Holtzbrinck muss Käufer für "Tagesspiegel" suchen

- Berlin/Stuttgart - Vor einer möglichen Entscheidung von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zur Berliner Zeitungsfusion muss das Medienhaus Holtzbrinck einen Käufer für den "Tagesspiegel" suchen. Das Bundesministerium habe Holtzbrinck aufgefordert zu prüfen, ob es für das Blatt einen Interessenten gibt, der bereit und in der Lage sei, den "Tagesspiegel" als eigenständige publizistische Einheit zu führen, teilte der Verlag in Stuttgart mit.

<P>Holtzbrinck habe dieser "außergewöhnlichen und schwierigen Prüfung" zugestimmt, erklärte Verlagssprecher Rolf Aschermann. Zuvor hatte das Ministerium eine Entscheidung über eine Ausnahmegenehmigung für den Erwerb der "Berliner Zeitung " (Gruner+Jahr) durch Holtzbrinck verschoben. Die Voraussetzungen für die Bewertung des Holtzbrinck-Antrags auf Ministererlaubnis seien noch nicht erfüllt, teilte das Ministerium mit und bestätigte damit Berichte vom Wochenende. Ein neuer Termin wurde nicht genannt.</P><P>Ursprünglich sollte die Entscheidung über den Antrag an diesem Dienstag bekannt gegeben werden. Das Bundeskartellamt hatte dem Stuttgarter Verlagshaus den Kauf der "Berliner Zeitung" (Gruner+Jahr) untersagt. Dadurch würde Holtzbrinck den Markt der regionalen Abonnements-Zeitungen in Berlin beherrschen, begründen die Kartellwächter ihr Votum. Konkurrenten auf dem Berliner Zeitungsmarkt wie der Springer-Verlag ("B.Z.", "Die Welt", "Berliner Morgenpost") hatten sich ebenfalls gegen die Ministererlaubnis ausgesprochen.</P><P>Der Axel Springer Verlag begrüßte "grundsätzlich", dass Clement die von Holtzbrinck vertretene Position anzweifelt und einen Nachweis für die Behauptung fordert, es gebe keinen Kaufinteressenten. Allerdings werde Springer sehr genau darauf achten, dass es nicht um eine "Scheinauflage" handelt, sagte Verlagssprecherin Edda Fels.</P><P>Das Stuttgarter Verlagshaus ("Die Zeit", "Handelsblatt") hatte bislang argumentiert, der defizitäre "Tagesspiegel" sei allein wirtschaftlich nicht überlebensfähig, für das verlustreiche Blatt finde sich kein Käufer. Sollte sich tatsächlich kein Interessent finden, werde die Sondergenehmigung wahrscheinlicher, schreibt der "Spiegel" unter Berufung auf Quellen im Wirtschaftsministerium.</P><P>Holtzbrinck und Springer hatten je nach Ausgang des Verfahrens mit der Einstellung ihrer Hauptstadt-Zeitungen gedroht. Verleger Stefan von Holtzbrinck sagte, für den "Tagesspiegel" seien alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft. Falls die Übernahme verboten bleibe, müsse die Zeitung eingestellt werden. Für Springer würde eine Erlaubnis den "Todesstoß" für die "Berliner Morgenpost" und die "Welt" bedeuten.</P>

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