HVB-Chef Sprißler: Übernahme hat positive Energien freigesetzt

- München ­- Manager warfen reihenweise das Handtuch, die Gerüchte über die Einstellung des Deutschland-Geschäfts der HypoVereinsbank wollten nicht verstummen, und nun wird auch noch das Geschäft in Österreich und Osteuropa von der Konzernmutter Unicredit in Mailand kontrolliert. Die einst zweitgrößte deutsche Geschäftsbank wurde zur deutschen Filiale eines internationalen Geldkonzerns degradiert. Und doch gewinnt das neue Management unter HVB-Chef Wolfgang Sprißler der neuen Rolle mittlerweile erstaunlich viele gute Seiten ab.

"Durch den Zusammenschluss mit der Unicredit wurde positive Energie freigesetzt", sagt Sprißler. "Wir haben auf Offensive umgestellt." Immerhin brachte der Verkauf der Bank Austria für 12,5 Milliarden Euro (die HVB zahlte 2000 rund acht Milliarden Euro) viel Geld in die "Kriegskasse".

Davon ist ein Teil bereits für den Zukauf neuer Aktivitäten besstimmt: Über die Form der künftigen Anbindung des Investmentbankings des Unicredit-Konzerns an die HVB, das zu einem Kompetenzzentrum mit Sitz in München zusammengefasst wird, soll "noch in diesem Jahr entschieden" werden, so Sprißler. Dennoch bleibt genug Geld übrig, in Deutschland kräftig mitzumischen, wo die deutsche Bankenlandschaft sich verändert. "Die HVB ist die einzige Großbank in Deutschland mit zwei Regionen, in denen sie klarer Marktführer ist: Bayern und Hamburg.

Dazwischen haben wir noch Potenzial", sagt Sprißler. In der Vergangenheit versuchte die HVB vor allem international zuzukaufen. Nun muss das Wachstum durch Lückenschluss in Deutschland stattfinden. Wobei nicht nur Zukäufe in Fragen kommen. "Ich kann mir vorstellen, dass 10 bis 15 Filialen dazukommen", sagt Privatkunden-Vorstand Willibald Cernko. Cernko ist Vater des Willkommenskontos, mit dem die HypoVereinsbank die Wende bei den Privatkunden geschafft hat. Es sei gelungen, "50\x0f000 neue Hauptbankverbindungen zu gewinnen", sagt Cernko. "Trotz einer bei Banken üblichen Fluktuation von jährlich 5 bis 8 Prozent der Kunden verzeichnen wir netto wieder einen positiven Saldo bei der Kundenzahl."

Erstmals hat die HypoVereinsbank für das dritte Quartal ihr Zahlenwerk den Gepflogenheiten der Unicredit angepasst. Sie weichen von in Deutschland üblichen Standards ab. So belastet die Kreditrisikovorsorge ­ der die Bank in der Vergangenheit existenzbedrohende Milliardenverluste verdankte ­ nicht mehr das operative Ergebnis. Das erschwert die Vergleichbarkeit des Zahlenwerks mit der deutschen Konkurrenz.

Unabhängig von dieser Umstellung konnte die Bank nicht an die unerwarteten Erfolge im ersten Halbjahr anknüpfen. Das operative Ergebnis lag mit 593 Millionen Euro um 25,5 Prozent unter dem Wert des zweiten Quartals. Die beiden Vorquartale aber bilden ein solides Polster. Das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten 2006 liegt mit 1785 Millionen Euro um mehr als die Hälfte über den 1178 Millionen Euro des Vorjahres. Vor allem der Verkauf der Fonds-Tochter Activest für 533 Millionen schlägt aufs Ergebnis vor Steuern durch, das von 400 auf 1744 Millionen Euro stieg.

Da wegen des noch nicht vollzogenen Verkaufs ausländischer Aktivitäten an Unicredit noch ein Teil von deren Gewinn verbucht wird, steigerte sich der Konzerngewinn von 890 auf 2548 Millionen Euro. "Wir haben die Zielvorgaben klar übertroffen", sagt Wolfgang Sprißler "Ich bin durchaus optimistisch."

Die Konzernmutter hat auch aus anderem Grund durchaus Anlass zur Freude. Der Wert der von ihr vergleichsweise preiswert erworbenen Aktien legte von 28 Euro auf 34 Euro zu und ließ den Branchenindex "Prime Banks" klar hinter sich.

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