Holtzbrinck-Manager übernimmt Tagesspiegel

- Berlin - Auf dem Berliner Zeitungsmarkt werden die Karten neu gemischt. Mit einem Überraschungs-Coup beendete der Holtzbrinck-Konzern das monatelange Tauziehen um die Zukunft der Hauptstadt-Blätter. Das Stuttgarter Medienhaus verkauft den defizitären "Tagesspiegel" an seinen ehemaligen Manager Pierre Gerckens und setzt auf die "Berliner Zeitung", die Holtzbrinck vor mehr als einem Jahr von Gruner + Jahr übernommen hatte.

<P>Kaum wurde der Verkauf bekannt, meldeten sich erste Kritiker zu Wort. Sie sehen im 65-jährigen Gerckens, einst enger Mitarbeiter Dieter von Holtzbrincks, einen Helfer des Stuttgarter Verlegers. Der bisherige Antrag auf eine Ministererlaubnis, die "Berliner Zeitung" und den "Tagesspiegel" unter einem Dach zu führen, sei damit hinfällig. Mit einem positiven Votum von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement über eine Ausnahmegenehmigung sei nicht mehr zu rechnen gewesen, sagte ein Holtzbrinck-Sprecher. </P><P>Allerdings werde es nun für den "Tagesspiegel" keine Bestandsgarantie mehr geben, wie sie für eine Ministererlaubnis notwendig gewesen wäre. Die Hamburger Verlagsgruppe Bauer hatte für den "Tagesspiegel" 20 Millionen Euro sowie eine Bestandsgarantie von 20 Jahren geboten. Andere Bieter und das Wirtschaftsministerium seien an der Nase herumgeführt worden.</P><P>Holtzbrincks Kalkül setze auf eine Lockerung der Bestimmungen für Pressefusionen. Wird die Fusionskontrolle tatsächlich aufgeweicht, wie es Bundeskanzler Gerhard Schröder bereits in Aussicht gestellt hat, wäre Gerckens für Holtzbrinck ein enger Partner für die künftige Kooperation von "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung".</P><P>Denn der "Tagesspiegel" schreibt seit Jahren Millionenverluste. Eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Verlag ("Berliner Zeitung, "Berliner Kurier") bei Marketing, Technik und Anzeigenverkauf hätte dem Blatt eine Atempause verschafft. Mit der jetzigen Konstruktion stellt sich erneut die Frage, ob der Berliner Markt mit "Tagesspiegel", "Berliner Zeitung" und Axel Springers "Berliner Morgenpost" drei unabhängige Abonnementen-Zeitungen trägt.</P><P>Der "Tagesspiegel", im Westen der Stadt verankert, hatte sich in den vergangenen Jahren mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo als Hauptstadt-Zeitung mit bundesweiter Ausstrahlung etablieren wollen.<BR></P>

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