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Kunden der HypoVereinsbank müssen zum Teil bald längere Wege zurücklegen. 

Stellenabbau

„Die Strategie der HVB ist riskant“

München - Allein im Großraum München schließen bis 2015 dutzende HVB-Filialen. Doch die Schuld an der Misere des Geldinstituts sehen Experten nicht nur im Trend zum Online-Banking.

Für viele oberbayerische Kunden der HypoVereinsbank (HVB) dürfte der Weg zum Schalter oder Geldautomaten künftig weiter werden. Denn die vom Konzern bis 2015 geplanten Filialschließungen werden Arbeitnehmervertretern zufolge Oberbayern noch härter treffen als den restlichen Freistaat. Allein in der Landeshauptstadt sollen wie unsere Zeitung aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, wohl etwa 30 Filialen geschlossen werden. Und das, obwohl das HVB-Sparprogramm Verdi zufolge vor allem den ländlichen Raum treffen wird. Auch der „Bayerische Rundfunk“ teilte mit, „die meisten Schließungen dürfte es im Süden und hier vor allem im Ballungsraum München geben“.

Wie berichtet, sollen deutschlandweit fast 240 der noch rund 580 HVB-Standorte geschlossen oder zusammengelegt werden. Der Gewerkschaft Verdi zufolge sollen im Freistaat bis 2015 gut 1200 Stellen wegfallen. Etwa 190 der bundesweit knapp 240 Filialen des Geldinstituts, die geschlossen oder zusammengelegt werden sollen, liegen im Freistaat, so Verdi-Finanzexperte und HVB-Aufsichtsrat Klaus Grünewald.

Auch im Münchner Umland dürften in zahlreichen Orten deshalb schon bald die Lichter in den Hypovereinsbanken ausgehen. Die HVB selbst äußert sich bislang nicht zu den Verdi-Zahlen. Bevor das Unternehmen bekannt geben will, wo genau Standorte geschlossen werden, wollen die Verantwortlichen der Bank laut einem Sprecher zunächst das Gespräch mit den regionalen Betriebsräten suchen. Erst in einigen Wochen wird im Detail feststehen, welche Filialen geschlossen und welche modernisiert werden.

Hauptgrund für den Kahlschlag bei den Filialen ist der massive Trend zum Online-Banking. Die HVB hat aber auch mit anderen Problemen zu kämpfen – so versichern sich wegen der Niedrigzinspolitik der EZB zunehmend weniger Unternehmen gegen Zinsrisiken. Der Gewinn der Hypo war im ersten Halbjahr um 59 Prozent auf 334 Millionen Euro eingebrochen.

Das Filialnetz auszudünnen stößt jedoch (wie berichtet) nicht nur bei Gewerkschaftern und Politikern auf Kritik. Auch Branchenexperten sind skeptisch. Für Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre in Frankfurt, ist klar: „Die Strategie der HVB ist riskant.“ Sicher gebe es bei den bayerischen Filialen ein enormes Einsparpotenzial.

Doch die Schließung von Standorten in großer Zahl könne das Geldinstitut am Ende vor noch größere Probleme stellen. Denn wegen des noch dichten Filialnetzes in weiten Teilen des Freistaats werde die HypoVereinsbank von vielen Kunden trotz der Übernahme durch die UniCredit als bayerisches Geldinstitut wahrgenommen. „Und Regionalität ist bei den für die Bank lohnenden Anlageformen sehr wichtig.“

Kunden würden ihr Tagesgeldkonto problemlos sogar im Ausland anlegen. Bei lange laufenden Anlageformen sei aber der persönliche Kontakt mit dem Bankmitarbeiter unersetzbar. „Keiner schließt einen Bausparvertrag über das Internet ab“, ist Faust überzeugt. Die Wege zur nächsten Filiale dürften daher nicht zu lang sein. „Kunden könnten sonst zu regional ansässigen Sparkassen oder Volksbanken wechseln.“ 85 Prozent der HVB-Kunden sollen Bankangaben zufolge aber auch künftig nur maximal fünf Kilometer bis zur nächsten Filiale zurücklegen müssen.

Faust sieht eine Hauptursache für die Misere der Traditionsbank in der massiven Expansion des Geldhauses im vergangenen Jahrzehnt. Damals habe das Institut versucht, auch außerhalb Bayerns Fuß zu fassen. Doch der Aufbau eines Filialnetzes in anderen Bundesländern sowie die Zukäufe in Norddeutschland seien sehr teuer gewesen. Unter dem Strich habe die Expansion sehr viel Geld gekostet und sei nur „bedingt erfolgreich gewesen.“

Tobias Lill

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