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Huawei: Der Smartphone-Riese aus China

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Huawei gehört zu den größten Herstellern von Smartphones weltweit © Riccardo Milani / Hans Lucas / IMAGO

Huawei gehört zu den weltweit größten Herstellern von Smartphones und anderer mobiler Elektronik. Das Technologieunternehmen aus China beschäftigt weltweit rund 194.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2019 erwirtschaftete es einen Umsatz in Höhe von 123,33 Milliarden US-Dollar.

Shenzhen – Smartphones aus dem Hause Huawei erfreuen sich international großer Beliebtheit. Einen guten Ruf haben sie sich aufgrund niedriger Preise und insbesondere der leistungsstarken Kameras erarbeitet. In China ist das Technologieunternehmen kein Neuling: Das Unternehmen wurde 1987 gegründet.

Huawei: Gründung und Anfänge

Die Geschichte von Huawei begann im Jahr 1987. Bis in die 1980er-Jahre hinein lag die Telekommunikations-Infrastruktur in China hinter den Entwicklungen der westlichen Welt zurück. Die chinesische Regierung wollte das ändern und brachte strategische Modernisierungsmaßnahmen auf den Weg. Der IT-Ingenieur Ren Zhengfei nutzte dieses Umfeld - und gründete das Technologieunternehmen Huawei mit dem Ziel, an die Erfolge ausländischer Wettbewerber anzuknüpfen. Der Firmensitz befindet sich bis heute in der Metropole Shenzhen an der Grenze zu Hongkong.

In den Anfangsjahren verkaufte das Unternehmen vor allem aus dem nahen Hongkong in die Volksrepublik importierte Telefonanlagen. Darüber hinaus begann Ren schon sehr früh, Forschung und Entwicklung im eigenen Hause aufzubauen. Drei Jahre nach der Gründung waren bereits 500 Mitarbeiter:innen im Entwicklungsbereich für Huawei tätig.

Im Jahr 1993 brachte Huawei das C&C08-Vermittlungssystem auf den Markt. Dieses setzte sich zunächst auf dem Land und in Kleinstädten durch, später aber auch in den Metropolen. Es sorgte für ein rasches Wachstum des Marktanteils von Huawei in China. In die Hände spielten dem Unternehmen zudem die Pläne der chinesischen Regierung, nationale Unternehmen fit zu machen für den globalen Markt, und auf dem Heimatmarkt den Wettbewerb durch ausländische Konkurrenten zu begrenzen.

Huawei: Internationale Ausweitung

Nach den Erfolgen im eigenen Land wurde Huawei auch im Ausland aktiv. 1997 schloss es einen Vertrag mit Hutchison Whampoa ab. Der global tätige Mischkonzern mit Sitz in Hongkong ist vor allem in den Bereichen Hafen-Dienstleistungen, Immobilien und Hotels, im Einzelhandel sowie im Energiesektor tätig. Es folgten weitere Kooperationen mit internationalen Telekommunikationsunternehmen. Im Zuge dessen eröffnete Huawei mehrere Forschungs- und Entwicklungszentren im Ausland, darunter im Jahr 2000 eines in Stockholm. Damit nahm der Betrieb die ersten Aktivitäten in Europa auf.

Fünf Jahre später überstiegen die im Ausland erwirtschafteten Umsätze erstmals die des Inlandsgeschäfts. Huawei lieferte seine Telekommunikationsausrüstung vielfach an Entwicklungsländer in Afrika und Chinas Nachbarn in Südostasien.

2008 ging Huawei ein Joint Venture mit Symantec zur Entwicklung von Sicherheitssoftware ein. Huawei hatte daran 51 Prozent, 49 Prozent blieben bei Symantec. Ende 2011 ging das Unternehmen dann vollständig in den Besitz von Huawei über.

Huawei: Unternehmensstruktur und Geschäftsfelder

Der Unternehmensgründer Ren Zhengfei ist bis heute Mitglied der 16-köpfigen Geschäftsführung und verfügt als Einziger über ein Vetorecht bei allen Entscheidungen. Seine Tochter Meng Wanzhou agiert als Stellvertreterin für den aktuellen Chairman Liang Hua (Stand März 2021). Die Besonderheit: Huawei rotiert die Spitzenposition regelmäßig unter den Mitgliedern der Geschäftsführung. Außerdem gehört das Unternehmen seinen Mitarbeitern, was auch so bleiben soll - Pläne für einen Börsengang hat Huawei-Gründer Ren Zhengfei nicht.

Das Kerngeschäft von Huawei besteht im Heimatland China weiterhin aus der Entwicklung, Produktion und Bereitstellung von Netzinfrastruktur - seit neuestem auch für 5G. Darüber hinaus beliefert die Firma ausländische Anbieter mit Technik wie Antennen für WLAN-Breitbandnetze und optische Übertragungssysteme. In Deutschland gehören dazu unter anderem:

Der Geschäftsbereich Enterprise fokussiert auf Geschäftskunden und umfasst unter anderem folgende Dienste und Leistungen:

Zu den Kunden von Huawei zählen renommierte Namen wie Siemens, das gemeinsam mit dem Technologieunternehmen aus China die Modernisierung des Mobilfunknetzes GSM-R der Deutschen Bahn vornahm. Weitere Betriebe, die mit Huawei in Deutschland und Europa zusammenarbeiten, sind die Forschungseinrichtung CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) und der Softwarekonzern SAP. Die Deutschland-Zentrale von Huawei ist in Düsseldorf angesiedelt.

Huawei: Erfolgreiche Smartphone-Sparte und ihr Ende

Seit 2011 bietet Huawei Smartphones, Tablets und Wearables auch in Deutschland an. Das Technologieunternehmen war nach Samsung und Apple zunächst der drittgrößte Hersteller von Mobiltelefonen weltweit. In China verdrängte es im Jahr 2015 Apple und setzte sich an dessen Stelle auf Platz zwei. Im Zuge der Covid-19-Pandemie schaffte es Huawei, mit 55,8 Millionen verkaufter Smartphones als Weltmarktführer in diesem Bereich aufzurücken.

Zunächst setzte Huawei sich mit günstigen Einsteiger-Smartphones in Deutschland und Europa durch. Mittlerweile hat der Hersteller auch den Premiumbereich für sich entdeckt und hat Geräte aller Klassen im Portfolio. Doch die Smartphone-Sparte erlitt im Ausland einen Einbruch, nachdem die USA im Handelskrieg beider Staaten das Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt haben. Keine US-Firma darf Huawei seither Technologie liefern. Für Huawei ist im Ausland das größte Problem, dass es as Betriebssystem Android, das Huawei in einer angepassten Version für seine Smartphones, Wearables und Tablets einsetzte. Es stammt vom Hersteller Alphabet Inc., hinter dem der Google-Konzern steht. Dieser kündigte aufgrund des Embargos die Lizenzen, ohne die verschiedene Google-Dienste nicht mehr verfügbar sind. Huawei entwickelte daher ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones.

Die USA werfen Huawei enge Verbindungen zu chinesischen Behörden vor und warnen vor einer Gefahr von Spionage und Sabotage. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Neben Smartphones bietet Huawei weitere mobile Geräte an. Dazu zählen insbesondere Tablets wie das MatePad, MatePad Pro und das MatePad T10 / T10s. Die Geräte sind in unteren Preisklassen angesiedelt und wie die Smartphones mit einem angepassten Android-Betriebssystem ausgerüstet. Das Technologieunternehmen hat außerdem passendes Zubehör für die Smartphones und Tablets wie Kopfhörer und Ladekabel im Programm.

Huawei: Trotz US-Sanktionen erfolgreich

Trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs vor dem Hintergrund von US-Sanktionen verzeichnete Huawei 2021 allerdings einen Rekordgewinn. Wie das Unternehmen aus dem südchinesischen Shenzhen im März 2022 mitteilte, ging der Umsatz um 28,6 Prozent auf rund 636,8 Milliarden Yuan (91,1 Milliarden Euro) zurück. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen sei der Gewinn jedoch um fast 76 Prozent auf rund 113,7 Milliarden Yuan gestiegen.

Die US-Maßnahmen hätten deutlich Auswirkungen auf das Geschäft von Huawei, sagte Finanzchefin Meng Wanzhou bei der Präsentation des Berichts Als weitere Gründe für den Umsatzrückgang nannte sie Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zudem habe der Netzwerkausrüster zuvor vom raschen Ausbau des 5G-Netzes in China profitiert, der 2021 weitgehend abgeschlossen war. Huawei habe unter Beweis gestellt, „dass uns der Umgang mit Unwägbarkeiten zunehmend besser gelingt“, sagte Meng mit Verweis auf den Rekordgewinn.

Huawei: Neue Aktivitäten in der Automobilindustrie

Auch diversifiziert sich das Unternehmen weiter. Im Jahr 2020 begann Huawei damit, seine Aktivitäten in den Bereich der Automobilindustrie auszuweiten. Dabei möchte das Unternehmen insbesondere die Forschung und Entwicklung, Produktion und Wartung von Autoteilen sowie intelligenten Automotive-Systemen fokussieren. Im August 2020 erweiterte es dafür in China seine Geschäftslizenzen. Erste Aktivitäten sind bereits auf dem Weg. Ende 2020 verkündete Huawei eine Kooperation mit dem Hersteller von E-Auto-Batterien CATL (Contemporary Amperex Technology) und dem Autobauer Chongqing Changan Automobile Company, mit dem Zweck, Elektroautos zu entwickeln und zu produzieren.

Mit Changan Automobiles ging Huawei schon 2014 eine Kooperation im Bereich vernetztes Fahren ein. 2019 gründeten die Unternehmen ein Innovationszentrum für vernetzte intelligente Mobilität.

Im März 2021 meldete das Portal t3n, dass erste Modelle in der Entwicklung seien. Für die Produktion sollen die Fabriken des Partners Changan genutzt werden. Auch Verhandlungen mit Zulieferern liefen demnach bereits.

Huawei in der Kritik: Plagiats- und Spionagevorwürfe

Huawei zog in seiner Geschichte bereits oftmals Kritik auf sich. Bereits zu Anfang der 2000er-Jahre warf der IT-Konzern Cisco Huawei vor, Hard- und Software von Netzwerkkomponenten bis ins Detail abgekupfert zu haben. Der Vorwurf wurde 2003 im Bereich der Software gerichtlich bestätigt. Beide Unternehmen einigten sich auf einen außergerichtlichen Vergleich. Unabhängige Beobachter bestätigten ein Jahr darauf die Einhaltung des Vergleichs seitens Huawei. Cisco nahm daraufhin keine weitere Verfolgung vor.

Im Sommer 2014 nahm der taiwanesische Fertigungsbetrieb für elektronische Produkte Hon Hai seine Absichtserklärung zurück, die geplante 4G-Ausrüstung von Huawei zu erwerben. Die Regierung in Taipeh warnte, diese könne Spionage vereinfachen und damit ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen.

Andere Vorwürfe bestätigten sich nach eingehender Prüfung nicht. So schloss Australien im Jahr 2012 Huawei zunächst vom nationalen Breitbandnetz aus. Die Differenzen seien laut des chinesischen Technologieunternehmens jedoch überwunden. Die Deutsche Telekom schloss Sicherheitslücken in Routern aus dem Hause Huawei im Sommer 2015 aus.

Die Finanzchefin Meng Wanzhou war zudem im Dezember 2018 auf Ersuchen der US-Behörden in Kanada verhaftet worden, was zu einer mehrjährigen diplomatischen Krise führe. Die US-Regierung warf ihr eine Umgehung der US-Sanktionen gegen den Iran vor. Doch nach einer Änderung der Beweislage konnte Meng einen Deal mit dem betreffenden US-Gericht schließen und im September 2021 nach China zurückkehren.

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