Hyperschall: Wird wieder deutscher Technologie-Vorsprung verspielt?

- München - Die Eigenheimzulage wird gestrichen und dafür Geld in die Forschung fließen. So soll nach Regierungsplänen ein Milliardensegen Deutschlands Zukunft sichern. Oft sind es aber vergleichsweise kleine Beträge, die einen Technologie-Vorsprung sichern könnten. Diesen hat Deutschland derzeit bei Hyperschall-Lenkflugkörpern - und droht ihn aus Geldmangel zu verspielen. Betroffen sind Arbeitsplätze vor allem in der Region München.

<P>So hat die Unterschleißheimer Geschäftseinheit Lenkflugkörper (LFK) beim Rüstungskonzern EADS einen Weltrekord eingeflogen. Ein Hyperschall-Lenkflugkörper erreichte bei einem Versuchsflug die siebenfache Schallgeschwindigkeit (mit Mach 7 könnte man in sechs Minuten von München aus Hamburg erreichen). Das ist die Geschwindigkeit, die US-Entwickler mit der von Deutschland bereits aufgegebenen Staustrahltriebwerks-Technologie erreichten (wir berichteten). <BR><BR>"Forschung garantiert den Zugang zu Fähigkeiten, die morgen auch sicherheitspolitische Dimensionen erlangen werden."<BR>Werner Kaltenegger, Geschäftsführer der Lenkflugkörpersysteme GmbH</P><P>Doch den Amerikanern gelang das nur in großer Höhe. "Wir sind in Bodennähe Mach 7 geflogen", sagt LFK-Chef Werner Kaltenegger. Nach 14 Tausendstelsekunden haben 23 Tonnen Schub den Testflugkörper die 100-Stundenkilometer-Marke durchbrechen lassen.<BR><BR>Weniger als zwei Millionen Euro im Jahr hat das Verteidigungsministerium sieben Jahre lang für das Hyperschall-Programm locker gemacht. 2004 fließt nichts mehr. Dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem andere Länder zur Aufholjagd ansetzen. Schweden und die USA bringen entsprechende Programme auf den Weg.<BR><BR>Dabei sind die Mittel keineswegs verloren. "Exporterlöse führen zur Rückführung staatlicher Entwicklungskosten", sagt Kaltenegger.<BR><BR>EADS-Lenkflugkörper arbeitet derzeit an drei weiteren exportfähigen Projekten - alles noch Zitterpartien bisher ohne gesicherten Produktionsauftrag.<BR> So ist man mit amerikanischen und italienischen Partnern an MEADS beteiligt, dem derzeit bedeutendsten transatlantischen Rüstungs-Programm. Das Abwehr-System für Flugkörper aller Art soll deutlich wirksamer sein als die Patriot-Raketen - einem der Export-Schlager der US-Rüstungsindustrie. Allein bei EADS-Deutschland könnte MEADS 200 High-Tech-Arbeitsplätze sichern. "Wir hoffen auf einen Auftrag 2004", sagt Kaltenegger.<BR><BR> Um 79 Jobs geht es bei Pars, der Hauptbewaffnung des neuen Kampfhubschraubers Tiger 90. Die Intelligenz der Rakete erhöht die Sicherheit für die Besatzung. Sie merkt sich ein Ziel. Sobald dies markiert ist, kann der Pilot mit dem Hubschrauber wieder in Deckung gehen und dann erst feuern. Doch mit Aufträgen ziert sich Berlin - noch.<BR><BR> Noch weiter ist Taurus, ein Flugkörper für den Eurofighter und andere Kampfflugzeuge. Tests in Südafrika waren erfolgreich - auch wenn von einem Absturz die Rede war, wie Kaltenegger sagt. Taurus stürzte tatsächlich ab, aber wie geplant: Nachdem sie drei Kilometer neben der programmierten Flugbahn abgesetzt wurde, fand die Rakete selbst den richtigen Flugpfad und durchdrang 20 Minuten später in 350 Kilometer Entfernung 3 Meter dicke Betonmauern - exakt in der Mitte des anvisierten Bunkers.<BR><BR>Mit allen drei Programmen kann die Unterschleißheimer High-Tech-Schmiede im Wettbewerb mithalten. Auch die betriebswirtschaftlichen Hausaufgaben hat das einstige EADS-Sorgenkind gemacht: "Wir haben die Strukturkosten um die Hälfte reduziert", sagt LKF-Chef Kaltenegger, "und im letzten Jahr die schwarze Null erreicht. Wir brauchen jetzt die Aufträge vom Bund."<BR><BR></P>

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