HypoVereinsbank: Belegschaft geht wegen Sparplänen auf die Barrikaden

München - Das EM-Finale ging am Vorabend verloren, es nieselt und der Lautsprecher bleibt anfangs stumm. Doch das tut der Empörung keinen Abbruch.

Rund 230 Mitarbeiter der HypoVereinsbank (HVB) haben sich am Montagmorgen vor dem Vorstandssitz des Instituts in der Münchner Innenstadt versammelt. Sie blasen in Trillerpfeifen, recken Transparente in die Luft und klatschen lang, als Betriebsrat Roland Pauli in die doch funktionstüchtige Flüstertüte ruft: "Wir sind längst unterbesetzt, wir sind ausgeblutet, die Überstunden explodieren."

Alessandro Profumo, Vorstandschef des HVB-Mutterkonzerns Unicredit, hat die Beschäftigten des Geldhauses erstmals seit 1997 wieder auf die Straße getrieben. Der italienische Bankenriese werde bis 2010 in Italien, Österreich und Deutschland 9000 Stellen abbauen und ins boomende Osteuropa verlagern, gab sein Topmanagement letzten Donnerstag bekannt.

Wie viele Arbeitsplätze im deutschen Heimatmarkt der HVB wegfallen sollen, sagten sie nicht. Gewerkschafter rechnen mit bis zu 2500 betroffenen Jobs, die das Münchner Kreditinstitut aber nicht bestätigen will. Dort ist nur zu hören, dass bislang noch jeder Personalabbau sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen abgelaufen sei. "Diese Informationspolitik ist eine Zumutung", schimpft Klaus Grünewald, der für Verdi im Aufsichtsrat der HypoVereinsbank sitzt.

"Wir sind längst unterbesetzt, wir sind ausgeblutet, die Überstunden explodieren."

HVB-Betriebsrat Roland Pauli

Doch das ist nicht die einzige Unsicherheit, von der die Belegschaft betroffen ist. Spekuliert wird seit Längerem über die Auslagerung von 1300 Stellen im Verwaltungs- und IT-Bereich in Servicegesellschaften. Diese Einheiten sollen zwar in Deutschland angesiedelt bleiben und weiterhin zum Unicredit-Konzern gehören. Sie wären aber nicht mehr an den Tarif gebunden. Befürchtet wird deshalb, dass betroffene Mitarbeiter womöglich mit Lohneinbußen und längeren Arbeitszeiten leben müssen.

Weitere Rotstiftaktionen im Personalbereich sind bereits beschlossene Sache. Fest steht, dass in den kommenden beiden Jahren 250 Stellen abgebaut und nach Polen verschoben werden, um Kosten einzusparen. Darüber hinaus soll bis Ende 2008 eine Einheit von 300 Mitarbeitern des Gebäudemanagements an einen Investor abgegeben werden. Insgesamt sind damit bis zum Jahr 2010 im schlimmsten Fall über 4000 der 21 700 HVB-Vollzeitstellen von Verlagerungen, Ausgliederungen oder Abbau bedroht.

Die protestierenden Mitarbeiter sehen ihre Bank ausgepresst wie eine Zitrone. "Das geht nicht mehr so weiter", sagt einer. Zumal seit der Übernahme des Münchner Geldhauses durch die Italiener im Jahr 2005 bereits 2500 Stellen weggefallen sind. Die Arbeitnehmer fordern deshalb eine Verlängerung der zum Jahresende auslaufenden Beschäftigungsgarantie, eine Tarifbindung für alle Unicredit-Töchter und Standortgarantien. Andernfalls schließt Verdi Streiks nicht aus. "Wir werden Stärke zeigen", sagt Klaus Grünewald.

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