Hüter des deutschen Goldschatzes: Bundesbank will nicht verkaufen

- Frankfurt - Ihre frühere Rolle als Währungshüter hat die Bundesbank an die Europäische Zentralbank abgegeben. Hier spielt sie nur noch in der zweiten Liga. Umso strenger konzentriert sie sich auf ihren ehemaligen Nebenjob: Wächter über den zweitgrößten Goldschatz der Welt zu sein. Auf absehbare Zeit macht die ehemalige Notenbank von ihren Möglichkeiten, Teile dieses Schatzes zu versilbern, keinerlei Gebrauch.

"Das Gold ist ein Teil des Volksvermögens und hat für die Bevölkerung einen hohen Symbolwert", sagt Bundesbank-Präsident Axel Weber. Die ursprüngliche Rolle des Edelmetalls, als Wert hinter dem eigentlich wertlosen Papiergeld zu stehen, hat es eingebüßt. So haben die Zentralbanken gegenseitig vereinbart, ihre gehorteten Goldbestände vorsichtig abzubauen.

Von 120 ihrer insgesamt 3428 Tonnen dürfte sich die ehemalige deutsche Notenbank jedes Jahr trennen. Ein Milliarden-Geldsegen wäre dies angesichts der stark gestiegenen Goldpreise. Der von Weber geführte Bundesbankvorstand verzichtet darauf - und schlägt die entsprechenden Bitten aus der Politik in den Wind.

Viel hätte die Bundesbank von diesem Gewinn ohnehin nicht. Sie müsste ihn sofort an den Bund abtreten - Geld, das Finanzminister Peer Steinbrück dringend bräuchte. Weil die Bundesbank unabhängig und damit einer Kontrolle durch die staatliche Gewalt entzogen ist, hängen diese Kirschen zu hoch für die Politik.

So muss sie sich mit den Früchten begnügen, die die Bundesbank ohnehin abwirft. Auf drei Milliarden Euro Bundesbank-Gewinn hatte Steinbrück gehofft. Bekommen wird er jetzt 2,86 Milliarden Euro.

Das ist zwar spürbar mehr als die mageren 0,2 Milliarden (2003) oder 0,7 Milliarden (2004), mit denen sich Vorgänger Hans Eichel in den letzten Jahren seiner Amtszeit begnügen musste. Doch die Zeiten, als die Bundesbank die in sie gesteckten Erwartungen weit hinter sich lassen konnte, sind wohl dauerhaft vorbei: 2000 überwies die Bundesbank noch 8,4 Milliarden Euro an den Bund, 2001 waren es sogar 11,2 Milliarden Euro und 2002 immerhin noch 5,4 Milliarden Euro.

Allerdings kann die Bundesbank ihren Gewinn kaum beeinflussen. Ein hoher Gewinn ist auch nicht ihre Aufgabe, sondern nur deren Nebenprodukt (siehe Kasten). Allenfalls sinkende Kosten können dazu führen, dass mehr für den Bundeshaushalt hängen bleibt.

Diese Hausaufgaben werden derzeit gemacht. Bereits bis Ende 2004 wurde der Personalbestand der Bundesbank (2001: 15 650 Beschäftigte) im Einklang mit den geschwundenen Aufgaben auf 12 300 reduziert. Bis 2001 sollen weitere 2000 Stellen abgebaut werden. Die Filialen wurden von 78 auf 49 reduziert.

Immerhin über den EZB-Rat ist die Bundesbank noch an der Geldpolitik beteiligt. Hier deutet sich keine Lockerung der bisherigen harten Linie an. Die EZB fühlt sich weiterhin nur der Inflationsbekämpfung verpflichtet und ist, so Weber, jederzeit bereit, auf gestiegene Preisrisiken zu reagieren.

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