Horst Domdey: "Ich wünsche mir eine Milliarde Euro für die Region"

- Die oberbayerische Biotech-Branche feiert Jubiläum. Vor zehn Jahren setzte sich der Großraum München mit dem Vorzeigestandort Martinsried im bundesdeutschen Bioregio-Wettbewerb durch. Bis heute ist daraus eines der führenden Biotech-Zentren Europas geworden. Über Milliarden-Investitionen, Börsen-Crash und Hoffnungsträger sprachen wir mit Horst Domdey, Chef der Standortförderungsgesellschaft Bio-M.

Wenn Sie sich zum Geburtstag der Biotech-Region etwas wünschen dürften: Was wäre das?

Horst Domdey: Ich würde mir aussuchen, dass internationale Investoren eine Milliarde Euro in die Region pumpen. Und ich würde sagen, dieser Wunsch ist absolut gerechtfertigt, weil nicht nur die Unternehmen davon profitieren würden, sondern auch die Investoren. Mittlerweile ist die Region so weit ihren Kinderschuhen entwachsen, dass man hier mit großer Sicherheit derartige Investitionen tätigen kann. Es zeigt aber andererseits auch unsere Schwachstelle auf, nämlich, dass die Unternehmen vor Ort ­ wie in den meisten europäischen Regionen ­ immer noch unterfinanziert sind.

Was könnte Investoren davon überzeugen, Ihren Wunsch zu erfüllen?

Domdey: Unsere Unternehmen haben gezeigt, dass sie mit dem Geld, das ihnen zur Verfügung gestellt wurde, etwas sehr Interessantes auf die Beine stellen können. Aus anfangs 30 Unternehmen sind inzwischen 100 geworden. Und noch wichtiger ist, dass aus den damaligen Gründungsunternehmen, die großteils nur Ideen und Konzepte waren, etwas entstanden ist, was auch im weltweiten Wettbewerb standhalten kann.

Welche Unternehmen zählen zu den Leistungsträgern der Region?

Domdey: Da gibt es etwa Mikrogen, ein Unternehmen, das schon Ende der 80er-Jahre entstanden ist, mittlerweile über 100 Mitarbeiter hat und profitabel arbeitet.

Da ist Morphosys, das nicht nur von Jahr zu Jahr die Umsätze steigert, sondern sich auch im profitablen Bereich bewegt und gezeigt hat, dass man aus einer Technologie, die hier am Max-Planck-Institut erdacht wurde, ein weltweit agierendes Unternehmen machen kann.

Und da gibt es weitere Unternehmen wie Medigene, das schon zwei Produkte auf dem Markt hat, oder GPC Biotech, das ein Produkt im Zulassungsprozess hat.

Das klingt nach großer Zufriedenheit mit der Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Wurden Ihre Erwartungen alle erfüllt?

Domdey: Es gab natürlich auch Enttäuschungen. Das war in erster Linie die Wachstumsdelle der Jahre 2001 bis 2004. Hier haben sich mit dem Zerplatzen der Internet-Blase die Investoren auch aus der Biotechnologie stark zurückgezogen. Das waren keine schönen Jahre. Da hat man sich schon manchmal gefragt: Wo wird das Ganze enden?

Die Spuren dieses Einbruchs sieht man heute noch ­- etwa an der Beschäftigtenzahl.

Domdey: Wir haben heute rund 2300 Mitarbeiter in den Unternehmen. Es waren schon mal 2700. Da gab es einige größere Einbrüche. Aber der Trend zeigt wieder nach oben.

Die Krisenzeit ist also endgültig vorbei?

Domdey: Man sollte nie "endgültig" sagen. Man weiß nicht, wann ein neues Problem auftauchen kann. Aber sofern keine unerwarteten Ereignisse eintreten, wird sich der positive Trend fortsetzen.

Wo liegt die Stärke des Standorts?

Domdey: Die wichtigste Voraussetzung ist die Nähe zu Universitäten und Forschungseinrichtungen. Ein Vorteil ist sicher auch, dass München das Zentrum für deutsche Wagniskapitalgeber ist. Außerdem zählen die Rahmenbedingungen dazu. Gerade in der Anfangsphase war es sehr wichtig, dass das Land Bayern diese Entwicklung aktiv unterstützt hat.

Wie wird sich die Region weiter entwickeln?

Domdey: Ich bin überzeugt davon, dass die großen Unternehmen ihren Weg gehen werden. Ich glaube auch, dass sich durch die starke Förderung der Münchner Hochschulszene ein neues Potenzial entwickeln wird.

Und wie viele Beschäftigte wird die Branche vor Ort in zehn Jahren haben?

Domdey: Jetzt verlangen Sie von mir, dass ich mir eine Ziellinie stecke. Okay, das mache ich hiermit. Wir sollten in zehn Jahren die Zahl von 5000 Mitarbeitern erreicht haben.

Das Gespräch führte Dominik Müller.

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