HVB-Aufsichtsrat stimmt Übernahme zu

- Mailand/München - Der Weg für die milliardenschwere Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische UniCredito ist frei. Der Aufsichtsrat der HypoVereinsbank empfahl seinen Aktionären am Sonntag nach ganztägiger Debatte, das Übernahmeangebot der Italiener anzunehmen. "Das ist ein bedeutender Tag in der Geschichte unseres Hauses", sagte HVB-Chef Dieter Rampl am Sonntagabend in München. Auch der Aufsichtsrat von UniCredito stimmte zu.

<P>Die Italiener bieten für die HVB gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Im Rahmen des Zusammenschlusses sollen 9200 Arbeitsplätze gestrichen werden, der Großteil davon in Osteuropa.<BR><BR>Auch in Deutschland ist laut Aufsichtsratsmitglied Klaus Grünewald (ver.di) eine voraussichtlich vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen bedroht. UniCredito habe aber zugesagt, für drei Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Die Italiener gaben zudem eine Bestandsgarantie für das Deutschlandgeschäft über fünf Jahre. Diese Zusage kann aber theoretisch bei einer großen Mehrheit im UniCredito-Aufsichtsrat, bei der auch HVB-Vertreter zustimmen müssen, abgeändert werden.<BR><BR>Die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa soll im Oktober abgeschlossen werden. "Wir werden durch die Bündelung unserer Kräfte die erste wahre europäische Bank sein", sagte UniCredito-Chef Alessandro Profumo laut Mitteilung. Die beiden Banken erhoffen sich von dem Zusammenschluss jährliche Kosteneinsparungen vor Steuern von knapp einer Milliarde Euro.<BR><BR>Die Aufsichtsräte der beiden Banken hatten den ganzen Sonntag über getagt. Zuvor hatten die beiden Banken als letzten kritischen Punkt den Übernahmepreis ausgehandelt. UniCredito bietet den HypoVereinsbank-Aktionären fünf eigene Aktien je HVB-Anteilsschein. Auf Basis der Schlusskurse vom Freitag entspricht dies einer Bewertung von etwa 20,50 Euro je HVB-Aktie oder insgesamt 15,1 Milliarden Euro.<BR><BR>Bei dem Zusammenschluss handelt es sich um eine Übernahme der HVB durch UniCredito. Allerdings sollen die Münchner fünf von elf Vorstandsmitgliedern der neuen UniCredito-Gruppe stellen. Mit an Bord sind bei der neuen Großbank die bisherigen HVB-Manager Stefan Jentzsch (Investmentbanking), Michael Kemmer (Risikokontrolle) und Erich Hampel (Osteuropa). Zudem sollen die Münchner einen Integrationsvorstand und den Verantwortlichen für das Geschäft mit Firmenkunden stellen. HVB-Chef Dieter Rampl wird als Präsident den UniCredito-Aufsichtsrat führen. Vorstandschef bleibt Alessandro Profumo.<BR><BR>Durch den Zusammenschluss entsteht die nach Börsenwert neuntgrößte Bank Europas. Gemeinsam kommen HypoVereinsbank und UniCredito auf eine Bilanzsumme von 730 Milliarden Euro und 126 000 Beschäftigte.<BR>In den Aufsichtsräten gab es offenbar keinen größeren Widerstand gegen den Zusammenschluss und die Bewertung. In den vergangenen Tagen war bereits über ein Umtauschverhältnis von 5:1 spekuliert worden. Allerdings war der Aktienkurs von UniCredito zuletzt gefallen, so dass auch eine Aufstockung oder eine zusätzliche Barkomponente für möglich gehalten wurde.<BR><BR>Mit einem feindlichen Übernahmeangebot für die HypoVereinsbank durch eine dritte Bank wird derzeit in Finanzkreisen nicht gerechnet. "Die Spekulationen sind nicht sehr stichhaltig." Zwar sei es theoretisch durchaus denkbar, dass in den kommenden Monaten ein Konkurrent eine höhere Offerte vorlege. Allerdings müsste dieser ohne eine genaue Prüfung der Bücher (Due Dilligence) bieten. Dies gilt als unwahrscheinlich. Der Vorstand der HypoVereinsbank steht geschlossen hinter der Fusion mit UniCredito. Die Bank nennt sich inzwischen auch kurz Unicredit.<BR><BR>Der deutsche Bankenverband bewertete die Übernahme dagegen positiv. "Im gemeinsamen europäischen Finanzmarkt ist es nur konsequent, wenn es auch eine Zusammenarbeit oder Übernahmen von Banken über die nationalen Grenzen hinweg gibt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Manfred Weber, der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe).</P>

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