HVB: Signal für Fusionswelle?

- München - Die HypoVereinsbank hat Fusionsverhandlungen mit der italienischen Unicredito bestätigt, über eine Übernahme der Commerzbank wird wieder spekuliert. Experten glauben, dass ausländische Finanzriesen nun ihr Augenmerk verstärkt auf Deutschland richten könnten.

<P>Was monatelang Gerücht-Status hatte, ist nun offiziell: Die italienische Großbank Unicredito und die bayerische HypoVereinsbank befinden sich "im Gespräch über eine mögliche Zusammenführung ihrer Unternehmen", wie die Münchner mitteilten. De facto wäre ein solcher Schritt eine Übernahme der HVB durch die weit mächtigere Unicredito. Doch noch gibt es wohl keine Vereinbarungen. Der Ausgang der Gespräche sei offen.<BR><BR>Das Bankhaus Sal. Oppenheim, das die Wahrscheinlichkeit für eine bayerisch-italienische Fusion zuletzt auf 50 Prozent geschätzt hatte, glaubt, dass die Chance nun auf 60 Prozent gestiegen sei. Vehemente Gegner dieses Schrittes scheint es nicht zu geben. Die Münchener Rück, die 18,4 Prozent der HVB-Aktien besitzt, erklärte: "Wir haben schon seit zwei, drei Jahren gesagt, wenn es vernünftige Konsolidierungsbestrebungen gibt, stehen wir denen nicht im Weg." Die Gewerkschaft Verdi will, falls es mit der Übernahme ernst wird, möglichst schnell Verhandlungen mit dem Unicredito-Management aufnehmen, sagte HVB-Aufsichtsrat und Verdi-Mann Klaus Grünewald. "Uns wäre es lieber gewesen, die HypoVereinsbank bleibt eigenständig", erklärte er. Eine Übernahme durch die Italiener sei nicht die beste Lösung für die Bank. "Ob es eine schlechte Lösung ist, werden wir sehen." In Deutschland seien in den vergangenen Jahren bei der HypoVereinsbank bereits tausende von Arbeitsplätzen gestrichen worden. "Wir sind bereits am Anschlag." Die Unicredito werde sich daran gewöhnen müssen, dass beim deutschen Privatkundengeschäft nicht die Margen erzielt werden können, die die Italiener gewohnt seien. Für die Arbeitnehmervertreter ist eine Übernahme durch Unicredito aber auch nicht die schlechteste Lösung. <BR><BR>"Managementmäßig und für die Mitarbeiter wäre eine Fusion mit der Commerzbank eine blanke Katastrophe gewesen", sagte Grünewald. Bei einem innerdeutschen Zusammenschluss wäre der Druck, Arbeitsplätze abzubauen, deutlich größer gewesen.<BR><BR>Die Commerzbank steht nun selbst im Mittelpunkt von Übernahmegerüchten. "Manches andere europäische Institut wird sich Gedanken machen, wie es sich am attraktiven deutschen Markt beteiligen kann", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" denken Deutsche Bank, Royal Bank of Scotland, BNP Paribas und Socié´té´ Gé´né´rale über Angebote für die Frankfurter Großbank nach.<BR><BR>Nach Ansicht des Bankenexperten Wolfgang Gerke könnten die Fusionsverhandlungen zwischen HVB und Unicredito ein Signal für eine weitere Bereinigung der Bankenlandschaft in Deutschland sein. Der deutsche Markt sei für internationale Großbanken weiterhin attraktiv. Dazu komme, dass die deutschen Banken börsenmäßig unterbewertet seien. Die HypoVereinsbank sei durch Managementfehler zum Aufkaufkandidaten geworden, sagte der Lehrstuhlinhaber für Banken- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das Zusammengehen mit Unicredito sei auf europäischer Ebene sinnvoll. Die Chance der HVB liege darin, dass sie ihre Umstrukturierung nun unter noch mehr Zwang durchführen müsse. "Die Italiener sind bekannt dafür, dass sie nicht lange fackeln." Gerke erwartet, dass Unicredito im Falle einer mehrheitlichen Übernahme eine "kostenorientierte, aggressive Strategie" fahren werde.</P>

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