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Rund 600 Filialen hat die HypoVereinsbank noch. Jede zweite wird bis 2016 schließen oder zusammengelegt. Spekuliert wurde über das drastische Programm schon länger, jetzt wurden die Zahlen bestätigt.

Abbau von 1500 Arbeitsplätzen

Bestätigt: HypoVereinsbank schließt 300 Filialen

München - Die HypoVereinsbank schließt jede zweite Filiale und baut im Zuge dessen 1500 Arbeitsplätze ab. Dahinter verbirgt sich kein Sparkonzept, sondern eine bestimmte Erkenntnis.

Die HypoVereinsbank stellt sich neu auf. Die zur italienischen Unicredit gehörende Münchner Bank schließt 300 ihrer 600 Filialen in Deutschland. Grund dafür ist das schwindende Interesse der Bankkunden an Beratung in der Filiale. „Die Digitalisierung ist eine fundamentale Umwälzung, an der wir nicht vorbei kommen“, erklärte dazu HVB-Chef Theodor Weimer am Mittwoch bei Vorlage der Bilanz. „Der Kunde gibt den Takt vor.“

Während im Jahr 2000 noch 70 Prozent des Geschäfts über die Filialen liefen waren es 2010 nach früheren Angaben der Bank nur noch 30 Prozent. Im Jahr 2015 dürften es demnach nur noch fünf Prozent sein.

Der mit der drastischen Verkleinerung des Filialnetzes einhergehende Abbau von 1500 der 19.000 Stellen der Bank sorge für große Unsicherheit und Ängste in der Belegschaft, räumte Weimer ein: „Es ist schmerzhaft, aber eine nicht schmerzhafte Lösung gibt es für das Filialgeschäft nicht.“ Derzeit befinde man sich in Verhandlungen mit den Mitarbeitervertretern.

"Wir werden das durchziehen"

Auch mit seinen Führungskräften ist der HVB-Chef in Gesprächen, dabei geht es darum, die Filialen zu identifizieren, die geschlossen oder zusammengelegt werden können. Dass bei diesem Prozess auch Kunden abwandern, ist dem Management bewusst. Eine Alternative zum Rückzug aus dem Massengeschäft sieht man dennoch nicht. „Wir werden das durchziehen“, so Weimer.

Verkaufen will die Bank, die vor allem im Firmenkundengeschäft stark ist, den Privatkundenbereich aber nicht, bekräftigte der Vorstand. Vielmehr setze man künftig verstärkt auf die gehobene Kundschaft. Dazu sollen die verbleibenden Filialen schicker und größer werden, Flagship-Charakter bekommen.

Gut 300 Millionen Euro will die HVB, die allein in München derzeit noch 100 Filialen unterhält, in die Neuausrichtung investieren. Die Bank setzt dabei auf multimediales Banking, also etwa Beratung per Video sowie mobile und internetbasierte Angebote. Grundsätzlich sollten auch Banken mehr experimentieren, meinte Weimer.

Mit dem Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres zeigte er sich zufrieden. Der Vorsteuergewinn verringerte sich zwar von rund 2,1 auf 1,5 Milliarden Euro. Dabei machte sich aber auch der Wegfall eines Sonderertrags bemerkbar, der das Vorjahresergebnis begünstigt hatte. Unter dem Strich verdiente die Bank rund 1,1 Milliarden Euro, nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

Für das laufende Jahr erwartet Weimer ein „solides Ergebnis“, das aber auch angesichts der historisch niedrigen Zinsen leicht unter dem Ergebnis des vergangenen Jahres liegen dürfte.

Die italienische Konzernmutter Unicredit hatte mit Milliarden-Abschreibungen und einer hohen Risikovorsorge ihre Bilanz aufgeräumt und deshalb für 2013 rund 14 Milliarden Euro Verlust verbucht.

Corinna Maier

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