Holz, Stroh und Abfall sind die deutschen Ölquellen der Zukunft

- München - Erdgas, Biodiesel, Hybrid-Antrieb - wer den teuren Spritpreisen entgehen will, hat heute nur eingeschränkte Möglichkeiten. Die Wasserstofftechnologie ist noch Zukunftsmusik. Doch rechnet die Auto-Industrie schon bald mit mehr Sprit aus der Natur.

Erdgas: Preis hängt am Öl

Erdgas ist nach Einschätzung der EU-Kommission der einzige derzeit verfügbare alternative Kraftstoff, der bis 2020 mehr als fünf Prozent Marktanteil erreichen kann. Immerhin gibt es bereits über 500 Tankstellen und rund 27 000 Fahrzeuge. Weil im Erdgas vergleichsweise wenig Kohlenstoff gebunden ist, ist auch die Öko-Bilanz positiv. Der Schönheitsfehler: Erdgas ist ein endlicher fossiler Energieträger, und die Preise orientieren sich an der Entwicklung der Ölmärkte.

Biodiesel: Wird zugemischt

Wer weg vom Erdöl will, muss ein Stück weiter gehen. Zahlreiche Tankstellen bieten heute schon Bio-Diesel an. Das ist Rapsmethylester, ein Produkt aus Rapsöl, dessen Preis sich allerdings mit dem des fossilen Dieseltreibstoffs entwickelt. Der wichtigere Schönheitsfehler des Bio-Sprits: Moderne Dieselmotoren mögen ihn nicht pur. Nur ältere Modelle vorwiegend aus dem VW-Konzern vertragen ihn uneingeschränkt. Allerdings werden dem herkömmlichen Diesel bereits bis zu fünf Prozent Rapsmethylester beigemischt. Entsprechend schätzt der Auto-Industrieverband VDA den künftigen Marktanteil auf unter fünf Prozent.

Einfach Salatöl

Von der Industrie recht stiefmütterlich behandelt wird ein Konzept, das mit Salatöl auskommt: Der Elsbettmotor kann mit normalem Diesel fahren, aber auch mit Treibstoff aus dem Supermarkt. Allerdings muss der Dieselmotor im Auto umgerüstet werden. Dabei entstehen Kosten zwischen 1500 und 2000 Euro.

Alkohol am Steuer

Weniger als Benzin ohne Steuern kostet Bio-Ethanol - im Zuckerland Brasilien. Wird der Zuckermarkt geöffnet, könnten die Preise auch in Deutschland fallen. Möglich ist eine Beimischung zum Benzin - aber bei speziellen Motoren ein Betrieb ausschließlich mit Alkohol. Allerdings schätzt die Bundesregierung das Potenzial für das Jahr 2010 auf gerade einmal 2,25 Prozent.

Holz und Stroh

Eine ganz andere Technologie wird bis dahin voraussichtlich erst serienreif sein. Sie versteckt sich hinter dem Kürzel BTL. Das steht für "Biomass to Liquid" (Biomasse zu Flüssigkeit). Ausgangsprodukt kann Holz sein, Stroh, Gräser oder Bioabfälle. Diese Rohstoffe werden unter Druck in einem Vergaser zu einem brennbaren Gas, das gereinigt und dann zu synthetischem Benzin oder Diesel weiterverarbeitet werden kann. "BTL-Kraftstoffe bieten nach jetzigen Kenntnisstand das größte Mengenpotenzial", heißt es in einer Broschüre des VDA. Doch wichtiger ist den Autobauern noch: Man "kann die Verbrennungseigenschaften an die Erfordernisse der Motoren anpassen." Schadstoffe lassen sich so dramatisch mindern. Und Kohlendioxid wird nur in dem Maß frei, wie es vorher in der Biomasse gebunden wurde. "Sun-Fuel" oder "Sun-Diesel" (einige Namen sind bereits als Marke geschützt) wird allerdings noch nicht großtechnisch hergestellt. Die erste kommerzielle Anlage soll in Sachsen gebaut werden. Bisher werden die Verfahren erst erforscht (obwohl das Prinzip nicht ganz neu ist, bereits in der ölarmen Nachkriegszeit fuhren Autos, an die sperrige Holzvergaser montiert waren), noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen.

Dennoch wird für 2020 bereits ein Marktanteil von 4 Prozent erwartet, der in den folgenden Jahren stark steigen dürfte. Allein in Deutschland könnte das Ausgangsprodukt für jeden fünften Liter Auto-Treibstoff wachsen. In Ländern mit höheren Flächenreserven könnte die Quote noch deutlich darüber liegen.

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