HVB-Führungsstreit: "Kindergartennummer"

- München - Im Aufsichtsrat der HypoVereinsbank wächst der Unmut über den Streit um die künftige Führung der Bank. "Die sollten die Kindergarten-Nummer einstellen, wer jetzt im nächsten Jahr Klassensprecher wird", sagte Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. Der künftige Vorstandssprecher könne erst im Oktober bestimmt werden, wenn die Übernahme der HVB durch die italienische Unicredit klappen sollte.

Auch Aufsichtsrat Hanns-Peter Kreuser vom Deutschen Bankangestellten-Verband meinte: "Die Diskussion ist überflüssig wie ein Kropf." Dem Vernehmen nach waren die jüngsten Querelen auch Thema auf einer Vorstandssitzung. Personelle Konsequenzen wurden nicht verkündet. Die Bank ist um Schadensbegrenzung bemüht.

Bei der HVB ist derzeit offen, wer neuer Vorstandschef wird, wenn Dieter Rampl nach der geplanten Fusion an die Spitze des Unicredit-Aufsichtsrats wechselt. Favoritin ist derzeit Christine Licci, die das deutsche Privatkundengeschäft führt. Sie hatte allerdings Ende vergangener Woche für Irritationen in der Bank gesorgt, als sie in einer E-Mail an ihre Mitarbeiter kritisierte, die Ergebnisse des Deutschlandgeschäfts seien bei der Präsentation der Quartalszahlen zu schlecht dargestellt worden. Hoffnungen auf den Chefposten kann sich auch noch Firmenkunden-Vorstand Johann Berger machen. Nach Einschätzung in Unternehmenskreisen könnten Berger beziehungsweise Licci den Konzern verlassen, wenn der jeweils andere an die Spitze aufrückt.

Die umstrittene E-Mail war am Dienstag dem Vernehmen nach auch Thema auf der turnusgemäßen Vorstandssitzung der HypoVereinsbank. Dabei erläuterte Licci laut Branchenkreisen noch einmal ihre Motive. Durch den Fehler in einer Präsentation seien die Fortschritte in Deutschland nicht ausreichend dargestellt worden, daher habe sie zur Motivation ihrer Mitarbeiter in der E-Mail darauf hingewiesen. Finanzvorstand Wolfgang Sprissler hatte verschnupft auf die Kritik reagiert.

Ob Licci oder Berger nach der Fusion an die Spitze rücken, lässt der Konzern weiter offen. Der künftige Vorstandschef könne jetzt noch gar nicht bestimmt werden, sagte Aufsichtsrat Kreuser. "Die Strukturen nach der Fusion stehen noch gar nicht fest."

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