HypoVereinsbank bezahlt 12 000 Mitarbeiter streng nach Leistung

- München - Bankangestellter mit festem, quasi beamtenmäßigem Gehalt - dieses Bild gehört der Vergangenheit an. Seit Jahresbeginn bezahlt die HypoVereinsbank in München ihre Tarifangestellten im Inland nach Leistung. Andere Banken, wenn sie nicht schon wie die Deutsche Bank leistungsbezogene Gehaltskomponenten eingeführt haben, beobachten das neue Modell der Münchner Großbank mit Interesse.

<P>Das neue Vergütungssystem der HypoVereinsbank (HVB) sieht vor, dass jeder der 12 000 Tarifangestellten in Deutschland am Anfang des Jahres sich mit seinem Vorgesetzten darauf verständigt, was erreicht werden soll, erklärte Knut Hansen, Sprecher der HVB, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Ziele müssten möglichst messbar sein und die Zielvereinbarung erfolge im Konsens. Die Bewertung umfasst drei Stufen: Null für "Ziel nicht erreicht" (0 bis 50 Prozent erfüllt), Plus für "Ziel erreicht" (75 bis 125 Prozent) und zweimal Plus für "Ziel übertroffen" (150 bis 200 Prozent). "Die Lücken zwischen den Prozentzahlen dienen dazu, die Führungskräfte anzuhalten, klare Entscheidungen zu treffen", sagte Hansen. Bedingung für die Gewährung der Zulagen sei eine Eigenkapital-Rentabilität von mindestens fünf Prozent.<BR><BR>"Es wird niemanden geben, der weniger verdient", betonte Hansen. Die Angestelltengehälter seien nach unten abgesichert. Als Grundgehalt gebe es 12 Monatsgehälter, die den 13 Monatsgehältern vom letzten Jahr entsprechen. Dazu komme die Bonussumme, die zwischen null und vier Monatsgehältern liege. <BR><BR>Grundlage für das neue Gehaltssystem sei der neue Tarifvertrag von 2003 für das private Bankgewerbe. Danach können das bisherige 13. Monatsgehalt sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld und weitere Leistungen in ein Bonussystem umgewandelt werden. Die HVB hat das mit dem Betriebsrat verhandelte Bonussystem zum 1. Januar eingeführt. Das System soll schrittweise bis 2008 umgesetzt werden.<BR><BR>HVB-Gesamtbetriebsratschef Peter König sagte, wegen schlechter Erfahrungen mit dem bestehenden Bonussystem seien die Beschäftigten zunächst skeptisch gewesen. Da dabei die Höhe des Budgets vom Geschäftserfolg der Bank abhing, seien in guten Zeiten überdurchschnittlich viele gute Beurteilungen und im Gegenzug in mageren Jahren viele schlechte Beurteilungen ausgesprochen worden.<BR><BR>Die Neuregelung habe nun den Vorteil, dass durch eine Budgetgarantie die Bezahlung von 14 Monatsgehältern zum Regelfall werde und der Betriebsrat ein erweitertes Mitbestimmungsrecht bis hin zum Vetorecht habe, sagte König. Können sich Mitarbeiter und Vorgesetzter nicht auf ein Ziel einigen, wird die nächsthöhere Führungskraft eingeschaltet, bei weiteren Schwierigkeiten der Betriebsrat hinzugezogen.<BR><BR>Die Deutsche Bank hat schon seit 2002 bankweit Boni eingeführt, die oberhalb des 13. Monatsgehaltes angesiedelt sind. Für die Angestellten bedeutet das bis zu zwei Bruttogehälter zusätzlich. Bei Dresdner und der Commerzbank gebe es eine Bezahlung nach Leistung für alle bisher nicht. "Aber das Modell der HVB wird sicherlich von uns beobachtet", sagte Renate Christ von der Dresdner Bank.<BR></P>

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