Aus Holzspänen gepresst: Ein günstiger Brennstoff mit Zukunft

- Den guten alten Kachelofen kennt jeder. Man öffnet die Tür, wirft ein paar Holzscheite rein, und schon wird es gemütlich warm. Was bisher der Atmosphäre half, entwickelt sich in Zeiten knapper werdender Erdölressourcen und steigender Energiepreise zur ernsthaften Heiz-Alternative.

Holz erlebt als Brennstoff eine unerwartete Renaissance - meist in der Form so genannter "Pellets". Immer mehr Hauhalte lassen sich eine Anlage einbauen, die diese gepressten Holzspäne verbrennt. Die Nachfrage stieg nach Zahlen des Deutschen Energie-Pellet-Verbandes gegenüber 2004 um fast 40 Prozent.

Ein großes Interesse an der neuen Art zu heizen hat auch Hans Hartmann vom Straubinger Technologie- und Förderzentrum ausgemacht. "Jedesmal, wenn das Thema in den Medien auftaucht, klingelt bei uns pausenlos das Telefon." Der Agrarwissenschaftler in der Abteilung Festbrennstoffe beschäftigt sich intensiv mit dem Thema "Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen". Direkt gegenüber seinem Arbeitsplatz befindet sich eine der größten Anlagen zur Herstellung von Holzpellets in Deutschland.

Dass der Wärmeerzeugung aus Biomasse die Zukunft gehört, ist für Hartmann klar. "Die Geräte sind schon lange serienreif, mittlerweile ist die zweite Generation von Anlagen auf dem Markt." Die Geräte erzielten einen hohen Wirkungsgrad beim Verbrennen - bis zu 90 Prozent der entstehenden Wärme können genutzt werden. Allerdings liegen sie damit noch spürbar unter den 95 Prozent, die moderne Gasheizkessel erreichen - was etwa die Stiftung Warentest kritisierte. Doch das macht der Preisvorteil mehr als wett: Eine Tonne Holzpellets kostet zurzeit rund 175 Euro. Bei sechs Tonnen ergibt sich ein Preis von 1050 Euro. Diese sechs Tonnen entsprechen bei der Energieausbeute 3000 Litern Heizöl, die bei rund 70 Cent pro Liter das Doppelte kosten.

Wer seine Ölheizung gegen eine Pelletanlage austauschen will, kann das zwar problemlos tun, muss dafür aber tief in die Tasche greifen. "10 000 Euro kostet der Einbau des Kessels und des Pellet-Lagerraumes", sagt Markus Gärtner, Produktmanager für die Holzspäne bei der BayWa in Regensburg. "Das sind etwa 4000 Euro mehr als bei einer Ölheizung." Allerdings muss niemand den kompletten Betrag selbst bezahlen. "Der Staat fördert den Einbau mit 1700 Euro." Wer in München wohnt, hat doppelt Glück: Seit kurzem bezuschusst die Stadt Pelletheizungen mit mindestens 1100 Euro.

Fördergelder kann man bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beantragen. Um die Unterstützung der Stadt München müssen sich die ausführenden Firmen kümmern. Wichtig in jedem Fall: Der Auftrag darf nicht vergeben werden, bevor die Förderung beantragt wurde.

Zwar ist die Nachfrage nach Pelletheizungen Gärtner zufolge 2005 rasant gestiegen. International gesehen belegt Deutschland aber nur einen hinteren Rang. "In Schweden heizen bereits 60 Prozent der Haushalte mit Holzpellets." Die Ökobilanz ist positiv: Denn das Treibhausgas Kohlendioxid wird nur in dem Maß frei, wie es beim Wachstum des entsprechenden Baumes aus der Atmosphäre geholt wurde. HäufigerKritikpunkt ist die Feinstaubbelastung. Das scheint übertrieben: Die Zeitschrift "Test" vergab bei zehn getesteten Heizungen neunmal die Note sehr gut. Dagegen gab es beim Kohlenmonoxid viermal die Note mangelhaft. Ein Nachteil ist eine gewisse Komfort-Einbuße. Zwar werden die Heizungen über ein automatisches Fördersystem mit Pellets versorgt. Was bleibt, ist die regelmäßige Entsorgung der Asche. Ein Problem haben Haushalte, wenn der Brennstoff feucht wird: Er ist dann nicht nur unbrauchbar, sondern kann auch die Fördertechnik blockieren.

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