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Hugo Boss hatte unlängst auch mit internen Turbulenzen zu kämpfen, Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs hatte Ende Februar überraschend seinen Hut genommen. Foto: Sebastian Kahnert

Modekonzern Hugo Boss zückt den Rotstift

Hugo Boss hat noch immer keinen Boss - seit Monatsbeginn ist der Chefsessel des Modekonzerns verwaist. Wer kommt ans Ruder? Eine Antwort auf diese Frage gab es bei der Bilanz-Pressekonferenz nicht - stattdessen zeigte das Interims-Führungstrio Sorgenfalten.

Metzingen (dpa) - Der Modekonzern Hugo Boss nimmt nach Problemen in den USA und in China das Tempo raus.

Die Schließung von rund 20 der mehr als 130 Shops in dem asiatischen Land sei bereits beschlossen, zudem stünden weltweit bis zu 20 weitere Verkaufsstellen auf dem Prüfstand, sagte Finanzvorstand Mark Langer am Donnerstag in Metzingen.

"In bestimmten Regionen müssen wir kritisch die Expansion überdenken." Hugo Boss hat weltweit etwa 1100 Geschäfte - mit den Schließungen endet vorerst der rasante Ausbau des Filialnetzes. Weniger als 20 neue Shops sollen dieses Jahr weltweit hinzukommen.

Kürzlich hatte der Modekonzern die Börse mit einer Gewinnwarnung geschockt, der Kurs sackte ab - binnen eines Jahres hat er sich etwa halbiert. Ende Februar hatte Firmenchef Claus-Dietrich Lahrs überraschend seinen Hut genommen. Wann ein Neuer auf dem Chefsessel Platz nimmt und wer dies sein könnte, wollte Finanzchef Langer nicht sagen. "Das ist Aufgabe des Aufsichtsrats."

Der Verkauf in Europa lief indes weiter gut: In Deutschland gab es ein Umsatzplus von vier Prozent auf 465 Millionen Euro, in Großbritannien um satte 27 Prozent auf 332 Millionen Euro, letzteres etwa zur Hälfte wegen des relativ schwachen Euros.

In China hingegen drückt der Schuh. Dort wird die Bekleidung als exklusive Mode verkauft, die etwa 80 Prozent teurer ist als in Deutschland. Viele Chinesen decken sich daher bei Europareisen mit Boss-Klamotten ein. Nun soll der Umsatz in China mit niedrigeren Preisen angekurbelt werden - bei der Frühjahrskollektion ging man 20 Prozent runter. Die damit verbundenen Einbußen würden durch höheren Absatz teilweise kompensiert, so Langer.

Auch in den USA gab es Rückschläge. Dort machten Boss Großhandelsrabatte und Zweitverwertungen in Billigläden zu schaffen - der US-Umsatz sank den Angaben zufolge um fünf Prozent. Künftig will man stärker auf eigene Shops setzen, um die Gefahr billiger Boss-Stangenware im Modeshop nebenan zu vermeiden.

Trotz der Eintrübung in Amerika und Asien geht es Hugo Boss mit seinen knapp 14 000 Mitarbeitern relativ gut, der Konzerngewinn lag bei 319 Millionen Euro - im Vergleich zu 2014 war das aber ein Minus von vier Prozent. Lahrs, Markenchef Christoph Auhagen sowie Vertriebsvorstand Bernd Hake betonten, man stehe gut da. "Hugo Boss ist nach wie vor ein gesundes und wachsendes Unternehmen", so Langer.

Die Aussichten für 2016 sind aber getrübt: Das Umsatzwachstum soll nur im niedrigen einstelligen Bereich liegen, das operative Ergebnis werde im niedrigen zweistelligen Prozentbereich sinken. "Wir haben es mit schwierigen Marktbedingungen und einem operativen Umfeld zu tun, das sich rasant ändert", sagt Langer. Der Rotstift wird auch bei Investitionen in Geschäfte oder Technik gezückt, nach 220 Millionen Euro 2015 sollen es 2016 weniger als 200 Millionen sein.

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