HVB-Übernahme: Unruhe wächst

- München - Kurz vor Toresschluss wächst bei der HypoVereinsbank noch einmal die Unruhe. Zwei Wochen noch läuft das Übernahmeangebot der italienischen Unicredit. Die Gegner des Zusammenschlusses versuchen in letzter Minute noch einmal Stimmung zu machen gegen den Milliardendeal. "Die Kritiker wollen den Zusammenschluss torpedieren, es wird langsam unerträglich", sagte Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. Die Kampagnen schadeten der Belegschaft und verunsicherten die Kunden. Der Gesamtbetriebsrat verbat sich in einem offenen Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden Albrecht Schmidt weiteres Störfeuer und forderte Schmidt indirekt zum Rücktritt auf.

Unicredit bietet fünf eigene Aktien für einen HVB-Anteilsschein. Bis zum 10. Oktober können die HVB-Aktionäre das Tauschangebot annehmen, die Frist kann auch noch einmal um zwei Wochen verlängert werden. Bisher haben erst etwa zwei bis drei Prozent getauscht. "Das ist aber absolut normal, die institutionellen Anleger kommen immer erst in den letzten Tagen", heißt es in Finanzkreisen. Zuversicht herrscht bei der HypoVereinsbank vor allem auch, weil der Großaktionär Münchener Rück seine Aktien tauschen will. Erst am Mittwoch betonte der Rückversicherer, wegen der Hurrikane in den USA könne das Gewinnziel 2005 nur erreicht werden, wenn die Übernahme der HVB glatt über die Bühne gehe. In diesem Fall kann die Münchener Rück einen Buchgewinn in dreistelliger Millionenhöhe einstreichen.

Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt hatte bis zuletzt gegen die Übernahme durch Unicredit gekämpft. In dem Brief des Gesamtbetriebsrats an Schmidt hieß es nun: "Alle Betriebsräte stellen eine Verunsicherung der Mitarbeiter fest. Sie verurteilen einmütig, dass diese Verunsicherung angesichts verschiedener öffentlich gewordener Äußerungen aus dem Kreis der Aufsichtsräte unnötig gewachsen ist." Es sei unerträglich, dass Zusagen beider Banken zur Arbeitsplatzsicherheit aus den Aufsichtsratsgremien heraus in Frage gestellt würden. "Wir verbitten uns die vermeintliche Solidarität und die vorgetäuschte Sorge von Seiten derer, die sich nie durch besondere Berücksichtigung von Mitarbeiterinteressen ausgezeichnet haben und mit ihren öffentlichen Äußerungen nur Verunsicherung schüren wollen." Wer die beschlossene Strategie der Bank nicht mittragen wolle, solle persönliche Konsequenzen ziehen.

Die Kritiker der Übernahme argumentieren zum einen, dass die Höhe der Offerte teilweise in der unteren Hälfte von Wertgutachten liege. Unicredit müsse mehr für die HVB zahlen als gut 16 Milliarden Euro. Zudem verweisen sie darauf, dass eine Zerschlagung der HypoVereinsbank möglich ist, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Die Betriebsräte und Aufsichtsrat Grünewald verweisen dagegen darauf, dass die Bank ohnehin ihre Hausaufgaben machen müsse und es Garantien für alle Zeiten nie gibt. "Wir alle wissen, dass es vom Erfolg der Bank abhängt, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern", heißt es in dem offenen Brief.

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