+
Der Gewinn der britischen Großbank HSBC ist 2014 deutlich gesunken.

Panama-Konto des Chefs wirft viele Fragen auf

Großbank HSBC steckt im Steuerskandal fest

London - Mitten im internationalen Skandal um die Steuerpraktiken der britischen Großbank HSBC hat das Geldinstitut schwache Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr vorgelegt.

Der Gewinn fiel 2014 unter dem Strich um satte 15 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar (12,1 Milliarden Euro), wie die Bank am Montag in London mitteilte. Die Erträge stagnierten bei rund 62 Milliarden Dollar. Die HSBC-Aktie verlor um bis zu sechs Prozent und verhinderte einen Höhenflug des britischen Aktienindexes FTSE.

Auch für das laufende Jahr hatte Bankchef Stuart Gulliver schon einmal eine Warnung parat: "Es sind noch eine Reihe von Altlasten abzubauen, und wir werden diesen Weg 2015 weiter gehen", sagte er.

Gulliver geriet persönlich schwer in die Kritik, als herauskam, dass er bei der umstrittenen Schweizer Tochter seiner Bank selbst ein Konto unterhielt. Darauf wurden Bonuszahlungen überwiesen, die Gulliver während seiner Zeit bei HSBC in Hongkong erhalten hatte. Inhaber des Kontos war eine Firma aus Panama. Gulliver erklärte dies am Montag damit, dass vor den HSBC-Mitarbeitern seine Einkünfte aus der Zeit vor 1990 verborgen werden sollten. Er habe stets den Steuerhöchstsatz auf alle seine Einkünfte gezahlt, betonte er.

Die Enthüllung gilt sowohl für Gulliver als auch für die Bank als peinlich. Er hatte stets wert auf die Feststellung gelegt, dass er erst 2008 dem Vorstand beigetreten und 2011 das Ruder übernommen habe. Zu dieser Zeit seien die Steuervermeidungspraktiken in der Schweiz bereits ausgemerzt gewesen. Gulliver hatte sich im Namen der Bank in ganzseitigen Zeitungsanzeigen entschuldigt. Umso größer ist die Verwunderung, dass er nun selbst am Pranger steht. Der Steuerskandal sei eine "Quelle der Scham und des Schadens für die Reputation", räumte Gulliver ein.

Über das Abschneiden seiner Bank im vergangenen Jahr zeigte sich der Top-Manager enttäuscht. Er sprach zugleich von Fortschritten im operativen Geschäft. Nach wie vor gebe es aber eine Reihe von Risiken für die Wirtschaft allgemein und die Branche im Speziellen. Da die Bank ihren Sitz in London habe, sei der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die größte Unsicherheit für sein Haus.

dpa

Statement Gulliver

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bericht: US-Ermittlungen zu Abgasaffäre belasten Daimler
Berlin (dpa) - Die US-Ermittlungen zum Abgas-Skandal belasten nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" auch den Autobauer Daimler. Demnach hätten Daimler-Mitarbeiter …
Bericht: US-Ermittlungen zu Abgasaffäre belasten Daimler
Kaeser: Einschnitte nur Vorgeschmack auf Industrie-Wandel
Die Siemens-Beschäftigten laufen seit Wochen Sturm gegen den Jobabbau im Kraftwerksgeschäft. Doch der digitale Wandel schreitet voran - und auch bei anderen Unternehmen …
Kaeser: Einschnitte nur Vorgeschmack auf Industrie-Wandel
Mit diesem aktuellen Angebot sorgt Lidl für Verwirrung und Angst
Mit einem aktuellen Angebot bringt der Discounter Lidl deutsche Landwirte in Rage. Sie befürchten große Gefahren.
Mit diesem aktuellen Angebot sorgt Lidl für Verwirrung und Angst
Nachfrage nach E-Autos überraschend hoch - lange Lieferzeiten 
Wer sich angesichts der Debatte um Umweltbelastung und drohende Fahrverbote für ein Elektroauto entscheidet, muss sich - das ökologische Bewusstsein in allen Ehren - auf …
Nachfrage nach E-Autos überraschend hoch - lange Lieferzeiten 

Kommentare