Nach Richterspruch

Viele Gaskunden haben Anspruch auf Rückzahlung  

Berlin - Hunderttausende Gaskunden mit einem sogenannten Sondervertrag haben womöglich Anspruch auf Rückzahlungen von Gaspreiserhöhungen in den vergangenen drei Jahren.

Der Bundesgerichtshof(BGH) erklärte in einem verbraucherfreundlichen Urteil am Mittwoch Klauseln zur Preisanpassung für unzulässig. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rechnet nun mit einer Flut von Widersprüchen und Klagen. (Az: VIII ZR 162/09)

Im Ausgangsfall hatte die Verbraucherzentrale NRW stellvertretend für 25 Sonderkunden des Energieversorgers RWE auf Rückzahlungen von insgesamt rund 16.000 Euro geklagt, weil in bis 2006 geltenden Klauseln Gründe für Preisänderungen nicht genannt wurden und statt dessen nur auf gesetzliche Bestimmungen zu Kunden mit Grundversorgungsverträgen verwiesen worden war.

Der BGH legte den Fall dem Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vor und entschied nach dessen Maßgabe, dass Preisänderungsklauseln in Gassonderverträgen nichtig sind, wenn sie nicht klar und verständlich "Anlass, Voraussetzung und Umfang" von Preisänderungen benennen.

Das Urteil könnte für etwa zehn Millionen Verbraucher von Belang sein: Sie erhalten abweichend von sogenannten Tarifkunden besondere Konditionen, etwa weil sie mit Gas heizen oder den Gasanbieter gewechselt haben.

Der Verbraucherzentrale zufolge haben diese Sonderkunden unter Umständen Anspruch auf Rückzahlungen, weil viele Energieversorger von RWE bis Vattenfall in ihren ab 2006 geänderten Geschäftsbedingungen Klauseln aufführen, wonach Gaspreise weiter ohne ausreichende Gründe erhöht werden können.

Geld aus den unberechtigten Gaspreiserhöhungen bekommen die Verbraucher aber nicht automatisch zurück. Jeder einzelne Kunde muss das Geld von seinem Versorger zurückfordern. Dazu muss er seiner Jahresrechnung innerhalb von drei Jahren widersprechen. Zurückgefordert werden können damit unzulässige Erhöhungen seit August 2010.

AFP

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Audi-Chef in Bedrängnis: Staatsanwälte vernehmen Stadler
Nach zwei Tagen in Untersuchungshaft wird Audi-Chef Rupert Stadler am Mittwoch zum ersten Mal als Beschuldigter vernommen.
Audi-Chef in Bedrängnis: Staatsanwälte vernehmen Stadler
EU-Kommission prangert Steuersparmodell in Luxemburg an
Brüssel (dpa) - Luxemburg hat nach Erkenntnissen der EU-Kommission dem französische Engie-Konzern unzulässige Steuernachlässe gewährt und soll nun 120 Millionen Euro …
EU-Kommission prangert Steuersparmodell in Luxemburg an
Maschinenbauer: Export gewinnt an Tempo
Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands Maschinenbauer haben trotz der Verschärfung von Handelskonflikten ihr Exporttempo erhöht. In den ersten vier Monaten stieg die …
Maschinenbauer: Export gewinnt an Tempo
Bei Aldi, Penny, Kaufland & Co.: Salmonellen-Alarm in Bio-Eiern
Verbraucherbehörden schlagen Alarm: Eine Charge von Bio-Eiern könnte von Salmonellen-Bakterien betroffen sein.
Bei Aldi, Penny, Kaufland & Co.: Salmonellen-Alarm in Bio-Eiern

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.