Hopfen aus Bayern: Weltweit führend und trotzdem in der Krise

- München - Deutschlands Hopfenbauern sind Weltmarktführer. Dank erfindungsreicher Züchter zählt die Bundesrepublik bei dem Bier-Rohstoff zu den Globalisierungsgewinnern. Die Lage der Branche ist trotzdem angespannt. Weil immer milderes Bier getrunken wird, sinkt die Bedeutung des Hopfens. Die Markt-Preise liegen teils unter den Produktionskosten.

"Der Weltbiermarkt ist sehr gesund", erklärt Stephan Barth vom weltgrößten Hopfenhändler Barth-Haas-Gruppe. Während der Absatz an Gerstensaft in Deutschland seit langem sinkt, legt er weltweit seit 70 Jahren ständig zu. Zurzeit fließt das Bier verstärkt in China und Osteuropa. 1,6 Milliarden Hektoliter wurden im vergangenen Jahr weltweit getrunken. Heuer dürften es drei Prozent mehr werden, schätzt Barth. Und selbst im schwachen deutschen Markt könne es dank des prächtigen Sommers 2006 ein kleines Plus geben. Trotzdem bleibt das Hopfen-Geschäft schwierig.

37 Prozent der weltweit geernteten 94 000 Tonnen Hopfen stammen aus Deutschland - überwiegend aus der bayerischen Hallertau. So groß war die Bedeutung des heimischen Hopfens im Weltmarkt noch nie. "Beim Hopfen ist Deutschland ein Globalisierungsgewinner", sagt Barth. Hier gebe es die effizienteste Sortenzüchtung, die zu überragenden Produkten führe. Deutscher Hopfen gelte weltweit als qualitativ hochwertig. Trotzdem kämpfe die Hopfenwirtschaft seit mehr als zehn Jahren mit schwierigen Rahmenbedingungen.

Die immer mächtigeren internationalen Brauerei-Giganten setzen die Produzenten unter Druck. Die drei größten Bierkonzerne kontrollieren zusammen ein Drittel des Marktes. Allein im vergangenen Jahr ist jeder zehnte Hopfenanbaubetrieb verschwunden, die Anbau-Fläche hat sich seit 1988 halbiert. Im sogenannten Bitter-Segment lägen die Hopfen-Preise seit langem unter den Produktionskosten. Der Geschmack der Biertrinker ändert sich. Es wird immer milder getrunken. Und damit werde der Hopfen, der das bittere Aroma bringt, verdrängt, beklagt Barth. Sein Unternehmen habe unter Rationalisierungszwang seit 2000 mehr als jeden vierten Arbeitsplatz abgebaut, erklärt der Geschäftsführer von Joh. Barth & Sohn, dem 212 Jahre alten deutschen Kernstück der internationalen Barth-Haas-Gruppe. Diese beschäftigt derzeit rund 500 Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon in Deutschland.

Der Hopfenhändler und -verarbeiter sucht nach neuen Verkaufsmöglichkeiten für das Traditions-Gewächs. Zwar macht die Bierproduktion noch den überwiegenden Teil des Absatzes aus. Doch werde ein Einsatz in der Nahrungsmittelindustrie geprüft, wo Hopfenprodukte als Hilfsstoff eingesetzt werden könnten. Auch bei der Herstellung von Bio-Ethanol könne Hopfen eine Rolle spielen.

Deutschland ist zwar nach China und den USA noch der drittgrößte Biermarkt der Welt. Doch gibt es hier traditionell viele kleine Brauereien, statt weniger großer. Im Vergleich mit den internationalen Bier-Giganten steht die größte deutsche Gruppe, Radeberger, auf Platz 20. Als größter bayerischer Produzent rangiert der Massenanbieter Oettinger an 33. Stelle. Münchner Brauer sind als Trittbrettfahrer dabei: Spaten-Löwenbräu gehört zum führenden Konzern Inbev, Paulaner ist mit Heineken verbündet.

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