Hybridantrieb: Deutsche Industrie beginnt Aufholjagd auf Japaner

- Frankfurt - Hurrikan "Katrina" und die Explosion der Spritpreise machen es möglich: Auf einmal ist die Hybridtechnologie in der deutschen Autoindustrie ein heißes Thema. Jahrelang haben die dieselverliebten Hersteller bei Entwicklung und Marketing der spritsparenden Technik, die Verbrennungsmotor mit Elektromotor verbindet, der Konkurrenz aus Japan den Vortritt gelassen. Die Deutschen melden sich zurück und nutzen die IAA, um verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Volkswagen, Porsche und Audi haben dazu ein Bündnis geschmiedet. Die Führung bei der Entwicklung des neuen Hybrids übernehmen die Ingolstädter. Bereits in der vergangenen Woche war BMW der Allianz vom Erzrivalen Daimler-Chrysler und General Motors zur Entwicklung eines Hybridantriebs beigetreten. Und auch die großen deutschen Zulieferer ZF und Continental vereinbarten eine Zusammenarbeit für die Hybridfahrzeug-Technologie.

Aller Betriebsamkeit zum Trotz: Die Japaner haben nach Ansicht von Branchenexperten mehrere Jahre Vorsprung. In den USA, dem Land der Spritfresser, ist der 1997 eingeführte Toyota Prius ein Kultauto, mit dem sich umweltbewusste Promis und Normalbürger schmücken. Auf das erste deutsche Hybridauto wird man noch rund zwei Jahre warten müssen. Wie beim Rußpartikelfilter scheint es, als fahre die deutsche Industrie hinterher.

Über den Spareffekt lässt sich streiten. Skeptiker verweisen auf einen Test von "Consumer Report", wonach ein Honda Accord Hybrid auf 100 Kilometer gerade 0,8 Liter weniger schluckt als sein benzingetriebener Artgenosse.

Willi Diez vom Institut für Automobil-Wirtschaft bescheinigt dem Hybrid-Antrieb wenig Zukunftschancen. "Der Hybrid-Antrieb hat gegenüber einem guten Diesel keinen echten Verbrauchsvorteil. In Europa werden Hybrid-Autos ein Nischenangebot bleiben." Diez sieht die Zukunft im Diesel, vor allem, wenn dieser mit Partikelfilter ausgerüstet sei. "Damit wird sich das leidige Umweltthema um den Diesel erledigen."

Doch vieles spricht für einen Siegeszug des Hybrids. So rechnet eine Studie von Pricewaterhouse-Coopers bereits für 2010 weltweit mit 74 Modellen und einer Gesamtverkaufszahl von rund einer Million Hybridfahrzeugen. Noch sei Japan dominierend, doch europäische und nordamerikanische Hersteller hätten zur Aufholjagd angesetzt.

Auf der IAA jedenfalls sind so viele Hybridautos und -studien zu sehen wie nie zuvor. Doch einen wirklichen Meilenstein wird nach Ansicht von Fachleuten erst die nächste Generation der alternativen Antriebskonzepte setzen: die Brennzelle, die den Elektromotor mit Wasserstoff antreibt und nur Wasserdampf aus dem Auspuff in die Umwelt freisetzt. Auch hierzu laufen Studien und Versuche. Allerdings tauchen in den Belastungstests immer wieder Probleme auf, zudem ist die Technik sehr teuer.

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