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Schon wieder auf Hilfe angewiesen: Die Münchner Hypo Real Estate benötigt zum vierten Mal staatliche Stütze.

Hypo Real Estate

An der Verstaatlichung führt kaum ein Weg vorbei

München - Der Finanzbedarf der Hypo Real Estate eskaliert. Die Rede ist von einer weiteren zweistelligen Milliardensumme und de facto der Verstaatlichung der Bank.

Der Münchner Baufinanzierer Hypo Real Estate (HRE) steht vor seiner vierten Rettung durch den Staat. Der neu aufgelaufene Kapitalbedarf summiere sich auf minimal zehn Milliarden Euro, hat die Nachrichtenagentur Reuters aus informierten Kreisen erfahren. Eine vollständige oder zumindest mehrheitliche Verstaatlichung des Instituts scheint dabei mittlerweile unausweichlich. Der Bankenrettungsfonds Soffin und die Bank selbst schweigen hartnäckig.

HRE-Chef Axel Wieandt hatte zuletzt beim Soffin "erheblichen Kapitalbedarf" angemeldet und auch vor hohen Verlusten im noch nicht bilanzierten Schlussquartal 2008 gewarnt. Zweimal mussten die Münchner die vorigen Herbst erstmals gewährte Hilfe bereits aufstocken. Zu Buche stehen ein Mammutkredit der heimischen Finanzbranche über 50 Milliarden Euro sowie 30 Milliarden Euro an staatlichen Garantien. Das reicht nicht, weil das Neugeschäft der Bank dem Vernehmen nach praktisch zum Erliegen gekommen ist und sich die HRE wenn überhaupt nur noch als Staatsbank refinanzieren kann, sagen Experten. An einer Verstaatlichung führe kein Weg mehr vorbei.

Die Quote von 25 Prozent, mit der der Staat soeben bei der Commerzbank eingestiegen ist, werde bei der HRE nicht reichen.
Die Ende September bei ohnehin nicht ausreichenden 6,8 Prozent darbende Eigenkapitalquote ist weiter verfallen, heißt es. Bei den gut drei Milliarden Euro Verlust im dritten Quartal sei es nicht geblieben. Auch am Markt schwindet der Glaube an ein Überleben der HRE als Privatbank zusehends. Die mittlerweile aus dem Dax abgestiegene Aktie ist nur noch gut zwei Euro, der ganze Konzern weniger als eine halbe Milliarde Euro wert. Auch über eine Zerlegung des Instituts wird spekuliert. So halten es Experten für möglich, dass die irische Tochter Depfa, die hauptsächlich für das Fiasko verantwortlich ist, abgespalten und vom Soffin übernommen wird.

Eine noch ungeklärte Frage ist auch, was mit HRE-Großaktionär Flowers geschieht. Der Finanzinvestor hatte Mitte 2008 ein Viertel des Immobilienfinanzierers zum Zehnfachen des jetzigen Aktienkurses übernommen und will seine Verluste nun so klein wie möglich halten. Klar sei, dass es wegen des fortschreitenden Verfalls der HRE immer teurer werde, je länger eine Entscheidung dauert, warnen Finanzexperten.

Die Bank pleite gehen zu lassen, ist keine Option, da sie vor allem wegen ihrer dominierenden Stellung im Pfandbriefgeschäft als systemrelevant gilt. Damit wird die HRE, die bis 2013 mehr als jeden zweiten Arbeitsplatz streichen muss, einen Großteil der 500 Milliarden Euro für sich beanspruchen, die der Bund für die Rettung der heimischen Banken zur Verfügung gestellt hat. In ihre Dimension kommt weder eine der taumelnden Landesbanken noch die Commerzbank.

Thomas Magenheim-Hörmann

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