HVB: Mit neuen Vorständen kommt alte Angst um Stellen

- München - Jetzt ist es offiziell: Die Hypovereinsbank denkt im maroden Deutschland-Geschäft strategisch um und erweitert den Vorstand. Firmen- und Privatkunden sind jetzt auch bei den Münchnern in getrennten Händen. Die heimische Belegschaft muss dagegen neuen Stellenabbau befürchten.

<P>Zur Sanierung ihres defizitären Inlandsgeschäfts baut die Münchner Hypovereinsbank (HVB) ihren Vorstand um. Der Problembereich wird künftig von den neu ins Führungsgremium berufenen Fachleuten Christine Licci und Johann Berger als Doppelspitze geleitet, teilte der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts nach einer mit Spannung erwarteten Sitzung mit. Der bisher für das Deutschland-Geschäft zuständige Michael Mendel übernimmt von seinem in den Aufsichtsrat wechselnden Kollegen Gerhard Randa die Zuständigkeit für die Bereiche Österreich und Osteuropa.<BR><BR>Die 40-jährige Licci war bis Mai diesen Jahres Deutschland-Chefin der Citibank und gilt als ausgesprochene Spezialistin für das Geschäft mit Privatkunden, während der 44-jährige Berger als Vorstandssprecher des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) ein Experte für Firmenkunden und Immobilien ist. Die Südtirolerin Licci wird ab Mitte Januar 2005 für die HVB arbeiten, der dem HVB-Vorgängerinstitut Vereinsbank entstammende Berger wechselt im April.<BR><BR>Die künftig getrennte Zuständigkeit für Privat- und Firmenkunden bedeutet einen Strategiewechsel für die HVB. Am Heimatmarkt besteht für die HVB akuter Handlungsbedarf, weil das Geschäft hier zu Lande seit Jahren schwächelt. Im dritten Quartal 2004 brachte das Geschäftsfeld Deutschland sogar 21 Millionen Euro Betriebsverlust. Die HVB musste danach ihre Gewinnprognosen für das Gesamtjahr nach unten schrauben. Die zweitgrößte Bank Deutschlands leidet vor allem unter steigender Risikovorsorge in Folge wackliger Immobilienkredite. Obwohl die HVB voriges Jahr zum Risikoabbau in speziell diesem Bereich die HRE mit einem viele Milliarden Euro schweren Immobilienpaket vom eigenen Konzern abgespaltet und an die Börse gebracht hat, beträgt das HVB-Kreditvolumen für Wohnhäuser und Gewerbebauten immer noch stolze 87 Milliarden Euro. Darum muss sich nun Berger kümmern, der schon bei der HRE marode Immobilienbestände saniert hat. Auch das Geschäft mit ihren hier zu Lande 3,5 Millionen Privatkunden gilt bei der HVB als sehr renditeschwach. Das soll Licci ändern.<BR><BR>Mit dem Umbau im HVB-Vorstand steigt die Anzahl der Mitglieder dieses Gremiums von sechs auf sieben. Das in den Etagen darunter arbeitende Personal muss sich dagegen auf Stellenabbau einstellen. Denn seit einigen Wochen prüft die Unternehmensberatung McKinsey für die Münchner Einsparmöglichkeiten, die bis Ende 2006 angeblich ein Volumen von 300 Millionen Euro erreichen sollen. Experten leiten daraus einen Abbau von bis zu 2500 Arbeitsplätzen ab, was vor allem das heimische Personal von noch gut 26 000 Frauen und Männern treffen dürfte. Erste Vorschläge zu dieser Sparrunde sollen ebenfalls bei der HVB-Aufsichtsratssitzung diskutiert worden sein. Dazu lehnte die Bank aber jeden Kommentar ab. Details zu dieser neuen Sparrunde sollen Anfang 2005 verkündet werden.<BR><BR>Der Schritt des 60-jährigen Randa, der Mitte Mai in den Aufsichtsrat wechselt, gilt als nicht ganz freiwillig. Der langjährige Chef der Bank Austria hatte zuletzt als BA-Aufsichtsratschef bei einem Streit um das Dienstrecht und damit das Lohnniveau bei der HVB-Tochter eine unglückliche Figur abgegeben.</P>

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