Holzpellets und Mühlrad: Balk setzt auf neue und uralte Energie

- Vilsbiburg - Das Herz des Traditionsunternehmens Balk GmbH und Co. KG ist die Mühle. Zwar bildet sie heute nicht den umsatzstärksten Bereich des 176 Jahre alten Betriebs - die Getreidemühle mit ihrer über 770-jährigen handwerklichen Tradition sucht aber deutschlandweit ihresgleichen. Dabei ist sie nur eine von sieben Sparten, mit denen sich die Firma Balk präsentiert. Die beiden Cousins und geschäftsführenden Gesellschafter Franz und Josef Balk haben sich neben Sägewerk, Holzgroßhandel, Kraftfutterwerk neue Standbeine gesucht und den Balk-Fachmarkt für Holz und Garten 1997 in Vilsbiburg und 2002 auch in Landshut eröffnet.

 Als sehr vorausschauend erweist sich wegen des hohen Ölpreises aus heutiger Sicht zudem die Entscheidung der sechsten Balk-Generation, im Jahr 1999 den Handel mit Holzpellets aufzunehmen.

Die beiden Firmenchefs leiten jeder ihren eigenen Bereich im Unternehmen (95 Mitarbeiter, 17 Mio. Euro Umsatz 2004): "Wir haben eine Spartenorganisation", sagt der 38-jährige Josef Balk. "Jeder ist für den Teil zuständig, in dem er sich auskennt." Dem Diplom-Betriebswirt und Schreiner fallen deshalb die Sägewerke zu sowie der Holzeinzel- und großhandel, Letzterer mit 10 Mio. Euro 2004 der umsatzstärkste Geschäftszweig. Der vier Jahre jüngere Cousin Franz Balk kümmert sich als Betriebswirt und Müllermeister um Mühle, Kraftfutterwerk und Holzpellets (zusammen rund 5,8 Mio. Umsatz 2004). Gemeinsam besprechen sie große Investitionen und die Besetzung wichtiger Stellen.

Für beide war es nie eine Frage, dass sie jeweils in die Fußstapfen ihres Vaters und damit in die Firma eintreten werden, die auf eine lange Tradition zurückblickt: Gegründet wurde sie 1819 von Andreas Balk durch den Kauf der Bäckerei "Zum Prunnbäck" in Vilsbiburg, zehn Jahre später kaufte er die so genannte Fischmühle dazu. Sein Sohn Xaver Balk erwarb 1859 die Obermühle, vereinte die beiden und baute das Gebäude, in dem sich heute noch die Mühle in Form einer Kunstmühle befindet, neu.

Dafür, dass der Familienbetrieb im 20. Jahrhundert überleben konnte, legte der Großvater der jetzigen Besitzergeneration, Xaver Balk, den Grundstein: Er ersetzte die Wasserräder der Mühle durch Turbinen, gründete Lagerhaus und Kraftfutterwerk, baute das Sägewerk zweimal neu und erneuerte die Mühleneinrichtung komplett. 1972 übernahmen Franz und Josef Balk die Firma und führten sie als OHG in der fünften Generation, Anfang der 90er-Jahre traten die heutigen Firmeninhaber ein, seit 1999 ist sie ganz im Besitz der Junioren.

Die Cousins schätzen die Vorteile eines Familienbetriebs: Josef Balk gefällt, "dass man Entscheidungen aus dem Bauch fällen kann, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen". Eine schlanke Organisation, Flexibilität sowie Unabhängigkeit sind für Franz Balk die größten Vorteile. Dafür sei der Firmenchef in einem Familienbetrieb auf besondere Weise gefordert: "Die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Banken ist bei uns wesentlich größer."

Die ambitionierten Geschäftsführer treibt zurzeit aber trotz des Erfolgs eine große Sorge um: Der traditionsreichsten Sparte des Familienunternehmens mit eigens liebevoll eingerichtetem Museum, der Mühle, droht nämlich das Aus. Der Müller geht nächstes Jahr in Rente, ein neuer hat sich bisher noch nicht gefunden.

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