Sparprogramm in Bayern

HVB: 1200 Stellen und 190 Filialen sollen wegfallen

München - Die HypoVereinsbank will im Privatkundenbereich fast ein Drittel der Arbeitsplätze abbauen. Den Freistaat trifft es besonders hart.

Die HypoVereinsbank (HVB) hat sich mit den Arbeitnehmervertretern des Unternehmens auf den grundlegenden Umbau des Privatkundengeschäfts geeinigt. Bis 2015 sollen deutschlandweit fast 240 der noch rund 580 Standorte geschlossen oder zusammengelegt werden. Der damit verbundene Abbau von 1500 Stellen trifft Bayern besonders hart: Der Gewerkschaft Verdi zufolge sollen im Freistaat bis 2015 gut 1200 Stellen wegfallen. Im restlichen Bundesgebiet will die Bank noch einmal etwa 300 Arbeitsplätze streichen. 190 der bundesweit knapp 240 Filialen des Geldinstituts, die geschlossen oder zusammengelegt werden sollen, liegen im Freistaat, sagt Klaus Grünewald, der bei Verdi Bayern für die Finanzbranche zuständig ist, unserer Zeitung.

„Die Einschnitte sind schmerzhaft. Aber wir haben das Bestmögliche für die Mitarbeiter herausgeholt“, betont der Gewerkschafter, der auch im HVB-Aufsichtsrat sitzt. So würden Angestellte über 50, die aus dem Geldinstitut ausscheiden, für jedes Jahr Bankzugehörigkeit eineinhalb Monatsgehälter als Abfindung bekommen. Ein HVB-Sprecher wollte die Verdi-Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. Bevor das Unternehmen bekannt geben will, wo genau Filialen geschlossen werden, wollen die Verantwortlichen der Bank laut dem Firmensprecher zunächst das Gespräch mit den regionalen Betriebsräten und den Filialleitern suchen. Knapp 4500 Mitarbeiter arbeiten deutschlandweit derzeit noch im Privatkundengeschäft der Bank – nicht ganz ein Drittel von ihnen muss demnächst ausscheiden.

Wie hoch die Zahl der Angestellten und Filialen des Geldinstituts in Bayern ist, konnte der Sprecher der Bank gestern Nachmittag nicht sagen. In Branchenkreisen heißt es, etwa die Hälfte der knapp 580 HVBStandorte hierzulande lägen im Freistaat. Wenn die Verdi- Zahlen stimmen, müssten demnach mit gut 190 sogar zwei Drittel der Filialen in Bayern dichtmachen. Doch nicht nur im Privatkundengeschäft will die Tochter der italienischen UniCredit kräftig sparen, auch in der Münchner HVB-Zentrale sollen nach Firmenangaben 200 Stellen wegfallen.

Laut Verdi-Mann Grünewald will die HypoVereinsbank vor allem auf dem Land Standorte schließen oder zusammenlegen. „Das sind weitestgehend Filialen mit oft nur ein, zwei oder drei Mitarbeitern“, erläutert der Gewerkschafter. Dass ein Flächenstaat wie Bayern dann überproportional vom Sparprogramm betroffen sein dürfte, wäre die logische Folge. In Arbeitgeberkreisen hieß es dagegen, der Schwerpunkt der Filialschließungen liege nicht auf dem Land.

HVB-Aufsichtsrat Grünewald hält die Schließung von Filialen im großen Stil für „eine bedenkliche Strategie“. Viele Kunden seien über 50 oder gar über 60. „Ohne Filialen vor Ort werden wir einen Teil dieser Kunden verlieren“, ist er überzeugt.

Peter Hofbauer, Finanzvorstand der Bank, weist diese Kritik zurück: Für 85 Prozent der Kunden, solle sich der Weg zur nächsten Filiale „nicht oder kaum erhöhen“. Maximal fünf Kilometer müssten die Kontoinhaber künftig zur nächsten HVB zurücklegen.

Trotz ihrer prinzipiellen Kritik stimmten die Arbeitnehmervertreter dem HVBSparplan zu. Im Gegenzug garantiert das Finanzinstitut nach eigenen Angaben, dass die Zahl der Vollzeitstellen im Privatkundenbereich in Deutschland nicht unter 3000 fallen soll. HVB-Aufsichtsrat Grünewald betont, Betriebsrat und Gewerkschaft hätten dem Sparprogramm zugestimmt, um zumindest gewisse Zugeständnisse zu erreichen.

„Am Ende braucht das Unternehmen ja nicht zwingend unser Einverständnis“, so Grünewald. Bei den schwierigen Verhandlungen habe man Erfolge erzielt: Statt der ursprünglich angedachten 2000 werden nun nur 1500 Stellen abgebaut. Auch die Zahl der vom Sparprogramm betroffenen Filialen sei von den ursprünglich anvisierten 300 um mehr als ein Viertel auf unter 240 Filialen gesenkt worden.

Die Tochter der italienischen UniCredit reagiert mit der Straffung des Filialnetzes auch auf das veränderte Kundenverhalten. Tatsächlich wickeln immer mehr Menschen ihre alltäglichen Bankgeschäfte inzwischen via Internet ab. Der Bank bläst nach einem durchwachsenen Start ins Geschäftsjahr auch im zweiten Quartal der Wind ins Gesicht.

Bayerns Verbraucherschutzminister Marcel Huber (CSU) kritisiert die Filialschließungen in unserer Zeitung scharf: „Es ist bedauerlich, wenn Banken Filialen schließen und damit das Angebot ortsnaher Beratungsund Serviceleistungen einschränken“. Es gebe ein Bedürfnis nach einem persönlichen Kontakt mit einem kompetenten Ansprechpartner vor Ort. Auch der SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn sagte, die zunehmenden Filialschließungen seien „vor allem für ältere Menschen ohne Auto zunehmend eine Belastung“.

Durchwachsenes erstes Halbjahr

Der HypoVereinsbank bläst nach einem durchwachsenen Start ins Geschäftsjahr auch im zweiten Quartal scharfer Gegenwind ins Gesicht. In ihrem Kerngeschäft, dem Investmentbanking, stehen angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus vor Steuern gerade noch 63 Millionen Euro in den Büchern. Vor einem Jahr war dieser Wert noch fast fünfmal so hoch. Im weitaus kleineren Geschäft mit Privatkunden konnte die Bank ihr Vorsteuerergebnis mit 120 Millionen Euro annähernd halten. Die Belastungen aus dem Restrukturierungsprogramm werden sich nach Angaben des Finanzchefs Peter Hofbauer erst im zweiten Halbjahr in den Zahlen niederschlagen. Und auch sonst ist Hofbauer nicht allzu optimistisch: „Wir gehen weiterhin von einem makropolitisch schwierigen Umfeld aus“, sagte er. Entsprechend werde der Vorsteuergewinn am Ende des Jahres in jedem Fall unter dem des Vorjahres liegen, alles in allem aber „zufriedenstellend“ ausfallen.

Tobias Lill

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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