HVB-Übernahme sorgt für Fantasie

- München/Frankfurt - Nach dem Wirbel um die Deutsche Börse schürt die Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch die italienische Konkurrenz erneut Ängste um den Finanzplatz Deutschland. Schon ist wieder von einem "schwarzen Tag für Deutschland" die Rede, die Sorge um einen Ausverkauf namhafter Unternehmen bekommt neue Nahrung. Bankexperten beschwichtigen: Zwar seien weitere Übernahmen etwa der Commerzbank - in der deutschen Bankenlandschaft mittelfristig möglich. Doch werde Europas größte Volkswirtschaft kaum Probleme bekommen.

"Die HVB-Übernahme war das Startsignal für eine Öffnung Deutschlands gegenüber ausländischen Banken", sagt der Frankfurter Finanzwirtschaftler Jan Pieter Krahnen. "Es kann für den Finanzplatz Deutschland nur erfrischend sein, dass gewachsene Abhängigkeiten aus Jahrzehnten der Deutschland AG aufgebrochen werden." Er plädiert für die Abkehr vom Drei-Säulen-System. Doch der Professor mahnt: "Wir brauchen mindestens eine Großbank, die in Deutschland ihren Sitz hat, um das Knowhow hier zu halten."<BR><BR>Zunächst jedoch werden Übernahmespekulationen angeheizt. Kaum war der Zusammenschluss von HVB und Unicredit beschlossene Sache, wurde einmal mehr die Commerzbank als nächster Fusionskandidat gehandelt. Offiziell kommentiert Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank, die seit Anfang der 90er Jahre als latenter Übernahmekandidat gilt, entsprechende Berichte nicht.<BR><BR>Branchenkenner mahnen die Commerzbank, sich bald zu positionieren, um bei der fortschreitenden europäischen Konsolidierung nicht ebenfalls als Juniorpartner zu enden. Auch der Primus Deutsche Bank macht sich - offenbar getrieben von der HVB-Fusion wieder Gedanken über seine Stellung in Europa. Vorstandssprecher Josef Ackermann bekräftigte im "Handelsblatt" die Strategie, organisches Wachstum durch Zukäufe zu stützen: "Wir sind bereit, in allen Märkten, in denen wir schon vertreten sind, und auch in neuen Märkten Banken zu übernehmen, etwa in den potenzialstarken Schwellenländern." Ackermann signalisierte weiter Interesse an der im Geschäft mit Kleinkunden starken Postbank. Im vergangenen Jahr sei die Transaktion gescheitert, weil die Pläne zu früh öffentlich wurden. Strategisch wäre der Kauf der Postbank aber eine gute Option gewesen. Die Deutsche Post indes bekräftigte promt, dass sie als Eigentümer an der Postbank festhalte. <BR><BR>Marktbeobachter halten Zukäufe der Deutschen Bank für überfällig. Deutschlands größtes Geldinstitut müsse handeln, um nicht im Wettlauf der Großen von der Konkurrenz abgehängt zu werden.<BR><BR>"Es ist durchaus vorstellbar, dass es in Deutschland in wenigen Jahren keine private Großbank mehr gibt - das wäre aber auch nicht der Weltuntergang", sagt Konrad Becker, Analyst bei der Münchner Privatbank Merck Finck.<BR><BR>Ackermann signalisiert wieder aufkeimendes Interesse an Postbank <P>Zwar falle es mit einer nationalen Großbank im Rücken "einer industriell geprägten Volkswirtschaft wie der deutschen tendenziell leichter, Großprojekte anzuschieben". Doch auch bei ausländischen Banken sieht Becker "in 99,9 Prozent der Fälle" kein Problem. Die Übernahme der HVB durch die italienische Unicredit sei keineswegs der Anfang vom Ende des Finanzplatzes Deutschland, betont Becker.<BR><BR>Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, bekräftigt: "Wir haben keinen Ausverkauf; in einem europäischen Finanzmarkt ist es nur folgerichtig, wenn Institute auch über die Landesgrenzen hinweg fusionieren." <BR><BR></P><P> </P><P><BR> </P>

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