"Ich habe schon besser geschlafen"

Telekom-Chef René Obermann: - Telekom-Chef René Obermann sprach im Interview auf der Computermesse Cebit über seine Sparpläne, die Ängste der Mitarbeiter und die Zukunftsaussichten für den Bonner Riesen.

Die T-Aktie entwickelt sich weiterhin sehr schwach. Auch mit dem neuen Telekom-Vorstand hat sich das Bild nicht geändert. Können Sie eigentlich noch ruhig schlafen, Herr Obermann?

Obermann: In vier Monaten Wunder bewirken zu können, habe ich mir bei allem Ehrgeiz - und seien Sie versichert, dass ich Ehrgeiz habe - nicht vorgenommen. Vielmehr ist es unser Ziel, das Unternehmen langfristig neu auszurichten, notwendige Kostenmaßnahmen zu ergreifen und in innovative Produkte zu investieren. Ich denke, dass eine mittel- und langfristige Orientierung wichtiger ist als eine kurzfristige Ausrichtung auf den Aktienkurs. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Es gab schon Zeiten, da habe ich besser geschlafen.

Gibt es von Großaktionären Druck auf den Vorstand, wollen die Telekom-Eigner bald Ergebnisse sehen?

Obermann: Meine Vorstandskollegen und ich brauchen keine Zusatzmotivation von außen, um zu wissen, was wir erreichen müssen. Wir haben uns vorgenommen, die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland deutlich zu verbessern, sowohl auf der Produkt- und Marketingseite, als auch auf der Preis- und Kostenseite. Wir haben uns vorgenommen, gezielt Innovationen rund um das Internet voranzutreiben. Zudem wollen wir, sofern sich attraktive Gelegenheiten bieten, im Rahmen enger betriebswirtschaftlicher Kriterien, auch wieder internationales Wachstum durch Zukäufe anstreben.

Wie sind denn die ersten Rückmeldungen von Investoren auf Ihre neue Strategie ausgefallen?

Obermann: Die Rückmeldung war überwiegend positiv. Aber es gibt auch Skepsis in Bezug auf unsere Fähigkeit, die Kosten in den Griff zu bekommen - ob wir es hinbekommen, mit dem Sozialpartner durch das spannungsgeladene Feld zu gehen.

Die Gespräche mit Verdi in Bezug auf die geplante Ausgliederung von 50 000 Mitarbeitern in die T-Service haben begonnen. Sie wollen bis Frühsommer eine Lösung erreichen. Ist das angesichts der massiven Gewerkschaftskritik überhaupt realistisch?

Obermann: Das ist ein sehr ambitionierter Zeitplan. Aber wir haben dazu keine Alternative. Nur so können wir Arbeit langfristig im Konzern halten - das ist im Sinne der Beschäftigten. Und daran sollte auch den Arbeitnehmervertretern gelegen sein. Die Lösung muss wettbewerbsorientiert und wirtschaftlich vertretbar sein. Nicht alle Mitarbeiter können das nachvollziehen. Was ich verstehen kann! Was mir in diesem Zusammenhang wichtig ist: Die Tatsache, dass wir über höhere Effizienz und mehr Flexibilität verhandeln, hat nichts damit zu tun, dass wir unseren Mitarbeitern Kompetenz absprechen. Ganz im Gegenteil: Wir haben kompetente Leute. Aber wir brauchen eine langfristige Perspektive für die Menschen und das geht nur, wenn wir uns im Wettbewerb behaupten.

Wie tief werden denn die Einschnitte für die Beschäftigten werden, die in die T-Service ausgegliedert werden sollen?

Obermann: Hierzu kann ich derzeit keine konkreten Aussagen machen, da möchte ich den Verhandlungen mit dem Sozialpartner nicht vorweggreifen. Die Eckpunkte sind bekannt: Wir haben einen immensen Produktivitätsnach­teil und Rahmenbedingungen, die dem Wettbewerb nicht gerecht werden. Beispielsweise die 34-Stunden-Woche statt 38 bis 40 Stunden wie bei der Konkurrenz; mehr Freizeit, Urlaub und günstigere Pausenregelungen und eine Bezahlung, die zum Teil drastisch vom Wettbewerb abweicht. Nur zum Vergleich: Ein Call-Center-Agent bei uns bezieht im Jahr 40 000 Euro, beim Wettbewerber 20 000 Euro. Übrigens tarifvertraglich von der Gewerkschaft abgesegnet, die uns jetzt für diese Forderung massiv kritisiert.

Denken Sie über die angekündigte Ausgliederung von Mitarbeitern in die T-Service über weitere Schritte zum Umbau der T-Com nach mit einer möglichen Zerschlagung der Sparte und Gründung einer Netzgesellschaft?

Obermann: Nein, das sehe ich nicht. Solche Spekulationen werden gezielt gestreut, um Stimmung zu machen. Ich halte das für unseriös.

Die Kunden sind sehr preisbewusst. Wenn Sie den Wettbewerbern nicht Paroli bieten, werden Sie immer verlieren.

Obermann: Preisführer können wir nicht werden, schon regulierungsbedingt. Aber unser Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen. Das heißt: Netzqualität, Endgeräte, Kundenservice vor Ort und Preisniveau müssen so gut sein, dass die Kunden bereit sind, bei uns fünf oder acht Euro mehr zu bezahlen als beim Billiganbieter. Ein paar Prozent Preisabstand können wir uns dann leisten, die Kunden honorieren das auch.

Wie geht es mit dem Stellenabbau bei der Telekom nach 2008 weiter, wenn Sie das derzeit noch laufende Programm umgesetzt haben? Ist dann ein Ende des Sparprogramms allmählich in Sicht?

Obermann: Wenn heute einer sagt, in drei Jahren sei Schluss mit Veränderungen, dann ist das unrealistisch. Das Unternehmen wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern. Auf der einen Seite macht der technologische Fortschritt manche Arbeiten überflüssig, auf der anderen Seite gibt er neue Beschäftigungschancen: Mit neuen Technologien kommen neue Anwendungen und Dienste. Wir werden alles daransetzen, uns darauf vorzubereiten und etwa durch Qualifizierungsmaßnahmen den technologischen Entwicklungen Rechnung tragen. Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass die Telekom bislang keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen hat. Wir wollen auch in Zukunft möglichst auf dieses Instrument verzichten.

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