Prozess am Wiener Handelsgericht

Hypo Alpe Adria: Krise schon vor BayernLB-Kauf

Wien - Die Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hatte schon vor dem Kauf und Wiederverkauf durch die Bayerische Landesbank erhebliche Geldprobleme, wie ihr Ex-Chef Tilo Berlin bekannte.

Die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hatte nach den Worten des früheren HGAA-Chefs Tilo Berlin schon vor der Finanzkrise erhebliche Geldprobleme. „Wir wussten, dass die Bank ganz generell ein Problem der Unterkapitalisierung hatte“, sagte Berlin am Dienstag als Zeuge vor dem Handelsgericht Wien.

Vor dem Handelsgericht Wien geht es in einem Zivilprozess um die Rolle der Mitarbeiterstiftung der Hypo Alpe Adria (MAPS). Das Verfahren gilt nur als Auftakt zu gegebenenfalls höheren Forderungen der BayernLB gegen andere Alteigner der Hypo.

 „Das war ein Thema schon als wir gekauft haben.“ Und: „Ich wusste, dass es eine große Position von künstlichem Eigenkapital gab.“

Der 54-Jährige hatte mit seiner Firma für Vermögensanlagen 2006 wesentliche Teile der späteren Krisenbank erworben. Zum Einstieg der BayernLB 2007, die sich beim Kauf betrogen fühlt und auf Rückabwicklung des Deals klagt, sagte er: „Das, was die BayernLB gesucht hat, waren Märkte, Kunden, Marktanteile.“

Berlin: BayernLB drängte auf den südosteuropäischen Markt

Das Interesse der BayernLB habe im Zusammenhang mit ihrem Scheitern bei der Übernahme der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag gestanden. Der Einstieg bei der Hypo Alpe Adria sei wichtiger Teil der Münchner Südosteuropa-Strategie gewesen. Alle Landesbanken hätten in dieser Zeit ins direkte Kundengeschäft gedrängt, sagte Berlin. Für die Bayern, die nicht im eigenen Bundesland als Konkurrent zu den Sparkassen hätten auftreten wollen, sei eine Bank in Österreich interessant gewesen.

Ihm selbst habe diese Entwicklung zunächst gar nicht gepasst, betonte Berlin. Seine Firma, die für 650 Millionen Euro 25 Prozent erworben hatte, sei ursprünglich von einem möglichen Börsengang der Bank ausgegangen. Auf Drängen der Bayern, zu denen er jahrelange gute Kontakte gehabt habe, habe er dann selbst den Vorstandsvorsitz der Hypo übernommen.

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am schlimmsten getroffen

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Die BayernLB fühlt sich wegen aus ihrer Sicht mangelhafter Auskünfte durch die Hypo Alpe Adria arglistig getäuscht. So sei ihr ein Schaden von 3,7 Milliarden Euro entstanden. Die ehemalige Kärtner Landesbank wurde nach nur zwei Jahren 2009 zu einem symbolischen Preis an Österreich verkauft, notverstaatlicht und ist wegen gewaltiger Verluste auf dem Balkan auch für den österreichischen Steuerzahler ein Milliardengrab.

dpa

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