HVB: Würde Übernahme Bayerns Wirtschaft schwächen?

- München - Schon Ende nächster Woche könnte die Übernahme der HypoVereinsbank besiegelt sein. Die Münchner und die italienische Großbank Unicredito wollen angeblich bis dahin zu einer Einigung kommen. Ein Unsicherheitsfaktor könnten Bedenken der bayerischen Staatsregierung gegen den Milliarden-Deal sein.

<P>Für den Finanzplatz München spielt die HypoVereinsbank als zweitgrößte Privatbank in Deutschland eine wichtige Rolle. Und auch über die Branche hinaus ist das Institut von Bedeutung für die bayerische Wirtschaft - zum Beispiel als großer Kreditgeber. Und diese Funktion könnte verloren gehen, wenn die wichtigsten Entscheidungen künftig nicht mehr in München, sondern in Norditalien bei Unicredito fallen. Das befürchtet man offenbar in der Bayerischen Staatskanzlei und im Wirtschaftsministerium. Offiziell äußern sich beide Stellen nicht zu den Verhandlungen zwischen HVB und Unicredito. Doch aus regierungsnahen Kreisen war Medienberichten zufolge zu erfahren, dass die Verhandlungen mit "einer gehörigen Portion Skepsis" verfolgt würden.<BR><BR>Der geschäftsführende Vorstand des Bayerischen Bankenverbandes, Günther Picker, glaubt nicht an eine Verschlechterung für den Finanzplatz im Fall einer Fusion von HVB und Unicredito. "Man würde der europäischen Bankenkonsolidierung zeitig Rechnung tragen und sich so stärken", erklärte er.<BR><BR>Der Bankenexperte Wolfgang Gerke befürchtet dagegen negative Konsequenzen. "Die Bedenken sind gerechtfertigt. Das muss man leider sagen", erklärte der Professor für Banken- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg gegenüber dieser Zeitung. Für den Fall, dass es zur Übernahme der HVB käme, sei dies für den bayerischen Finanzplatz "eine schlechte Wendung", sagte Gerke. "Ich gehe dann von weiterem Personalabbau aus und davon, dass zum Beispiel auch Kredite stärker hinterfragt werden." Unicredito werde auf die Rendite schauen. "Vielleicht wird man in Italien sensibler vorgehen, aber eine Bindung an die bayerische Politik ist nicht zu erwarten."<BR><BR>Doch dürfte die Staatsregierung kaum in der Lage sein, eine Übernahme der HVB zu verhindern. "Es gibt wenig Möglichkeiten der Intervention, die Sinn machen", erklärt Gerke. Der Freistaat hält über die Bayerische Landesstiftung und die Bayerische Forschungsstiftung etwa 3,7 Prozent der HVB-Anteile - kaum genug, um Druck auszuüben. Allerdings blieben andere Wege der Einflussnahme, heißt es in Branchenkreisen: "Der Staat kann überall Sand ins Getriebe streuen. Wenn man einen anruft und ihn bittet, das langsamer zu bearbeiten, kann das schon viel schaden."<BR><BR>Unicredito scheint unterdessen sein Angebot zu konkretisieren. Laut der italienischen Zeitung "La Repubblica" wolle das Institut fünf eigene Aktien pro HVB-Anteil bieten. Das entspräche einem Wert von 22 Euro je Papier oder insgesamt 16,5 Milliarden Euro. Gestern lag der HVB-Kurs im Tagesverlauf knapp unter 20 Euro. Um Probleme mit EU-Aufsichtsbehörden zu vermeiden, könne die französische Großbank BNP Paribas nach Abschluss der Übernahme Zweigstellen der HypoVereinsbank kaufen.<BR></P>

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