Hunderte AEG-Beschäftigte bereit für harten Arbeitskampf

- Nürnberg - Im Nürnberger AEG-Werk, das Ende nächsten Jahres geschlossen wird, eskaliert die Lage. Durch einen unbefristeten Streik wollen sich die 1750 vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze stehenden Beschäftigten nun so teuer wie möglich verkaufen.

Im Ringen um einen Sozialtarifvertrag für das Nürnberger AEG-Hausgerätewerk steht ein unbefristeter Streik unmittelbar bevor. Deshalb hat die betriebliche AEG-Tarifkommission jetzt in Nürnberg nach dem Scheitern vorerst letzter Verhandlungen mit dem Management den Frankfurter IG-Metall-Vorstand aufgefordert, zur Urabstimmung aufzurufen, erklärte AEG-Betriebsratschef Harald Dix. Dieser Aufruf werde spätestens am Montag kommen, kündigte Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer an. Nach zweitägiger Urabstimmung stünden wohl ab kommendem Donnerstag die Bänder still, ergänzte Dix.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber werfen sich gegenseitig vor, dass es dazu kommt. Die Gewerkschaft habe von vorneherein fest eingeplant, die Gespräche über einen Sozialtarifvertrag scheitern zu lassen und schon vor deren Abbruch zu einem Warnstreik am Freitag aufgerufen, kritisierte Horst Winkler. Er ist beim schwedischen AEG-Mutterkonzern Electrolux der verantwortliche Manager für alle europäischen Werke. Gewerkschafter warfen dem schwedischen Weltmarktführer bei Weißer Ware ihrerseits "Wortbruch" vor.

Bei einer zweiten Verhandlungsrunde am Donnerstag hatte das Management entgegen aller Zusagen keinen eigenen Vorschlag für eine soziale Abfederung der drohenden Arbeitslosigkeit für 1750 noch im AEG-Werk beschäftigte Frauen und Männer vorgelegt. Ein solches Angebot hätten die Manager an ein Ultimatum geknüpft, wonach die Belegschaft für gut zwei Wochen auf jede Arbeitsniederlegung und Streikvorbereitung verzichten solle, zürnte Neugebauer und wies dieses Ansinnen zurück. "Wir machen uns doch nicht nackt", bekräftigte Nürnbergs IG Metall-Vize Jürgen Wechsler. Ab kommender Woche stehe nun ein unbefristeter Streik bevor.

Hintergrund dieser Eskalation ist ein Beschluss von Electrolux, das Nürnberger AEG-Stammwerk bis Ende nächsten Jahres zu schließen und die Produktion von weit über einer Million Waschmaschinen, Geschirrspülern und Trocknern kostensparend nach Polen zu verlagern. Auch spürbarer Lohnverzicht und Bereitschaft zu Stellenabbau seitens der Belegschaft konnte die Schweden nicht umstimmen. Sowohl Electrolux, als auch das AEG-Werk arbeiteten zuletzt profitabel. "Nächste Woche wird gestreikt, es bleibt uns nichts anderes übrig", meinte ein vor den Werkstoren protestierender Mitarbeiter. Er und hunderte Kollegen zeigten sich bereit für einen harten Arbeitskampf. Daneben greift bei den Beschäftigten aber auch immer mehr Resignation um sich.

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