HRE-Aktionäre stemmen sich gegen den Staat

München - Die letzten Aktionäre des verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) stemmen sich gegen ihren Rauswurf aus dem Unternehmen.

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„Wir Aktionäre stehen nach dem Einstieg des Staates kurz vor der Enteignung“, kritisierte ein Aktionär am Donnerstag bei der Hauptversammlung in München vor mehr als 1700 Anlegern. Vorstandschef Axel Wieandt verteidigte die umstrittene Verstaatlichung als alternativlos. Im neuen Aufsichtsrat des Konzerns ist der Bund mit Mitarbeitern aus dem Finanz- und dem Wirtschaftsministerium vertreten.

Der Bund hatte die Verstaatlichung gegen den Willen vieler Aktionäre auf den Weg gebracht und sich dafür massive Kritik eingehandelt. Inzwischen hält er mehr als 90 Prozent an der HRE und will die letzten Aktionäre gegen eine Abfindung aus dem Unternehmen drängen. Der sogenannte Squeeze-Out soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst beschlossen werden.

“Ich nenne das Herausquetschen, weil das meiner Meinung nach eine bessere Formulierung ist“, sagte ein Anleger. Bild- und Tonaufnahmen von den hitzigen Diskussionen bei der mehr als elfstündigen Hauptversammlung waren zum Ärger vieler Aktionäre verboten. Der Deutsche Journalisten-Verband kritisierte die Beschränkungen. Wenn eine Bank mit erheblichem finanziellen Aufwand des Staates gerettet werde, habe die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse an Informationen darüber, was mit ihren Steuergeldern passiert ist, sagte DJV-Vorsitzender Michael Konken. Für viel Kritik sorgte eine Sonderzahlung von 500 000 Euro an den HRE-Vorstandschef. “Es hätte Ihnen gut zu Gesicht gestanden, auf diese 500 000 Euro zu verzichten“, sagte ein Aktionär.

Wieandt hatte die Prämie zum Jahresbeginn zusätzlich zu seinem Gehalt kassiert, da er durch den Einstieg des Staates unter die Gehaltsobergrenze von 500 000 Euro fällt und damit deutlich weniger verdient als zuvor. Aufsichtsratschef Michael Endres verteidigte die Zahlung. “Herr Wieandt hat auf ganz erhebliche Mittel verzichtet.“ Dafür sollte er entschädigt werden. Wieandt arbeitet seit dem Rauswurf seines Vorgängers Georg Funke an der Sanierung des Konzerns. Die Restrukturierung komme zwar gut voran, werde aber noch Jahre dauern, sagte er. “Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können.“

Im ersten Halbjahr 2009 machte der Konzern einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro. Langfristig benötigt die HRE nach Worten von Wieandt weiter umfassende Unterstützung. Insgesamt erhielt sie bislang Nothilfen von mehr als 100 Milliarden Euro. Um das Debakel aufzuklären, wird auf Beschluss der Hauptversammlung ein Sonderprüfer eingesetzt. Dieser soll vor allem die Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa im Jahr 2007 unter die Lupe nehmen. Die mehr als fünf Milliarden Euro teure Übernahme hatte die HRE im vergangenen Jahr an den Rand des Ruins gebracht, weil die Depfa langfristig vergebene Kredite nicht mehr kurzfristig refinanzieren konnte.

Aus Sicht von Aktionärsvertretern geht dies nicht weit genug. “Eine Sonderprüfung darf nicht eine kurzfristige Beruhigungspille für die Aktionäre sein“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Vorgänge bei dem Unternehmen müssten bis ins letzte Detail aufgearbeitet und veröffentlicht werden. Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnte vor einem Schaulaufen. Der Aufsichtsrat des Konzerns wurde mit der Stimmenmehrheit des Bundes vollständig ausgetauscht und von zwölf auf sechs Mitglieder verkleinert. Alle bisherigen Aufsichtsräte, die ihre Posten im Herbst 2008 übernommen hatten, gehen.

Die neuen Mitglieder sind Bernd Thiemann, Ex-Chef der DG Bank, die frühere Präsidentin des Bundesrechnungshofs, Hedda von Wedel, die frühere Deutschlandchefin von Morgan Stanley, Dagmar Kollmann, Albert Peters aus dem Bundesfinanzministerium, KfW-Vorstand Günther Bräunig sowie Alexander Groß, Ministerialdirektor aus dem Bundeswirtschaftsministerium. 

dpa

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