vor allem in den Wachstumsmärkten Russland, Indien und China. In China ist VW bereits seit langem vertreten, in Russland und Indien baut der Autobauer neue Werke.

In Westeuropa konzentriert VW zudem seine Produktion. Der Golf, das mit Abstand wichtigste Modell, wird künftig nicht mehr in Brüssel gebaut, sondern nur noch im Stammwerk Wolfsburg sowie im sächsischen Mosel bei Zwickau. VW spart damit vor allem mit Blick auf den anstehenden Modellwechsel etwa Investitionskosten für neue Maschinen ­ statt in drei muss der Autobauer künftig nur in zwei Golf-Produktionsstätten investieren. Die Einsparungen durch das Ende der Golf-Produktion in Brüssel liegen nach VW-Angaben in dreistelliger Millionenhöhe. "Konzepte, die eine Golf-Produktion in Brüssel einbeziehen, rechnen sich nicht", sagte VW-Produktionsvorstand Reinhard Jung in Brüssel.

Denn VW will mit dem Golf schließlich wieder Geld verdienen. Mit dem aktuellen Modell nämlich verdient der Autobauer keinen einzigen Cent ­ im Gegenteil: "Wenn das wichtigste Auto, der Golf, in den roten Zahlen ist, dann ist die Welt bei VW nicht in Ordnung", sagte unlängst VW-Personalvorstand Horst Neumann.

Mit dem massiven Abbau in Brüssel stützt VW zugleich sein Stammwerk in Wolfsburg. Erst vor wenigen Wochen hatten Management und IG Metall deutlich längere Arbeitszeiten in den sechs westdeutschen Werken vereinbart. Im Gegenzug hatte die Gewerkschaft Produktionszusagen für die einzelnen Werke in Westdeutschland erkämpft. Für Wolfsburg wurde vereinbart, dass dort der neue Golf sowie ein zusätzliches Modell mit großer Fertigungszahl gebaut werden. Die Kapazität für 460 000 Autos dort soll voll ausgelastet werden.

In Brüssel regiert indes die Fassungslosigkeit. Gewerkschafter befürchten das Schlimmste: Bis zu 4000 Jobs könnten in der VW-Fabrik wegfallen. Viele Arbeiter, die zum Teil seit den 80er-Jahren in Brüssel den Golf bauen, kämpften mit den Tränen, als sie die Nachricht aus Wolfsburg erreichte. Der Stellenabbau kommt für die von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelte Stadt Brüssel einem Erdbeben gleich.

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