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Eine Demonstrantin gegen die Hypo Real Estate trägt am 02.06.2009 vor der Hauptversammlung des Konzerns in München ein Schild mit der Aufschrift "Hypo Fake Estate". Am Donnerstag (23.07.2009) beginnt in München ein Prozess mehrerer Anleger des Imobilienfinanzierers Hypo Real Estate auf Schadenersatz statt.

HRE-Aktionäre hoffen auf Schadenersatz

München - Pech hatten die meisten Anleger der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate mit ihren Aktien. Kaum einer verlor sein Geld aber so schnell wie ein Anleger, der seit Donnerstag zusammen mit anderen geprellten Aktionären vor dem Landgericht München auf Schadenersatz klagt.

Er hatte seine Aktien am Morgen des 15. Januar 2008 gekauft - und war abends um 15 000 Euro ärmer. “Er hat seine Aktien zu 33 Euro gekauft und ein paar Stunden später saß er auf 22 Euro“, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Ruderisch.

Dazwischen lag nur eine Mitteilung der Hypo Real Estate, in der der Konzern erstmals Belastungen aus der US-Finanzkrise einräumte und damit die Börse schockte.

Jetzt kann der Mann aber auf Entschädigung hoffen: Im bislang größten Prozess um Schadenersatz machte das Landgericht München ihm und anderen Anlegern am Donnerstag Hoffnung. Wenn sie ihre Aktien zwischen dem 26. November 2007 und dem 15. Januar 2008 gekauft haben, können sie möglicherweise eine Entschädigung von der Hypo Real Estate einfordern. Denn innerhalb dieser Zeit war dem Unternehmen nach Einschätzung der Richter womöglich schon klar, dass es von der US-Finanzkrise betroffen war. Nach außen hatte der damalige HRE-Chef Georg Funke allerdings nichts durchblicken lassen.

Im Gegenteil: Mehrfach beteuerte er, dass die Hypo Real Estate sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen könne. Wie falsch er damit lag, ist inzwischen hinlänglich bekannt: Im vergangenen Herbst stand der Finanzriese kurz vor dem Kollaps, wurde mit Nothilfen von mehr als 100 Milliarden Euro am Leben gehalten und ist inzwischen im Staatsbesitz. Funke musste längst gehen.

Viele HRE-Aktionäre verloren viel Geld und mussten ihre Papiere nach einem langen Kampf für 1,39 Euro an den Staat verkaufen. Wenn die HRE schon in November 2007 von ihren Problemen gewusst hat, hätte sie dies unverzüglich bekanntgeben müssen.

Unterlässt ein börsennotiertes Unternehmen dies, muss es nach dem Wertpapierhandelsgesetz Schadenersatz zahlen. Der wahre Wert der Aktie hätte nach Einschätzung der Kläger-Anwälte damals nur bei 5 Euro liegen dürfen statt bei 33 Euro. Für diese Differenz fordern sie eine Entschädigung.

Selbst wenn das Gericht den Aktionären bei der Entscheidung im Oktober Schadenersatz zusprechen sollte, ist aber unklar, ob sie ihr Geld je wiedersehen.

Auch in anderen Fällen, wie bei den Unternehmen EM.TV oder Comroad, haben Anleger immer wieder versucht, vor Gericht Schadenersatz einzuklagen. Zum Teil bekamen sie in erster Instanz Recht, scheiterten dann aber im Berufungsverfahren, weil sie nicht nachweisen konnten, das sie ihre Kaufentscheidung aufgrund einer Unternehmensinformation getroffen hatten. Oder sie quälten sich so lange durch alle Instanzen, bis die Firma längst pleite war.

Juristen empfehlen Aktionären daher grundsätzlich, bei allem Frust sorgfältig abzuwägen, ob sich eine Schadenersatzklage überhaupt lohnt. Wenn keine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt, können nach den Kursverlusten noch viel höhere Belastungen auf die Anleger zukommen. Schon in erster Instanz belaufen sich die Kosten für Gericht und Anwälte bei einer Schadenssumme von 50 000 Euro auf mehr als 7000 Euro. Geht der Prozess danach noch in die zweite Instanz und weiter zum Bundesgerichtshof, können 26 000 Euro fällig werden.

Daniela Wiegmann, dpa

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