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Der Bluecopter soll dazu beitragen, Hubschrauberflüge umweltfreundlicher zu machen. Er ist nur halb so laut wie erlaubt.

Airbus Helicopters

Hubschrauberfliegen mit Öko-Anspruch

Donauwörth - Hubschrauber sind praktisch, aber laut und nicht gerade effizient. Mit dem Bluecopter will Airbus zeigen, dass das nicht auf Dauer so sein muss.

Auf den ersten Blick sieht der Hubschrauber, der gerade auf den kleinen Landeplatz am Werk von Airbus Helicopters in Donauwörth zuschwebt, aus wie viele andere. Auf den zweiten Blick nehmen aufmerksame Beobachter deutliche Unterschiede wahr, etwa den verkleideten Rotorkopf über der Kabine.

Doch das wirklich Besondere ist zu hören, während das Fluggerät am Donauufer seine Runden dreht: Das Geräusch der Turbinen. Das wird bei normalen Drehflüglern völlig vom dominierenden Lärm der Rotoren übertönt. Dieser Lärm entsteht, wenn die von den Rotorblättern erzeugten Luftwirbel auf andere Rotorblätter knallen.

Jetzt aber dringen die Motorengeräusche deutlich wahrnehmbar an die Ohren der Zuschauer. Das ist gewissermaßen der akustische Beweis, dass Airbus mit seinem Bluecopter, einem Demonstrator für umweltfreundliche Hubschraubertechnik, Wort gehalten und das knatternde Geräusch der Motoren erfolgreich bekämpft hat. So etwas kann die Akzeptanz von Hubschrauberflügen in dicht besiedeltem Gebiet deutlich erhöhen, etwa von oder zu Krankenhäusern in den Wohngebieten von Städten.

Von einem Meilenstein unter anderem bei der Geräuschreduzierung sprach Wolfgang Schoder, Deutschland-Chef von Airbus-Helicopters. Der Lärmpegel liegt um vier Dezibel unter dem Geräuschniveau des ähnlich großen EC 135, der bereits als leiser Hubschrauber gilt. Damit ist der Bluecopter nur noch halb so laut, wie die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO es eigentlich erlaubt.

In einer anderen Disziplin müssen die Ingenieure noch liefern: 40 bis 50 Prozent Treibstoffersparnis hatte Jean-Brice Dumont, der Chefingenieur von Airbus Helicopters, angekündigt. Doch der Bluecopter verbraucht mit rund 180 Kilogramm Kerosin pro Flugstunde ziemlich genau das gleiche wie ein normaler EC 135 aus dem deutschen Werk von Airbus Helicopters in Donauwörth.

Trotzdem bleibt ein Effizienzgewinn. Denn der Demonstrator ist 200 Kilogramm schwerer als das Serienmodell. Das Mehrgewicht können ausgeklügelte aerodynamische Details ausgleichen, zum Beispiel Verkleidungen, die den Luftwiderstand verringern, aber auch die neuen Rotorblätter, erkennbar an einem Knick am Ende, der damit an den Flügel eines Falken erinnert. „Blue Edge“ nennt Airbus die Verbesserung, an der Ingenieure des Airbuskonzerns seit Jahren tüfteln.

Sogar die zehn Blätter des Heckrotors, der bei Airbus Fenestron genannt wird, weisen einen Knick auf. Es handelt sich also um ein ganzes Bündel an Veränderungen, die am Ende zu den erhofften Einsparungen führen sollen, wie Dumont sagt.

Zwei weitere entscheidende Dinge im Demonstrator stehen noch aus: Geringere Drehzahlen der Motoren und die automatische Abschaltung eines der beiden Triebwerke im Reiseflug sollen den Löwenanteil an den geplanten Treibstoffeinsparung bringen.

Wann aber stehen all die umweltfreundlichen Technologien auch für ganz normale Hubschrauber zur Verfügung? Ein Datum will niemand nennen. Da Fluggeräte sehr viele längere Serienlaufzeiten haben als Autos und technische Neuerungen in der Luftfahrtindustrie immer wieder in die Serienfertigung aufgenommen werden, könnten Teile der umweltfreundlichen Technik schon bald zu kaufen sein. Beispielsweise beim neuen Airbus H160, den Airbus auf dem Air Salon in Le Bourget (Paris) gezeigt hat und der schon über den Blue Edge Rotor verfügt.

In einer Disziplin für Umweltfreundlichkeit kann der Demonstrator besonders punkten, auch wenn Airbus das nicht betont: Die Wiederverwendung von gebrauchten Teilen. Denn die die Zelle des Bluecopter hat schon einmal Luftfahrtgeschichte geschrieben: Es ist die Zelle aus der Bo108 A1, die am 1. Februar 1994 zum ersten Mal geflogen ist. Nach der Eingliederung der Hubschrauberaktivitäten der ehemaligen Messerschmitt-Bölkow-Blohm in Eurocopter wurde die Bo108 unbenannt in EC 135. Er ist gemeinsam mit seinem größeren Schwestermodell EC 145 heute der erfolgreichste Rettungshubschrauber der Welt.

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