Hubschrauber: Wie Eurocopter die Airbus-Fehler vermeiden will

- Donauwörth - Es war einmal: München, das Kraftzentrum Bayerns. Mit dem Helicopter Technologiepark rund um die EADS-Tochter Eurocopter in Donauwörth, der gestern eröffnet wurde, zeigt sich einmal mehr, dass wichtige Technologiezweige nicht mehr auf die Millionenstadt setzen, sondern ihr Glück auf dem flachen Land suchen.

An der nordschwäbischen Donau sollen sich konzentriert Firmen und Forschungseinrichtungen zum Thema Drehflügler ansiedeln. Rund 15 sind schon dabei, darunter Diehl, Thales, T-Systems und die DLR. Immerhin könnte die Strategie gut aufgehen: Während die -gemessen am Umsatz - zehnmal größere deutsche Airbus an Zersplitterung leidet, dürfte die Konzentration von Spezialkompetenz an einem Standort für Effizienz sorgen.

Im Schatten des nun abrupt gestoppten Erfolgsfluges von Airbus hat auch der deutsch-französische Hubschrauberhersteller eine erstaunliche Erfolgsgeschichte hingelegt. Nicht ganz so weit nach oben, sondern nur auf Platz vier im weltweiten Ranking. Klammert man den rein militärischen Bereich aus, steht Eurocopter bereits an der Spitze. Bert Stegkemper, bislang Deutschland-Chef von Eurocopter und nun Konzernvorstand für Industrielle Prozesse, legt Wert darauf, nur "ein wenig den Weg von Airbus" gegangen zu sein.

Dabei baut das ursprünglich deutsch-französische Unternehmen, das 1992 aus der Zusammenlegung der Hubschrauberaktivitäten von Aerospatiale und Messerschmitt Bölkow Blohm (MBB) bestand, systematisch Werke auch in anderen Ländern auf. "Wir haben in den Heimatmärkten nur geringe Wachstumsraten", sagt Stegkemper. "Wir müssen in die Welt hinaus." So ist die australische Tochter bereits das viertgrößte Verteidigungsunternehmen am fünften Kontinent. Und die US-Töchter sind auf ihren Einsatzgebieten Marktführer.

"Globalisierung muss nicht Arbeitsplätze kosten, sondern kann auch zu einem Aufbau führen", sagt Stegkemper. Tatsächlich ist Eurocopter für drei Jahre im Voraus ausgelastet und schafft laufend Stellen.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit klappt zumindest geräuschloser als bei Airbus. Zwar ist auch bei Eurocopter gelegentlich von einem französischen Dominanzstreben zu hören. Doch Stegkemper macht eine andere Rechnung auf. 1982 wurde im Verhältnis der Nationen offiziell ein Verhältnis 70 zu 30 erklärt. Dabei war damals die Überlegenheit der französischen Seite weit erdrückender: Sie lag bei 82 zu 18. Heute spricht Stegkemper von einem Verhältnis von 65 zu 35. Die Beschäftigungsentwicklung tendiert weiter in Richtung Ausgleich. In Frankreich soll noch in diesem Jahr der Eurocopter-Personalstamm von 6700 auf 7200 steigen, in Deutschland von 4350 auf über 4700.

Allerdings leidet auch Eurocopter am Mangel an hochqualifiziertem Personal. "Ein Lehrstuhl für Drehflügler ist überfällig", sagte Stegkemper im Frühjahr diesen Jahres. Es gab einmal einen in Stuttgart. Viel spricht dafür, dass die TU München jetzt diese Lücke wieder füllt. Der Standort der entsprechenden Einrichtungen allerdings liegt nicht an der Isar, sondern in Donauwörth.

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