Huawei illustration
+
Huawei gehört zu den größten Herstellern von Smartphones weltweit

Das chinesische Unternehmen

Huawei: Der Smartphone-Riese aus China

Huawei gehört zu den weltweit größten Herstellern von Smartphones und anderer mobiler Elektronik. Das Technologieunternehmen aus China beschäftigt weltweit rund 194.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2019 erwirtschaftete es einen Umsatz in Höhe von 123,33 Milliarden US-Dollar.

Shenzhen – Smartphones aus dem Hause Huawei erfreuen sich international großer Beliebtheit. Einen guten Ruf haben sie sich aufgrund niedriger Preise und insbesondere der leistungsstarken Kameras erarbeitet. In China ist das Technologieunternehmen kein Neuling: Das Unternehmen wurde 1987 gegründet.

Huawei: Gründung und Anfänge

Die Geschichte von Huawei begann im Jahr 1987. Bis in die 1980er-Jahre hinein lag die Telekommunikations-Infrastruktur in China hinter den Entwicklungen der westlichen Welt zurück. Die chinesische Regierung wollte das ändern und brachte strategische Modernisierungsmaßnahmen auf den Weg. Der IT-Ingenieur Ren Zhengfei nutzte dieses Umfeld - und gründete das Technologieunternehmen Huawei mit dem Ziel, an die Erfolge ausländischer Wettbewerber anzuknüpfen. Der Firmensitz befindet sich bis heute in der Metropole Shenzhen an der Grenze zu Hongkong.

In den Anfangsjahren verkaufte das Unternehmen vor allem aus dem nahen Hongkong in die Volksrepublik importierte Telefonanlagen. Darüber hinaus begann Ren schon sehr früh, Forschung und Entwicklung im eigenen Hause aufzubauen. Drei Jahre nach der Gründung waren bereits 500 Mitarbeiter:innen im Entwicklungsbereich für Huawei tätig.

Im Jahr 1993 brachte Huawei das C&C08-Vermittlungssystem auf den Markt. Dieses setzte sich zunächst auf dem Land und in Kleinstädten durch, später aber auch in den Metropolen. Es sorgte für ein rasches Wachstum des Marktanteils von Huawei in China. In die Hände spielten dem Unternehmen zudem die Pläne der chinesischen Regierung, nationale Unternehmen fit zu machen für den globalen Markt, und auf dem Heimatmarkt den Wettbewerb durch ausländische Konkurrenten zu begrenzen.

Huawei: Internationale Ausweitung

Nach den Erfolgen im eigenen Land wurde Huawei auch im Ausland aktiv. 1997 schloss es einen Vertrag mit Hutchison Whampoa ab. Der global tätige Mischkonzern mit Sitz in Hongkong ist vor allem in den Bereichen Hafen-Dienstleistungen, Immobilien und Hotels, im Einzelhandel sowie im Energiesektor tätig. Es folgten weitere Kooperationen mit internationalen Telekommunikationsunternehmen. Im Zuge dessen eröffnete Huawei mehrere Forschungs- und Entwicklungszentren im Ausland, darunter im Jahr 2000 eines in Stockholm. Damit nahm der Betrieb die ersten Aktivitäten in Europa auf.

Fünf Jahre später überstiegen die im Ausland erwirtschafteten Umsätze erstmals die des Inlandsgeschäfts. Huawei lieferte seine Telekommunikationsausrüstung vielfach an Entwicklungsländer in Afrika und Chinas Nachbarn in Südostasien.

2008 ging Huawei ein Joint Venture mit Symantec zur Entwicklung von Sicherheitssoftware ein. Huawei hatte daran 51 Prozent, 49 Prozent blieben bei Symantec. Ende 2011 ging das Unternehmen dann vollständig in den Besitz von Huawei über.

Huawei: Unternehmensstruktur und Geschäftsfelder

Der Unternehmensgründer Ren Zhengfei ist bis heute Mitglied der 16-köpfigen Geschäftsführung und verfügt als Einziger über ein Vetorecht bei allen Entscheidungen. Seine Tochter Meng Wanzhou agiert als Stellvertreterin für den aktuellen Chairman Liang Hua (Stand März 2021). Die Besonderheit: Huawei rotiert die Spitzenposition regelmäßig unter den Mitgliedern der Geschäftsführung. Außerdem gehört das Unternehmen seinen Mitarbeitern, was auch so bleiben soll - Pläne für einen Börsengang hat Huawei-Gründer Ren Zhengfei nicht.

Das Kerngeschäft von Huawei besteht im Heimatland China weiterhin aus der Entwicklung, Produktion und Bereitstellung von Netzinfrastruktur - seit neuestem auch für 5G. Darüber hinaus beliefert die Firma ausländische Anbieter mit Technik wie Antennen für WLAN-Breitbandnetze und optische Übertragungssysteme. In Deutschland gehören dazu unter anderem:

  • die Deutsche Telekom
  • Vodafone
  • Telefónica

Der Geschäftsbereich Enterprise fokussiert auf Geschäftskunden und umfasst unter anderem folgende Dienste und Leistungen:

  • Lösungen für die Netzinfrastruktur
  • Lösungen für das Cloud Computing
  • das Rechenzentrumsmanagement von Unternehmen, Institutionen und Verwaltungen

Zu den Kunden von Huawei zählen renommierte Namen wie Siemens, das gemeinsam mit dem Technologieunternehmen aus China die Modernisierung des Mobilfunknetzes GSM-R der Deutschen Bahn vornahm. Weitere Betriebe, die mit Huawei in Deutschland und Europa zusammenarbeiten, sind die Forschungseinrichtung CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) und der Softwarekonzern SAP. Die Deutschland-Zentrale von Huawei ist in Düsseldorf angesiedelt.

Huawei: Die Consumer-Sparte

Seit 2011 bietet Huawei Smartphones, Tablets und Wearables auch in Deutschland an. Das Technologieunternehmen war nach Samsung und Apple zunächst der drittgrößte Hersteller von Mobiltelefonen weltweit. In China verdrängte es im Jahr 2015 Apple und setzte sich an dessen Stelle auf Platz zwei. Im Zuge der Covid-19-Pandemie schaffte es Huawei, mit 55,8 Millionen verkaufter Smartphones als Weltmarktführer in diesem Bereich aufzurücken.

Zunächst setzte Huawei sich mit günstigen Einsteiger-Smartphones in Deutschland und Europa durch. Mittlerweile hat der Hersteller auch den Premiumbereich für sich entdeckt und hat Geräte aller Klassen im Portfolio. Die wichtigsten Smartphones von Huawei im Überblick:

Einsteigerklasse:

  • Huawei P
  • Mate 20 lite
  • Y7
  • P30 Lite / P30 Lite New Edition
  • P40 Lite

Mittelklasse:

  • P smart+
  • Mate 20 X
  • Nova 5T
  • P30
  • P40

Premiumklasse:

  • Mate 30 Pro
  • P30 Pro
  • P40 Pro / P40 Pro+
  • Mate 40 Pro

Neben Smartphones bietet Huawei weitere mobile Geräte an. Dazu zählen insbesondere Tablets wie das MatePad, MatePad Pro und das MatePad T10 / T10s. Die Geräte sind in unteren Preisklassen angesiedelt und wie die Smartphones mit einem angepassten Android-Betriebssystem ausgerüstet.

Auch Wearables in Form von Smartwatches sind im Portfolio von Huawei zu finden. Die wichtigsten Modelle sind:

  • Watch GT 2
  • Watch Fit
  • Watch GT2e

Dazu kommt das Fitnessarmband Band 4 Pro.

Das Technologieunternehmen hat außerdem passendes Zubehör für die Smartphones und Tablets wie Kopfhörer und Ladekabel im Programm.

Huawei: Neue Aktivitäten in der Automobilindustrie

Im Jahr 2020 begann Huawei damit, seine Aktivitäten in den Bereich der Automobilindustrie auszuweiten. Dabei möchte das Unternehmen insbesondere die Forschung und Entwicklung, Produktion und Wartung von Autoteilen sowie intelligenten Automotive-Systemen fokussieren. Im August 2020 erweiterte es dafür in China seine Geschäftslizenzen. Erste Aktivitäten sind bereits auf dem Weg. Ende 2020 verkündete Huawei eine Kooperation mit dem Hersteller von E-Auto-Batterien CATL (Contemporary Amperex Technology) und dem Autobauer Chongqing Changan Automobile Company, mit dem Zweck, Elektroautos zu entwickeln und zu produzieren.

Mit Changan Automobiles ging Huawei schon 2014 eine Kooperation im Bereich vernetztes Fahren ein. 2019 gründeten die Unternehmen ein Innovationszentrum für vernetzte intelligente Mobilität.

Im März 2021 meldete das Portal t3n, dass erste Modelle in der Entwicklung seien. Für die Produktion sollen die Fabriken des Partners Changan genutzt werden. Auch Verhandlungen mit Zulieferern liefen demnach bereits.

Huawei in der Kritik: Plagiats- und Spionagevorwürfe

Huawei zog in seiner Geschichte bereits oftmals Kritik auf sich. Bereits zu Anfang der 2000er-Jahre warf der IT-Konzern Cisco Huawei vor, Hard- und Software von Netzwerkkomponenten bis ins Detail abgekupfert zu haben. Der Vorwurf wurde 2003 im Bereich der Software gerichtlich bestätigt. Beide Unternehmen einigten sich auf einen außergerichtlichen Vergleich. Unabhängige Beobachter bestätigten ein Jahr darauf die Einhaltung des Vergleichs seitens Huawei. Cisco nahm daraufhin keine weitere Verfolgung vor.

Im Sommer 2014 nahm der taiwanesische Fertigungsbetrieb für elektronische Produkte Hon Hai seine Absichtserklärung zurück, die geplante 4G-Ausrüstung von Huawei zu erwerben. Die Regierung in Taipeh warnte, diese könne Spionage vereinfachen und damit ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen.

Andere Vorwürfe bestätigten sich nach eingehender Prüfung nicht. So schloss Australien im Jahr 2012 Huawei zunächst vom nationalen Breitbandnetz aus. Die Differenzen seien laut des chinesischen Technologieunternehmens jedoch überwunden. Die Deutsche Telekom schloss Sicherheitslücken in Routern aus dem Hause Huawei im Sommer 2015 aus.

Huawei: Das US-Embargo

Im Mai 2019 rief der damalige US-Präsident Donald Trump den „nationalen Notstand“ im Bereich der Telekommunikation aus. In der Folge war die Regierung in der Lage, Geschäfte zwischen US-Unternehmen und solchen aus „gegnerischen Staaten“ zu verhindern. Zu diesen gehörte auch Huawei. Das US-Handelsministerium kündigte daraufhin Teile der Kooperation mit dem Technologieunternehmen aus China auf. Auch US-Unternehmen wurde verboten, Geschäfte mit Huawei zu machen.

Betroffen von dem Embargo war deshalb auch das Betriebssystem Android, das Huawei in einer angepassten Version für seine Smartphones, Wearables und Tablets einsetzte. Es stammt vom Hersteller Alphabet Inc., hinter dem der Google-Konzern steht. Dieser kündigte aufgrund des Embargos die Lizenzen, ohne die verschiedene Google-Dienste nicht mehr verfügbar sind. Huawei entwickelte daher ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones. Auch nach dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden blieb das Handelsembargo zunächst bestehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare