Neue Regeln

Homeoffice-Pflicht: Darauf müssen Arbeitnehmer sich jetzt einstellen

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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In der Corona-Pandemie konnten viele Arbeitnehmer bislang zwischen Homeoffice und Büro wechseln. Doch jetzt macht Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eine knallharte Ansage.

Berlin - Am Montag im Büro, am Freitag dann doch lieber Homeoffice - neben all den gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirren hat die Corona-Pandemie auch etwas Gutes gebracht: Sie hat Arbeit flexibel gemacht. Auf einmal mussten die Unternehmen in digitale Infrastruktur investieren und ihre Angestellten von der Leine lassen. Weil das so gut funktioniert hat und die befürchteten Produktivitätseinbußen ausblieben, profitiert nun ein Teil der Gesellschaft massiv und springt munter zwischen Homeoffice und Büro hin und her. Doch die große Freiheit hat jetzt ein Ende.

Die Regelungen zum Homeoffice „werden nachgeschärft und in das Infektionsschutzgesetz übernommen“, kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Mittwoch an. Der Bundestag stimmte den Neuregelungen bereits zu. Mit der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes steigt der Druck auf Büro-Beschäftigte. Sie sind jetzt verpflichtet, eine vom Arbeitgeber angebotene Homeoffice-Möglichkeit auch tatsächlich zu nutzen – und zwar ausschließlich, nicht nach eigenem Gusto. Arbeitsrechtsexperten sehen dennoch Lücken.

Homeoffice keine „100-prozentige Pflicht“, der Druck auf Arbeitnehmer steigt trotzdem

Bislang waren lediglich die Arbeitgeber in der Bringschuld: Seit der Sars-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung im Januar mussten sie Bürobeschäftigten eine Möglichkeit auf Heimarbeit anbieten, sofern „keine zwingenden betriebsbedingten Gründe“ dagegensprachen. In vielen Betrieben strömten die Beschäftigten aber weiter ins Büro.

Jetzt dreht Hubertus Heil den Spieß um und schickt die Arbeitnehmer ins verpflichtende Homeoffice – „soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen“, heißt es vom Bundesarbeitsministerium. So ein Grund könne lautWelt beispielsweise die Störung durch andere im Homeoffice oder ein nicht adäquater Arbeitsplatz daheim sein. Eine formlose Begründung reiche demnach, wenn Arbeitnehmer weiter ins Büro gehen wollen. Es handle sich um keine „100-prozentige Pflicht“, wird eine Ministeriumssprecherin zitiert.

Homeoffice-Pflicht: Arbeitgeber könnten bei Infektionen im Büro haftbar gemacht werden

Am Donnerstag (22. April) wird sich der Bundesrat mit dem neuen Homeoffice-Gesetz befassen. Segnen Bundesrat und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) es ab, könnten die Regeln schon bald greifen.

Arbeitsrechtler Gregor Thüsing von der Universität Bonn prophezeit einen wachsenden Druck auf Arbeitgeber. „Wenn diese einen Mitarbeiter aufs Gelände lassen, der eigentlich im Homeoffice arbeiten könnte, gehen sie nun ein Risiko ein“, sagte er der Welt. Wenn ein Beschäftigter dann mit dem Coronavirus infiziert sei und jemanden anstecke, könne der Arbeitgeber dafür haftbar gemacht werden, vermutet Thüsing. Er spricht von einem „größeren Anreiz“ für Unternehmen, dass die Mitarbeiter tatsächlich zu Hause bleiben.

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