Ich-AGs drücken: Bald Mindestlohn fürs Putzen?

- München - Mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns rechnet Eberhard Sasse in den nächsten Jahren. Für ungelernte Kräfte werde der Tariflohn in der Reinigungsbranche weiter nach unten gehen, der Tarif in vier bis fünf Jahren ganz wegfallen, so der Vorstandsvorsitzende der Dr. Sasse AG, München.

<P>In der Praxis werde schon heute die Arbeitszeit bei gleichem Lohn ausgedehnt, um den Tariflohn auszuhebeln. Sasse selbst lehnt den gesetzlichen Mindestlohn ab: "Ich will es nicht, aber es wird kommen." In der Gebäudedienstleistung wurde der Tarif in diesem Jahr bereits um zehn Prozent gesenkt. <BR><BR>Der Tariflohn in München für die sogenannte "Leichtlohngruppe" für ungelernte Kräfte liegt damit bei nur 7,68 Euro pro Stunde. Bei 40 Prozent Abzügen könne ein Ganztagsbeschäftigter in München von seinem Lohn nicht mehr leben, meinte Sasse.<BR><BR>Deshalb werde auch eine Unions-geführte Regierung um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns nicht herumkommen. Die Osterweiterung der EU macht Sasse dagegen "nicht nervös". Es werde keine Überschwemmung mit Gebäudedienstleistern aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten geben. "Die haben viele billige Leute, aber sie können sie nicht zu einer einheitlichen Dienstleistung zusammenfassen." Er fürchte kein unkontrolliertes Lohndumping, weil es die Arbeitskräfte bei dem geringen Ansehen des Reinigungsberufes nicht in die Bundesrepublik ziehe. <BR><BR>Allerdings würden sich in den grenznahen Gebieten die Löhne in West und Ost annähern. Auf dem Markt für Gebäudedienstleistungen ("Facility Management") herrscht nach Sasse hoher Preisdruck, in München sei es gar zu einem Preisverfall gekommen.<BR><BR>Ich-AGs und kleine Unternehmen unterböten sich gegenseitig mit Lohndumping. Aber Sasse sieht auch eine Tendenz der Rückkehr zu leistungsfähigen Anbietern. Es komme wieder häufiger der Bestanbieter zum Zuge, weil der Preis bei der Vergabe nur noch mit 50 Prozent und die Leistung mit 50 Prozent bewertet werde. Auftraggeber hätten erkannt, dass die Nacharbeit beträchtliche Kosten verursache. <BR><BR>Die Sasse AG, München, erwartet 2004 einen Umsatz von 80 bis 81 Millionen Euro, das sind rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr. 2003 erwirtschaftete das Unternehmen mit seinen 2700 Mitarbeitern in ganz Deutschland einen Gewinn vor Steuern von fünf Prozent und das soll trotz aller Marktveränderungen auch so bleiben.<BR><BR></P>

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