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Im Spitzelskandal um die HSH Nordbank hat sich zum ersten Mal der Vorstandsvorsitzende Jens Nonnenmacher zu Wort gemeldet.

HSH-Vorstand: "Perfide" Spitzel-Vorwürfe

Hamburg - Im Spitzelskandal um die HSH Nordbank hat sich zum ersten Mal der Vorstandsvorsitzende Jens Nonnenmacher zu Wort gemeldet. Er wies jede mögliche Mitschuld zurück.

“Ich habe niemals derartige Aufträge erteilt oder hätte sie geduldet“, sagte er am Freitag bei einer Pressekonferenz in Hamburg. Nonnenmacher bezog sich auf Medienberichte über angebliche Bespitzelungsfälle bei der Bank, in die auch Führungskräfte involviert sein sollen. Es handele sich “um unglaubliche und perfide Vorwürfe“, sagte der Vorstandschef. Er und die Bank würden sich “weder von Gerüchten noch von Unterstellungen“ von ihrem Sanierungskurs abbringen lassen. Nonnenmacher kündigte eine Aufklärung der Vorwürfe an. Er folgte damit einem Beschluss des Aufsichtsrates vom Donnerstag, dessen Präsidialausschuss Nonnenmacher das Vertrauen ausgesprochen hatte.

Der Aufsichtsrat hatte festgestellt, “dass es im Jahr 2009 Einzelfälle gegeben hat, in welchen der Versuch unternommen wurde, Geheimnisse der Bank auszuspionieren“. In diesem Zusammenhang seien auch Kündigungen gegen Mitarbeiter im Bereich der internen Sicherheit der Bank ausgesprochen worden.

“Unglaublich und perfide"

 Das Hamburger Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ hatte berichtet, ein ehemaliger Sicherheitsberater der Bank habe mit Wanzen und gefälschten Dokumenten die Entlassung eines Bankvorstands vorbereitet. Dieser Mitarbeiter hat jedoch in einer eidesstattlichen Erklärung diesem Vorwurf widersprochen. Er habe weder im Büro des damaligen Vorstands Frank Roth noch in anderen Räumen der HSH Nordbank eine Abhöreinrichtung eingebaut, noch sei er in dessen Wohnung eingebrochen.

Nonnenmacher erklärte nun, die Entlassung von Roth im Jahr 2009 sei “nicht zu beanstanden“. Roth wurde damals vorgeworfen, er habe Unterlagen an die Presse weitergegeben. Roth bestreitet das. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat in der Sache gegen Roth ermittelt, aber das Verfahren eingestellt.

Verluste um die Hälfte gesenkt

Nonnenmacher erläuterte außerdem die aktuellen Geschäftszahlen der Bank: Die HSH Nordbank habe ihre Verluste im ersten Halbjahr auf nahezu die Hälfte gesenkt. Das Minus lag Ende Juni bei netto 380 Millionen Euro, nach 619 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie die Landesbank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein schon früher mitgeteilt hatte. Nonnenmacher wiederholte am Freitag, die Bank wolle 2010 wieder die schwarzen Zahlen erreichen. Das Institut hatte 2008 ein Minus von 2,8 Milliarden Euro verbucht und musste von den beiden Hauptanteilseignern Hamburg und Schleswig-Holstein mit einer Kapitalspritze und Milliardenbürgschaften vor dem Untergang gerettet werden. 2009 betrug der Konzernfehlbetrag 679 Millionen Euro.

Die Milliardenbürgschaften der Länder haben der HSH Nordbank das Überleben gesichert, kosten das Institut aber jetzt viel Geld: Im ersten Halbjahr lagen die Provisionen für staatliche Garantien bei 303 Millionen Euro. Derzeit schrumpft sich die Bank gesund. Die Bilanzsumme fiel im vergangenen Jahr um 33 Milliarden Euro auf rund 175 Milliarden Euro und soll weiter auf 100 Milliarden Euro sinken. Dazu lässt die Bank viele Kredite auslaufen.

dapd

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