HVB-Aufsichtsratchef zurückgetreten

- München - Albrecht Schmidt hat seinen letzten großen Kampf verloren. Der 67-jährige, der einmal als Deutschlands aggressivster Banker galt, sträubte sich als Aufsichtsratschef bis zuletzt gegen die Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische UniCredit. "Er hat sich auf einen einsamen Kampf eingelassen", sagt ein Weggefährte. Selbst Arbeitnehmervertreter kritisierten den Widerstand des früheren HVB-Vorstandssprechers scharf, und UniCredit konnte trotz des Sperrfeuers aus dem Aufsichtsrat mehr als 80 Prozent der HVB-Aktien einsammeln.

Schmidt zog nun die Konsequenzen und erklärte seinen Rücktritt. Die Italiener übernehmen die Macht bei der HypoVereinsbank. Gemeinsam mit Schmidt werden sieben weitere Aufsichtsräte auf Wunsch von UniCredit den Aufsichtsrat verlassen.

Albrecht Schmidt hat die HypoVereinsbank groß gemacht, ihr aber auch die Probleme beschert, die zum Verlust ihrer Unabhängigkeit führten. "Die alte Vereinsbank vor Schmidt war eine Klitsche, die keiner gekannt hat", sagt ein Branchenkenner. Als der gebürtige Leipziger 1990 überraschend an die Spitze berufen wurde, räumte er bei dem als träge geltenden Institut mit harter Hand auf. Durch die Fusion mit der Hypo-Bank schuf Schmidt 1998 die zweitgrößte deutsche Privatkundenbank und verhinderte eine Übernahme durch die Deutsche Bank. In der folgenden Auseinandersetzung mit der alten Hypo-Riege um milliardenschwere Immobilien-Altlasten setzte sich Schmidt ebenfalls als Sieger durch. Spätestens mit Übernahme der Bank Austria wurde die einstige Regionalbank zu einem europaweiten Spieler in der Branche. "Der Kauf der Bank Austria war sicher eine geniale Geschichte", sagt ein Aufsichtsrat, der Schmidt kritisch gegenüber steht.

Allerdings hinterließ Schmidt seinem Nachfolger Dieter Rampl Anfang 2003 einen Berg von Problemen. Milliardenschwere Immobilienaltlasten brachten die Bank in eine existenzielle Krise, die letztlich zum Ende der Eigenständigkeit führte. Zwar räumte Rampl kräftig auf. "Ja, wir haben es in einem wahren Husarenritt geschafft, den Turnaround hinzulegen", schrieb Rampl in einem Brief an seine Mitarbeiter. Auch danach war die Bank aber nach seiner Einschätzung wohl zu schwach, um sicher auf eigenen Beinen stehen zu können. Eine Erkenntnis, die ihm sein Vorgänger Schmidt verübelte. Er habe wohl Fehler bei der Auswahl des Managements gemacht, sagte Schmidt kürzlich und nicht wenige werteten dies als Spitze gegen seinen Nachfolger Rampl. "Schmidt kann sich nicht als Lichtgestalt hinstellen und alle anderen haben die Fehler gemacht", sagt ein anderer Aufsichtsrat. "Er ist Bestandteil des Problems."

Als Rampl gemeinsam mit UniCredit-Chef Alessandro Profumo die Fusion der beiden Institute einfädelte, sah Schmidt sein Lebenswerk bedroht. Er stimmte im Aufsichtsrat gegen die Fusion und kündigte an, seine eigenen HVB-Aktien nicht zu tauschen. Für seinen hartnäckigen Widerstand musste er viel Kritik einstecken. Es sei unerträglich, dass Zusagen beider Banken zur Arbeitsplatzsicherheit aus dem Aufsichtsrat in Frage gestellt würden, kritisierte der Gesamtbetriebsrat öffentlich. "Wir verbitten uns die vermeintliche Solidarität und die vorgetäuschte Sorge von Seiten derer, die sich nie durch besondere Berücksichtigung von Mitarbeiterinteressen ausgezeichnet haben und mit ihren öffentlichen Äußerungen nur Verunsicherung schüren wollen." Die Angriffe hinterließen bei Schmidt Wunden. "Das hat ihm wehgetan", meint ein Weggefährte.

Auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch trennten sich die Wege nun eher friedlich. Schmidt erklärte noch einmal, dass er zwar für eine Konsolidierung auf europäischer Ebene sei, aber nicht einverstanden mit den Konditionen. Der Banker hatte immer von einer Übernahme einer italienischen Bank durch die HVB geträumt - nun kam es umgekehrt. Schmutzige Wäsche wurde aber nicht mehr gewaschen, berichtet ein Aufsichtsrat. "Er ist mit Würde gegangen."

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