HP-Chefin Fiorina muss zurücktreten

- New York - Nach Auseinandersetzungen über die künftige Firmenstrategie muss die Chefin des zweitgrößten amerikanischen Computerkonzerns Hewlett-Packard, Carly Fiorina, abdanken. Fiorina erklärte am Mittwoch überraschend ihren Rücktritt. "Während ich bedauere, dass der Verwaltungsrat und ich Differenzen über die Umsetzung der HP-Strategie hatten, respektiere ich seine Entscheidung", erklärte sie.

Interims-Nachfolger wird Finanzchef Robert P. Wayman, der dem Unternehmen seit 36 Jahre angehört. Das bisherige HPVerwaltungsratsmitglied Patricia Dunn wurde zur Vorsitzenden des Gremiums ernannt. Die HP-Aktien sind am Mittwoch zur Eröffnung des Handels um 8,7 Prozent auf 21,90 Dollar in die Höhe geschossen.<BR><BR>Wayman und Dunn bekräftigten am Mittwoch, dass die Suche nach einem Nachfolger für Fiorina sofort und mit Nachdruck beginnen werde. Es sollen externe und interne Kandidaten ins Auge gefasst werden. Branchenkenner erwarten einen Manager von außen als neuen HP-Chef. Er solle eine bessere Umsetzung der Unternehmensstrategie erreichen, betonten die beiden neuen HP-Spitzenkräfte. Das Ziel seien höhere Gewinne.<BR><BR>Fiorina kam im Juli 1999 nach 20 Jahren beim Telefonkonzern AT&T und dem größten US-Telekomausrüster Lucent zu HP. Sie war die erste Frau, die einen der 30 im Dow-Jones-Index enthaltenen amerikanischen Großkonzerne geführt hat. Sie hatte 2002 die von den Gründerfamilien des Unternehmens hart bekämpfte Übernahme des Personal-ComputerKonzerns Compaq durchgesetzt. Inzwischen hat Dell jedoch HewlettPackard als globaler PC-Spitzenreiter überholt, und die PC-Gewinne lassen noch immer stark zu wünschen übrig.<BR><BR>Wayman erklärte, er werde HP einige Monate führen, bis ein neuer Unternehmenschef gefunden sei. Er äußerte sich nicht zu anschließenden Ruhestandsplänen. Es seien "keine Änderungen im Unternehmensportefeuille geplant", betonte Wayman im Hinblick auf die Frage über mögliche Verkäufe oder die Verselbstständigung von HP-Unternehmensteilen.<BR><BR>HP ist der weltgrößte Druckeranbieter. Dieser Bereich bringt nach wie vor den Löwenanteil der HP-Gewinne. Die Gesellschaft ist auch ein großer Computerdienstleistungsanbieter und offeriert Software und Speicherprodukte. IBM ist neben Dell der HP-Hauptkonkurrent. HP setzte im Geschäftsjahr 2003/2004 (31. Oktober) 79,9 Milliarden Dollar um, plus neun Prozent und verdiente 3,5 (Vorjahr: 2,5) Milliarden Dollar. Fiorina hatte jedoch in der Vergangenheit häufig die Gewinnerwartungen der Wall Street verfehlt. 

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